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»Probieren wir es doch testweise« – Neues Rathaus soll länger öffnen

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Seebruck: Neues Rathaus soll länger öffnen – "Probieren wir es doch testweise"
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In rund zwei Monaten soll das neue Rathaus in Seebruck bezugsfertig sein. Nach Ansicht des Gemeinderats sollte mit dem Einzug auch der Service durch längere Öffnungszeiten noch bürgerfreundlicher werden. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Mit dem Einzug in das neue Rathaus in Seebruck und der damit einher gehenden Verwaltungszusammenlegung im Januar sollen auch die Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung für den Parteienverkehr angepasst werden. Die Umsetzung erweist sich jedoch als schwierige Geburt, wie sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung herausgestellt hat.


Die vom Gemeinderat geforderte Verlängerung der Öffnungszeiten an einem Nachmittag würden nach Auffassung der Verwaltung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten unweigerlich zu Einschränkungen im Betriebsablauf sowie den übrigen Servicezeiten führen. Der Gemeinderat, der sich mit diesem Thema bereits im Oktober befasste, hält aber daran fest, wenigstens an einem Nachmittag längere Öffnungszeiten anzubieten. Nach intensiver Diskussion war sich das Gremium einig, dem Personalrat vorzuschlagen, an den Donnerstagen bis 19 Uhr zu öffnen.

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Verwaltung sieht keinen erkennbaren Bedarf

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat in der Oktobersitzung eine Reihe von Vorschlägen eingebracht, um das Rathaus noch bürgerfreundlicher zu machen. Wenigstens an einem Tag sollte den Bürgern auch nach 17 Uhr die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Anliegen zu erledigen. Von der Verwaltung wurden die Rechtmäßigkeit und die Umsetzbarkeit dieser Vorschläge zwischenzeitlich geprüft.

Nach Ansicht der Verwaltung bestehe für eine Verlängerung der Öffnungszeiten an einem Nachmittag kein erkennbarer Bedarf. Bereits bei den bisherigen Nachmittags-Öffnungszeiten donnerstags bis 16 Uhr und dienstags bis 17 Uhr würde oftmals kein einziger Bürger den Weg ins Rathaus suchen, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Durch eine Verlängerung müsste regelmäßig zusätzliche Arbeitszeit aufgebaut und an anderen Tagen wieder abgebaut werden.

Es wird auch darauf hingewiesen, dass bei verlängerten Öffnungszeiten das Rathaus mit voller Personalstärke besetzt sein müsse. Anderenfalls wäre eine Verlängerung wirkungslos, weil aufgrund der eigenen Verwaltungsgröße nur in den seltensten Fällen eine direkte Vertretungsregelung möglich sei und die Bürger bei reduziertem Personal keine Beratung mehr erhalten könnten, was wiederum dem Gedanken der Bürgerfreundlichkeit widersprechen würde.

Darüber hinaus weist die Verwaltung auf das Arbeitszeitgesetz hin. So dürfe die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung der Öffnungszeiten an einem Nachmittag auf 19 Uhr wäre nur dann möglich, wenn das Rathaus an diesem Tag erst später öffnen würde. Zu berücksichtigen sei auch, dass eine individuelle Terminvereinbarung mit den jeweiligen Mitarbeitern auch außerhalb der Öffnungszeit möglich sei. Auch ein reines Abgeben oder Abholen von Unterlagen sei aufgrund der längeren Öffnungszeiten der Tourist-Information, die in das neue Rathausgebäude integriert wird, jederzeit möglich.

Ebenfalls sei zu berücksichtigen, dass durch die in Kürze anstehende Einführung des Rathaus-Service-Portals die Online-Angebote der Gemeindeverwaltung deutlich erweitert würden und ein Rathausbesuch oftmals nicht mehr notwendig sein werde. Die zunehmende Digitalisierung werde mittelfristig konsequenterweise auch eine Reduzierung der mit Personal abgedeckten Servicezeiten mit sich bringen.

Der Vorschlag der Verwaltung und des Personalrats, ab Januar 2020 die derzeitigen Öffnungszeiten des Rathauses Roitham beizubehalten und als Option zusätzlich an den Donnerstagen eine Verlängerung um eine Stunde auf 17 Uhr einzuführen, reichte aber dem Gremium nicht aus. Nach Auffassung von Sepp Daxenberger (CSU) seien die Argumente der Verwaltung nicht nachvollziehbar: »Wenn wir kein Angebot machen, können wir auch nicht feststellen, ob es angenommen wird. Wir sind ein Dienstleiter!« Daxenberger plädierte dafür, an den Donnerstagen bis 19 Uhr zu öffnen: »Je nachdem, wie es sich entwickelt, können wir ja wieder zurückfahren.«

Diesen Vorschlag unterstützte auch Hans Huber (FW): »Probieren wir es doch testweise an einem Tag.« Vor dem Hintergrund der Zusammenlegung plädierte auch Michael Regnauer (CSU) dafür, mindestens einmal an einem Nachmittag bis 18 Uhr zu öffnen. Nach Ansicht von Stefan Berger (FW) sei 18 Uhr zu knapp. Viele Bürger würden bis 18 Uhr arbeiten.

Kein Parteiverkehr am Mittwochvormittag?

Die zweite Bürgermeisterin Martha Gruber (FW) wies auf das Arbeitszeitgesetz hin. »Uns muss schon bewusst sein, dass dann womöglich an einem Tag die Mitarbeiter erst um 10 Uhr anfangen«, gab sie zu bedenken. Gruber unterstützte deshalb den Vorschlag der Verwaltung, für den sich auch Norbert Maier (FW) aussprach. Vor dem Hintergrund einer individuellen Terminvereinbarung außerhalb der Öffnungszeiten müssten in seinen Augen die Öffnungszeiten nicht zwingend verändert werden. Mit dem Vorschlag von Sabine Pfaffenzeller (FW), am Mittwochvormittag keinen Parteienverkehr anzubieten und dafür an einem Tag länger zu öffnen, konnten sich die meisten anfreunden. Der Vorschlag, ob es auch innerbetrieblich möglich ist, an den Donnerstagen von 14 bis 19 Uhr zu öffnen, soll jetzt bis zur nächsten Sitzung vom Personalrat geprüft werden. ga

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