Bildtext einblenden
Gerhard Polt und die Well-Brüder begeisterten im Rahmen des Jubiläums »125 Jahre Burschenverein Ising-Truchtlaching« im Truchtlachinger Festzelt. (Foto: Rasch)

Polt und die Well-Brüder begeisterten bei Auftritt im Truchtlachinger Festzelt

Seeon-Seebruck – Auch nach über 40 Jahren, in denen Gerhard Polt mit den Well-Brüdern tourt, hat ihr Auftritt an Faszination nichts verloren: Im voll besetzten Truchtlachinger Festzelt begeisterten, der im gesellschaftskritischen Kabarett unangefochtene Meister, mit seinen komödiantischen Wechselbädern und die Musikerfamilie Well mit originellen Tönen. Die Besucher waren außer sich, jubelten und erklatschten sich Zugaben. Ein unvergessliches Erlebnis zwischen Wahrheit und Ernsthaftigkeit: »Wia im richtigen Leben mit bissigen und skurrilen Pointen und einer Fülle an musikalischen Schmankerln« schwärmte das Publikum.


Gerhard Polt, der im Mai 80 Jahre alt geworden ist, schaute besser aus, denn je. In seiner lässigen Jeans, Trachtenjanker und Turnschuhen wirkte er ziemlich fit. Bevor er seinen Zeitgenossen aufs Maul schaute, lästerten die drei Well-Brüder mit Anspielung an die Örtlichkeiten. »Stofferl«, Hans und Karl waren offenbar bestens informiert. Zu Ohren gekommen ist ihnen unter anderem, dass sich der Bürgermeister der Gemeinde Seeon-Seebruck, Martin Bartlweber, beim Anzapfen des ersten Fasses anlässlich des Jubiläums »125 Jahre Burschenverein Ising-Truchtlaching«, das am morgigen Sonntag mit einer Feldmesse und einem Festzug seinen Höhepunkt erreicht, ziemlich blamiert habe. Ob als Engländer, Inder, Chinese, Tiroler oder Italiener. Trotz seines hohen Alters beherrscht es Gerhard Polt nach wie vor, innerhalb von Sekunden in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen und weiß auf den Punkt, Dialekte und Stimmen einzusetzen. Nichts wirkt aufgesetzt und der Zuschauer hängt an seinen Lippen, bevor er überhaupt los legt. Etwa Falk Clement aus Rohrdorf. Er sei ein begeisterter Fan von Polt, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt. »Ich schätze an ihm, weil er sich nicht zensieren lässt. Sein eigener Humor wirkt authentisch. Er beobachtet hervorragend«, schwärmte der Rohrdorfer.

In seiner urigen Art mimt Polt im brachialen Bairisch den motzenden Kleinbürger, der sich über seinen Nachbarn Ranftl aufregt, der mehr Würstl grillt, als es die Ortssatzung erlaubt und deshalb mittels Drohne überwacht werden muss. Dazwischen streuen die Well-Brüder aus Hausen musikalische Antworten, wie die »Hendl«-Suite, ein Ohrenschmaus, der seines Gleichen sucht. Unübertrefflich ist seine Paraderolle, in der er als indischer Dorfpfarrer die katholische Kirche kritisiert: »Ich shepard, but no sheeps. Churches empty, emty! But Biergarten is paradise.« Nicht von schlechten Eltern ist auch die Rede vom Vertreter der Gebietskrankenkasse anlässlich einer Feier des Tiroler Spitalvereins im exakten Tiroler Dialekt.

Die Hände in den Hosentaschen vergraben, nimmt er sich die Politik vor: »Die Welt würde heute anders ausschauen, wenn Johnson, Erdogan, Putin und Co. Stubenmusik gemacht hätten.« Er unterhält sich mit der Dorfratschn und sinniert über seine dritte Scheidung. Seine Jessica ist mit seinem Lebensstil nicht mehr einverstanden. Er hingegen gibt der g'schmatzerten Preißngoaß-Influenzerin die Schuld an ihrem Ehe-Aus. Neben weiteren bissigen, sarkastischen und ironischen Sketchen, stellte er sich auch die Frage nach dem tieferen Sinn der Psychologie: »Muss ich Psychologie studieren, damit ich weiß, wer a Depp is oder ned?«

ga

Mehr aus Seeon-Seebruck