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Der Hänger ist schon fast voll. Simone Manhillen und Alexander Bick verladen noch einen Tisch, den sie für ihren neuen Salon in Ahrweiler brauchen können. (Foto: Oberkandler)

Neustart im Ahrtal mit einem Friseursalon aus Seeon

Seeon-Seebruck – Das Inventar des Friseursalons von Kerstin Gründel in Seeon wurde am Wochenende demontiert und auf einen Anhänger verladen. Es wird dieser Tage nach Ahrweiler gebracht und bildet die Grundausstattung für einen neuen Salon. Damit will sich die Friseurin Simone Manhillen eine neue Existenz aufbauen (wir berichteten). 


Die Flutkatastrophe Mitte Juli hatte ihren Betrieb und damit ihre Existenz vernichtet. Wasser und Schlamm durchfluteten die Geschäftsräume bis hinauf zur Decke und zerstörten das gesamte Inventar. Das Haus muss abgerissen werden. An anderer Stelle hat Simone Manhillen ein neues Objekt gefunden, das sie nun angemietet hat und darin einen Neuanfang starten will. Das ist aber gar nicht so einfach, denn auch dieses Haus war 1,6 Meter hoch überflutet. Momentan wartet sie darauf, dass ein neuer Estrich verlegt wird. Aber im Ahrtal Handwerker zu bekommen, ist derzeit ein Glücksfall.

»Ich bin zuversichtlich, dass ich meinen neuen Salon im April eröffnen kann«, berichtet sie in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Mit ihrem Lebensgefährten Alexander Bick ist sie gerade dabei, Stühle aus Kerstin Gründels Salon im Anhänger zu verladen.

Unterstützt werden die beiden unter anderem von Schreinermeister Hubert Frank. Er zerlegt die Einbaumöbel und gibt ihnen wertvolle Tipps für deren Wiederaufbau. Frank kennt sich da bestens aus, hat er doch den Salon an der Altenmarkter Straße vor vielen Jahren selbst eingebaut. Auch Uschi Gruber hilft beim Verladen mit. Sie stammt selbst aus dem Ahrtal und hat den Stein ins Rollen gebracht.

Als Verkäuferin im Seeoner Edeka-Laden hatte sie erfahren, dass Kerstin Gründel an Weihnachten ihren Salon schließen wird und gefragt, ob sie das Inventar nicht ins Ahrtal an ihre Freundin verkaufen würde, deren »Salon Chic« von der Flut zerstört worden war. »Als ich hörte, dass die Sachen ins Ahrtal gehen sollten, war mir sofort klar, dass ich dafür kein Geld verlange, sondern die Sachen spende«, erzählt die Friseurin, die ihren alteingesessenen Salon aus gesundheitlichen Gründen geschlossen hat. Den Transport übernimmt Bernhard Ostermayer aus Traunstein. Er hatte aus der Zeitung von dem Vorhaben erfahren und sich spontan bei Kerstin Gründel gemeldet. Es ist sein Hobby, Langstrecken zu fahren und so bot er sich an, das Inventar des Salons die gut 600 Kilometer nach Rheinland-Pfalz zu transportieren. Das Friseurzubehör aus Seeon ist ein weiterer Baustein, dass die zerstörte Existenz von Simone Manhillen in Ahrweiler wieder aufgebaut werden kann. Es ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn von der Flut waren fast 40 Betriebe betroffen. Simone Manhillen hat bereits spezielle Friseur-Waschbecken für ihren neuen Salon gespendet bekommen. Die passen aber nicht und sie würde sie gerne weitergeben, damit auch ein anderer zerstörter Betrieb eine Starthilfe bekommt.

Die Friseurin in Ahrweiler hat eigentlich gut vorgesorgt und eine sogenannte Betriebsausfallversicherung abgeschlossen. Die hat es aber nicht eilig mit dem Bezahlen und beschäftigt Gutachter mit der Schadensfeststellung und -prüfung. Staatliche Hilfe bekommen erst die Betriebe, die eine solche Versicherung nicht haben. Aber auch die großzügig versprochenen Staatshilfen fließen zäh, berichtete sie jetzt in Seeon.

Die katastrophale Flut in Bad-Neuenahr-Ahrweiler forderte im Juli 134 Todesopfer. Hunderte Menschen wurden obdachlos und verloren ihre Existenz. Die gesamte Infrastruktur ist kaputt, der Wiederaufbau geht schleppend voran. »Handwerker zu bekommen, ist fast wie ein Sechser im Lotto«, sagt Simone Manhillen im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Teile des Inventars ihres Salons wurden kilometerweit weggespült. »Aber ich gebe nicht auf und bin sicher, dass alles zu einem guten Ende kommt«, sagt sie.

– K.O.–

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