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Kloster Seeon: »Wir müssen uns gewaltig ins Zeug legen«

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Das ehemalige Cafe-Bistro-Leuchtenberg soll kernsaniert werden und künftig »Eingangspforte« zum Kloster Seeon werden. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Die laufenden Baumaßnahmen im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon nehmen sichtlich Gestalt an. Vieles wurde schon auf den Weg gebracht: Das frühere Kramerhaus und der Zugang zur Klosterkirche wurden bereits renoviert, eine Umrundung der Insel entlang des Ufers des Seeoner Sees wurde ermöglicht und im Bereich des Gemeindeparkplatzes entsteht gerade eine Hackschnitzel-Heizzentrale als Ersatz für die bisherige Ölfeuerung.


Durch die Weiterentwicklung des »Zukunftsprojekts Kloster Seeon« entsteht unmittelbar am Kloster auch eine nahezu autofreie Zone. Über diese und weitere in den nächsten beiden Jahren anstehenden Projekte wurde der Werkausschuss des Bezirks Oberbayern informiert.

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Jahresverlust von 2,27 Millionen Euro

Außerdem genehmigte dieser unter der Sitzungsführung von Bezirkstagspräsident Josef Mederer einstimmig den Wirtschaftsplan 2020 für Kloster Seeon. Bei den Erträgen wurden für das kommende Jahr 3,11 Millionen Euro veranschlagt und bei den Aufwendungen 5,38 Millionen Euro. Der Jahresverlust liegt demzufolge bei 2,27 Millionen Euro. Darin sind die Abschreibungen in Höhe von 1,13 Millionen Euro bereits enthalten.

Im laufenden Wirtschaftsjahr 2019 ist laut Wirtschaftsplan mit einem Verlust von knapp 690.000 Euro zu rechnen. Der für 2020 wesentlich höher prognostizierte Jahresverlust sei vor allem den Umbaumaßnahmen der Produktionsküche und des Tagungsrestaurants im Hauptgebäude geschuldet, sagte der Leiter des Kultur- und Bildungszentrums, Gerald Schölzel. Die Küche und das Tagungsrestaurant entsprächen nach 26 Jahren nicht mehr den heutigen Anforderungen und müssten deshalb dringend umgebaut beziehungsweise saniert werden. Während der Umbauphase zwischen März und November kommenden Jahres werden die Tagungsgäste deshalb in der Klostergaststätte und im Klosterstüberl versorgt.

Aus diesem Grund steht die Klostergaststätte, die seit rund zwei Jahren vom Bezirk Oberbayern mit eigenem Personal als öffentliche Gaststätte betrieben wird, zwischen Dezember 2019 und Ostern 2021 für die Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung. Nach Angaben von Schölzel hätten einige Mitarbeiter deshalb auch bereits gekündigt. Dem Traunsteiner Tagblatt sagte Schölzel: »Wir haben den Mitarbeitern angeboten, während der Umbauphase unbezahlten Urlaub zu nehmen und sie dann wieder zu übernehmen.«

Das für 2020 im Hotel- und Tagungsbereich prognostizierte Defizit, das sich zwischen 400 000 und 500.000 Euro bewegen wird, sei auch daraufhin zurückzuführen, dass während der Umbauphase der Produktionsküche und des Tagungsrestaurants neun umliegende Gästezimmer gesperrt werden müssten. »Es wird laut werden, daher können neun Zimmer in dieser Zeit nicht genutzt werden«, sagte Schölzel.

Trotz der laufenden Baumaßnahmen konnte der Tagungsbereich heuer eine erfolgreiche Bilanz verbuchen. Die 20.000-Besuchermarke wurde geknackt und der Umsatz wurde trotz Personalkostensteigerung um rund 100.000 Euro gesteigert. Weiter teilte er mit, dass das Kultur- und Bildungszentrum trotz Baustelle in einer Bewertung nicht schlecht abgeschnitten habe. Er wies auch darauf hin, dass die Einrichtung des Bezirks nicht den Anspruch eines Hotels mit Wellness-Bereich, Schwimmbad oder Silvesterball vertrete. »Wir wollen kein Chichi, sondern ein ehrliches Produkt anbieten«, sagte Schölzl.

Während die Bezirksräte tagten, wurde mitunter auch am Gebäude der neuen Heizanlage fleißig gearbeitet. Nach Angaben von Schölzel soll bereits im Januar oder Februar der Probebetrieb der neuen Heizungslage, die mit Holzhackschnitzeln betrieben wird, starten. Schritt für Schritt sollen dann die Erdöltanks zurückgebaut werden. Aufgrund der Baumaßnahmen musste auch ein Teilbereich des öffentlichen Parkplatzes gesperrt werden. Dafür wurden unmittelbar neben dem öffentlichen Parkplatz auf dem ehemaligen Scheizenberg-Anwesen weitere Ausweichparkplätze geschaffen. Die Parkplätze in Scheizenberg werden aber mittlerweile nicht mehr benötigt, sagte Schölzel. Für die Zukunft soll in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein Parkplatzkonzept entwickelt werden.

Kegelbahn aus dem Dornröschenschlaf holen

In einem nächsten Schritt soll das ehemalige Cafe-Bistro-Leuchtenberg kernsaniert werden. Das Gebäude soll künftig die »Eingangspforte« des ehemaligen Benediktinerklosters symbolisieren. Neben den Kulturbereichen soll hier auch der Klosterladen einziehen, der sich jetzt im Hauptgebäude befindet. Geplant ist auch eine kleine Gastronomie. Darüber hinaus soll auch ein verwunschenes Relikt wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden, das Aufschluss darüber gibt, dass Seeon seit der Säkularisation auf Gäste eingerichtet ist. In Bad Seeon labten sich die Kurgäste nicht nur an der schwefelhaltigen Quelle, sie amüsierten sich auch auf einer Kegelbahn. Die historische Sportstätte besteht heute noch und soll voraussichtlich nächstes Jahr wieder »aktiviert« werden.

Ziel des Zukunftsprojekts sei nicht nur eine Gewinnmaximierung, sondern auch der Erhalt des Denkmals, sagte Bezirkstagspräsident Mederer. »Wir müssen uns gewaltig ins Zeug legen, wenn wir uns den aktuellen Anforderungen anpassen wollen.« ga