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Kiesgrube in Seeon: Landratsamt prüft Auswirkungen erneut – Projekt noch nicht vom Tisch

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Kiesgrube in Seeon: Landratsamt prüft Auswirkungen erneut – Projekt noch nicht vom Tisch
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Auf dieser Fläche links und rechts eines bestehenden Weges in Grünweg bei Seeon soll künftig Kies abgebaut werden. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Der geplante Kiesabbau in Seeon wird weiterhin behördlich geprüft: Nach Angaben des Landratsamts sollen die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees noch einmal überprüft werden. Das heißt aber nicht, dass die Baugenehmigung des Kiesabbaus, wie von den Grünen in einer Presseerklärung mitgeteilt wurde, aufgehoben ist. Darauf weist das Landratsamt Traunstein mit Nachdruck hin.


Die für den morgigen Donnerstag geplante Mahnwache zum umstrittenen Kiesabbau in Grünweg bei Seeon wurde von der Bürgerinitiative »Kiesgrube Seeon Grünweg« abgesagt. Auch die Onlinepetition wurde zurückgezogen.

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Wie Kreis- und Gemeinderat Sepp Daxenberger (CSU) gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt sagte, habe er nach der erfolgten Genehmigung im Beisein von Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) in einem Gespräch mit Landrat Siegfried Walch interveniert und eindringlich auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees hingewiesen.

Diese Aspekte sollen jetzt vom Landratsamt überprüft werden. Über das Ergebnis des Gesprächs informierten Daxenberger und Bartlweber die Bürgerinitiative, die sich am Montag zu einem Vorabgespräch bezüglich der geplanten Mahnwache in Grünweg getroffen hatte. Die Mitteilung sei mit einem großen Jubel und mit Applaus aufgenommen worden, sagte Daxenberger.

Bürgerinitiative und
 Grüne sind erleichtert

Am späten Abend erreichte das Traunsteiner Tagblatt eine Eilmeldung des Grünen-Ortsverbands und Grünen-Gemeinderat, Toni Mayer. Sowohl die Grünen als auch die Bürgerinitiative seien erleichtert angesichts dieser Entscheidung und deshalb werde die geplante Mahnwache nicht abgehalten. Auch die Onlinepetition der Bürgerinitiative sei zurückgezogen worden.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, die ohnehin ihren Besuch bei der Mahnwache zugesagt hatte, werde aber trotzdem kommen und sich über die durch den geplanten Kiesabbau höchst bedenkliche Gewässersituation der Seeoner Seen und ihrer Moore, zu denen auch der Bansee gehöre, informieren. Die Kiesgegner befürchten, dass die dort lebenden und brütenden Wildgänse, Schwäne, Enten und viele weitere Tiere vertrieben werden und es durch den Betrieb zu Lärm- 
und Schmutzbelästigungen kommen wird.        

Wie mehrfach berichtet, hatte das Landratsamt im Rahmen eines rund dreijährigen Genehmigungsverfahrens dem Kiesabbau im Juni grünes Licht erteilt. Der Gemeinderat hatte sich im Zuge des Verfahrens aufgrund der exponierten Lage gegen das Projekt an dieser Stelle ausgesprochen. 
Gutachter sind jedoch zu der Auffassung gelangt, dass dort Kies abgebaut werden kann.

Die Abbaufläche befindet sich nach Angaben des Grundstücksbesitzers am Rande eines Naturschutzgebiets und liegt rund 600 bis 800 Meter vom Vogelschutzgebiet entfernt. Auf der rund zwei Hektar großen Fläche beabsichtigt eine Baufirma aus Eggstätt, die die Fläche südlich des Reiterhofs Grünweg gepachtet hat, Kies abzubauen, der hauptsächlich für den Eigenbedarf bestimmt sein soll. Nachdem das Landratsamt Traunstein die Genehmigung erteilt hat, hat der Betreiber vor, schon in den nächsten Wochen mit dem Abbau zu beginnen. Die Zufahrt und der Abtransport werden nach Angaben des Grundstücksbesitzers und des Betreibers ausschließlich über die Staatsstraße erfolgen.

Grundstücke grenzen
 an den Bansee

Auf Nachfrage im Landratsamt teilte Pressesprecher Michael Reithmeier mit, dass auf dem Grundstück nördlich des Verbindungswegs, der von Grünweg nach Pavolding führt, in einem ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von zirka 5000 Quadratmetern Kies abgebaut werden soll. Auf einem südlich davon gelegenen Grundstück zwischen dem Weg nach Pavolding und dem sogenannten Grünweg, der nach Roitham führt, soll in einem zweiten Bauabschnitt auf einer Fläche von 1,4 Hektar Kiesabbau stattfinden. Anschließend werden die Kiesgrubenflächen wiederverfüllt und rekultiviert. Die beiden Grundstücke grenzen östlich an den Bansee an. Am Bansee besteht bereits seit den 60-er Jahren eine kleinere Kiesabbaufläche.

Weiter heißt es, dass das Landratsamt das Kiesabbauvorhaben an diesem wasserwirtschaftlich und ökologisch sensiblen Ort von Beginn an kritisch gesehen habe. Auch deshalb habe das Landratsamt mehrmals die Bedeutung der Ausweisung von Vorrangflächen für Kiesabbau unterstrichen. Die Festlegung von Vorrangflächen, die jetzt auch in der Gemeinde Seeon-Seebruck festgesetzt werden sollen (das Verfahren hierzu läuft noch), führe dazu, dass Kiesabbauvorhaben innerhalb einer Gemeinde vorrangig nur noch auf diesen Flächen genehmigt werden können.

Nur mit der Ausweisung von Vorrangflächen könne die Genehmigung von Kiesabbauvorhaben im Sinne der Gemeinde gesteuert und dadurch 
verhindert werden, dass Kiesabbauvorhaben an ungewünschter Stelle genehmigt werden müssen. Das Verfahren zur Ausweisung von Vorrangflächen konnte bislang nicht zum Abschluss gebracht – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Einwendungen und Interventionen aus der Bevölkerung, die von der Gemeinde Seeon-Seebruck nun bearbeitet werden müssen.

Abbau erstmals im 
Januar 2018 beantragt

Maßgeblich für Genehmigungen solcher Art seien stets Gutachten und Stellungnahmen von Fachbehörden – so auch in diesem Verfahren. Der Antragsteller habe erstmals im Januar 2018 bei der Gemeinde Seeon-Seebruck Antragsunterlagen für ein Abgrabungsvorhaben auf den beiden Grundstücken eingereicht. Der Abgrabungsantrag erschien zunächst nicht genehmigungsfähig, maßgeblich schon deshalb, weil der Antragsteller nach damaligem Planstand beabsichtigt habe, auch den Verbindungsweg nach Pavolding abzugraben und an den Rand der Kiesgrube zu verlegen. Die Gemeinde Seeon-Seebruck habe hierfür aber als Grundstückseigentümerin die Zustimmung verweigert.

In diesem Frühjahr habe der Antragsteller eine neue Variante des Abgrabungsplans eingereicht. Darin habe er auf die ursprünglich geplante Verlegung des gemeindlichen Verbindungswegs von Grünweg nach Pavolding verzichtet. Zudem habe der Antragsteller umfangreiche wasserwirtschaftliche und naturschutzfachliche Gutachten vorgelegt. Auf deren Grundlage hätten sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch die Untere Naturschutzbehörde als amtliche Sachverständige ihre Einschätzung abgegeben, wonach das Vorhaben genehmigungsfähig sei. ga

Bericht vom Montag:

Protest gegen geplante Kiesgrube: »Das macht uns alle fassungslos«

Der bei Grünweg in Seeon geplante Kiesabbau schlägt hohe Wellen: Mit einer Mahnwache in Form einer Menschenkette will die Bürgerinitiative Kiesgrube Seeon/Grünweg am Donnerstag um 17 Uhr mit Treffpunkt am Scheitzenberg gegen den genehmigten Kiesabbau inmitten des Naturschutzgebiets protestieren.

Auch der Ortsverband der Grünen der Gemeinde Seeon-Seebruck ist auf den Zug mit aufgesprungen und hat auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl dafür gewonnen, sich ein Bild von dem geplanten Projekt zu machen. Ebenfalls mit dabei sein werden Vertreter des Umweltverbands Alztal und Umgebung (UVA) und des Bunds Naturschutz.

Wie der Sprecher des Grünen-Ortsverbands, Gemeinderat Toni Mayer, mitteilte, stehe der Ortsverband voll hinter der Bürgerschaft und wolle unbedingt dieses für Mensch und Natur so wichtige Naherholungsgebiet erhalten. Wie berichtet, wurde der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung darüber informiert, dass das Landratsamt Traunstein den Kiesabbau bei Grünweg genehmigt habe.

Auf einer Fläche von rund zwei Hektar soll in den nächsten Jahren von einer Baufirma aus Eggstätt, die die Fläche südlich des Reiterhofes Grünweg gepachtet hat, Kies für den Eigenbedarf abgebaut werden. Auf Nachfrage sagte der Grundbesitzer dem Traunsteiner Tagblatt, dass der Betreiber der Kiesgrube links und rechts des Fußwegs beabsichtige, in den nächsten Wochen mit dem Herrichten der Baustelle zu beginnen.

In den nächsten drei Jahren soll ein erster Bauabschnitt erfolgen. Nach dem Abbau soll diese Kiesgrube dann wieder mit Aushub befüllt werden. Der zweite Bauabschnitt kommt anschließend. Zufahrt und Abtransport werden laut Betreiber ausschließlich über die Staatsstraße erfolgen. Dem Gemeinderat sind bei diesem Projekt die Hände gebunden. Trotz seiner ablehnenden Haltung hat das Landratsamt den Abbau genehmigt.

Die Gegner wollen aber mit aller Macht verhindern, dass die schützenswerte Landschaft angetastet wird. Nach Angaben der Grünen soll die Abbautiefe bis fünf Meter unter die Wasseroberfläche der unmittelbar angrenzenden Bansee-Überschwemmungsflächen reichen, die einst als ökologische Ausgleichsmaßnahme geschaffen worden seien. Der Bansee, nur wenige hundert Meter von der geplanten Kiesgrube entfernt, sowie die westlichen Teile des Seeoner Klostersees seien als Naturschutzgebiet »Seeoner Seen« festgesetzt.

Einschließlich Überschwemmungsfluten seien sie gemäß der europäischen Natura-2000-Verordnung als Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutzgebiet festgesetzt. Das Kiesprojekt liege unmittelbar zwischen streng geschützten Landschaftselementen und direkt in der mit hohem Aufwand geschaffenen Biotopverbundachse zwischen der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte und den Seeoner Seen.

»Das Gebiet um den Bansee ist von höchster ökologischer Bedeutung. Sein Erhalt ist wichtig für das Landschaftsbild, für Naherholung und Touristik. Wie hier inmitten dieser geschützten und zu erhaltenden Landschaft ein weiteres Kiesprojekt vor dem Kloster Seeon entwickelt werden kann, macht uns alle fassungslos«, so Toni Mayer.

Auch der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) bietet den Bürgern seine Unterstützung gegen das Projekt an. »Von den fünf Seeoner Ortszufahrten soll jetzt also auch noch die letzte mit einer Kiesgrube versehen werden«, beklagt etwa der zweite Vorsitzende des UVA, Gerd Raepple, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Von Obing her bestünden die Gruben Thalham und von Rabenden her die Gruben Voglöd; aus Richtung Altenmarkt soll bei Eglhart eine Kiesabbau-Konzentrationsfläche ausgewiesen werden und eine aus Richtung Truchtlaching bei Steinrab. Nur die südwestliche Ortszufahrt, von Seebruck her, beim Reiterhof Grünweg war bisher frei von Kiesgewinnungs-Tagebau.

»Aber jetzt soll auch hier ein Kies-Krater entstehen. Das Seeoner Wahrzeichen ist dann nicht mehr das Kloster, sondern sind die Kiesgruben«, so Raepple. Die neue Kiesabbau-Genehmigung erfolge im klaren Gegensatz zum Regionalplan Südostoberbayern, der ausreichend Kiesabbauflächen für den langfristigen regionalen Bedarf ausweise. ga


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