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Gut 50 interessierte Helfer kamen in den Truchtlachinger Bürgersaal, um sich über die bevorstehende Hilfe für in der Gemeinde ankommende Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine auszutauschen. (Foto: Zandl)

Hilfe für Flüchtlinge: Gemeinde aktiviert Helferkreis

Seeon-Seebruck – Unter Leitung von Bürgermeister Martin Bartlweber fand ein Austausch- und Informationstreffen im Truchtlachinger Bürgersaal statt, an dem gut 50 Bürger teilnahmen. Dabei ging es um die bevorstehende Betreuung für erwartete Ukraine-Flüchtlinge im Gemeindebereich. 


Bartlweber informierte, im Landkreis Traunstein werde »bei einem Worst-Case-Szenario von maximal zehn Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine mit einer maximalen Aufnahmekapazität von 4000 Flüchtlingen gerechnet«, in Seeon stehe das ehemalige Gebäude der Lebenshilfe zur Verfügung, in dem ab Mitte nächster Woche etwa 50 Personen aufgenommen werden können. Der Landkreis sorge für die Möblierung, die Gemeinde für die nötige Erstausstattung von Kleidung, Hygieneartikeln und Nahrungsmitteln.

In Seeon-Seebruck setze man wieder auf einen ähnlichen Zusammenhalt von Helfern wie er sich bereits bei der zurückliegenden Flüchtlingswelle 2015/16 bewährt habe, so Bartlweber weiter.

Geklärt sei mittlerweile, dass jeder erwachsene Flüchtling aus der Ukraine ab sofort 330 Euro monatlich an Grundsicherung erhalte, um den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Dieses Geld könne auch von der Gemeindeverwaltung ausbezahlt werden, nachdem ein Flüchtling offiziell registriert und eine offizielle Aufnahme im Gemeindebereich gefunden habe. In diesem Zusammenhang wurde von Ehrenamtlichen an Bartlweber die Frage gerichtet, ob er sich nicht bei den örtlichen Banken für eine kostenfreie Kontoführung bei den Flüchtlingen einsetzen könnte. Bartlweber sagte zu, diesbezüglich nachzufragen.

Klar sei mittlerweile auch, dass schulpflichtige Kinder erst drei Monate nach ihrer Registrierung in Deutschland schulpflichtig seien. Das Nähere dazu werde momentan vom Kultusministerium erarbeitet. Sechs Monate nach der Registrierung haben Flüchtlingskinder einen Betreuungsanspruch in Kitas. In Traunreut gebe es mit der Allgemeinärztin Ludmilla Abt eine russisch sprechende Ärztin, und in Altenmarkt gebe es eine Apotheke, in der russisch gesprochen werde.

Ein Ehepaar aus Seebruck hat seine leer stehende Doppelhaushälfte einem älteren ukrainischen Ehepaar (80 und 73 Jahre alt) sowie deren 45-jähriger Tochter samt mitgebrachter Hauskatze zur Verfügung gestellt. Es schilderte die Sprachprobleme: Die Flüchtlingsfamilie stammt aus der Stadt Charkiw und spreche nur die in der Stadt seit 2012 wieder zugelassene Amtssprache Russisch. Zuletzt habe man sich bei einem Einkauf im Edeka-Laden nur durch Handzeichen verständigen können, welche Lebensmittel gekauft werden sollten. 100 Euro für die Lebensmittel kamen als Soforthilfe vom Sozialfonds der Gemeinde.

Julia Landinger aus Truchtlaching hat in ihren freien Räumlichkeiten im Dachgeschoß eine 48-jährige Mutter aus Kiew mit ihren beiden 14 und 20 Jahre alten Töchtern aufgenommen. Der Mann bzw. Vater blieb in der ukrainischen Hauptstadt zurück, um sich der Großeltern der Familie anzunehmen, die aufgrund ihres Alters und krankheitsbedingt nicht mehr flüchten konnten. In diesem Fall gibt es keine große Sprachbarriere, »weil die 20-jährige Soziologie-Studentin, ihre kleine Schwester und Mutter recht gut Englisch sprechen«, sagte Julia Landinger. Die aufgenommene Familie habe im Dachgeschoß ihr eigenes Reich mit ausreichend Privatsphäre. Die Küche wird von allen gemeinsam genutzt. Die Familie sei überaus dankbar und hilfsbereit, wodurch in kürzester Zeit eine harmonische WG entstanden sei.

Eine bürokratische Problematik bestehe derzeit darin, dass es nach der Registrierung der Flüchtlinge durch das Ausländeramt drei bis vier Wochen dauere, bis der Aufenthaltsausweis von der Bundesdruckerei bei ihnen ankommt, sagte Landinger. Diesen Ausweis benötige man beispielsweise zum Erhalt einer Krankenkassenkarte, um unkompliziert und vollumfängliche ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen zu können.

»In dieser Zeit sind aber Notfallbesuche beim Arzt jederzeit möglich«, sagte Bartlweber – »dafür ist keine Krankenkasse nötig.« Nach Registrierung im Ausländeramt des Landratsamts könne der Antrag auf Grundleistungen gemäß Asylbewerberleistungsgesetz gestellt werden.

Zur Benutzung des ÖPNV sagte Bartlweber, dass im Landkreis Traunstein von ukrainischen Bürgern bei Vorlage ihres Ausweises der RVO kostenlos benutzt werden könne. Auch die Deutsche Bahn biete eine kostenlose Nutzung der Verkehrsmittel an, dies sollte aber vorher vor Antritt der Fahrt angefragt werden.

Bartlweber ist es wichtig, »dass kein blinder Aktionismus bei der Hilfe gegenüber den Flüchtlingen entstehe, sondern dass vorher überlegt werde, zu welchem Zeitpunkt welche konkrete Maßnahme und Hilfe gegenüber den Flüchtlingen tatsächlich nötig und gewinnbringend ist.« Die Teilnehmer der Veranstaltung gaben zu verstehen, dass sie zur Mithilfe bereit sind, wenn es nötig wird. Interessenten können sich unter Telefon 08667/88 85 21 melden.

az

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