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Handwerksbetriebe plagen Nachwuchssorgen

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Foto: Pixabay/Symbolbild

Seeon-Seebruck – Den Handwerksbetrieben in der Gemeinde Seeon-Seebruck bereitet es Sorgen, dass viele junge Menschen es vorziehen, ihre Ausbildung in der Industrie zu absolvieren oder gar nach München abwandern. Wie man dieser Entwicklung entgegenwirken kann, darüber diskutierten auf Initiative der Gemeinde Seeon-Seebruck Vertreter der heimischen Handwerksbetriebe mit dem Schulleiter der Grund- und Mittelschule Obing, Thomas Duxner.


In dem Gespräch in der Schreinerei Daxenberger in Seeon wurde deutlich, dass nahezu alle Handwerksbetriebe mit dem Problem zu kämpfen haben, Auszubildende zu bekommen. Das bayerische Schulsystem sei zwar sehr vielfältig, aber »nicht gut für uns«, sagte Schreinermeister Bernhard Daxenberger. Durch die vielen Möglichkeiten, entsprechende Schulabschlüsse zu erreichen, würden es auch die Mittelschüler vorziehen, eine weiterführende Schule zu besuchen. »Wir brauchen aber die Mittelschüler«, so Daxenberger. Deshalb seien auch die Eltern gefordert, ihre Kinder zu motivieren, sich für einen handwerklichen Beruf zu entscheiden.

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Gute Zukunftsperspektiven auch in der Gemeinde

Dass das Problem nicht bei den Schulen liegt, sondern vielmehr an der heutigen Gesellschaft, darüber waren sich alle einig. »Wir sind verantwortlich dafür, dass das so ist. Da brauchen wir nicht jammern«, stellte Bürgermeister Bernd Ruth deutlich heraus. Aber man könne den jungen Leuten zeigen, dass es auch in der Gemeinde Seeon-Seebruck Arbeitsplätze mit guten Zukunftsperspektiven gebe.

Der Vorschlag des Bürgermeisters, insbesondere die Handwerksbetriebe, die ausbilden, auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen und damit den Schülern zu zeigen »Wir sind auch noch da«, fand auch bei Schulleiter Duxner Zustimmung. »Der Service wäre durchaus hilfreich«, sagte er. Zusätzlich empfehlenswert wäre nach seiner Ansicht auch ein zusätzliches, breit gefächertes Praxisangebot außerhalb der Schule.

»Ich bin froh um unsere Betriebe«, erklärte Gemeinderat Andreas Dorn, der an der Obinger Schule unterrichtet. Aus pädagogischer Sicht sei eine Berufsfindung aber auch entwicklungsabhängig: »Die Kinder müssen sich finden«, so Dorn. Nach seinen Angaben haben heuer alle Abschlussschüler der Obinger Mittelschule einen Ausbildungsplatz gefunden beziehungsweise werden eine weiterführende Schule besuchen.

Wie schwierig es ist, in der Gemeinde Seeon-Seebruck Auszubildende und Mitarbeiter für die Betriebe zu gewinnen, kommentierten die anwesenden Vertreter der Gewerbebetriebe. Anni Axthammer vom gleichnamigen Sanitär- und Heizungsbetrieb in Truchtlaching beklagte, dass sich in den vergangenen zwei Jahren kein Auszubildender gemeldet habe. »Wir haben jetzt einen Lehrling aus einer Förderschule eingestellt und ihm die Chance gegeben, eine Ausbildung zu machen.«

Drei Bewerber sind einfach nicht erschienen

Negative Erfahrungen hat auch die stellvertretende Leiterin des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon, Inge Ederer, gemacht. Das Kloster Seeon bildet ab September erstmals auch einen Veranstaltungstechniker aus. Drei Bewerber seien einfach nicht erschienen, so Ederer.

Mehr Interesse an freiwilligen Praktika würde sich Gemeinderat und Zimmerermeister Franz Wörndl von den jungen Menschen wünschen. »Ich weiß, das ist ein heikles Thema, aber es wäre gut, wenn die Schüler freiwillig kämen.« Das Schlimmste sei jedoch, dass die »guten Leute nach zwei Jahren weg sind«, so Wörndl. Die Schüler zu mehr freiwilligen Praktika zu motivieren, wäre auch im Sinne von Georg Seil von der Firma EMTEC (Sicherheitstechnik) in Seeon.

Auch der Geschäftsführer der Firma BrauKon in Seeon, Christian Nuber, legt den jungen Menschen einen Handwerksberuf ans Herz. Die große Stärke eines Handwerksberufs sei die persönliche Ausbildung, so Nuber.

Dass viele junge Leute lieber in einen Industriebetrieb wollen, als in einen Handwerksbetrieb, liegt nach Auffassung von Hannes Stadler vom gleichnamigen Raumausstatter in Truchtlaching auch am Freizeitverhalten. In einem kleineren Betrieb müssten auch mal Überstunden gemacht werden, sagte Stadler. Diese Mehrarbeit würden die jungen Leuten oft scheuen. ga