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»Es will niemand die Umwelt zerstören«

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Bürgermeister Bernd Ruth (rechts) stand in Seebruck Rede und Antwort. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Das Dauerthema »Entlastungsspange Seebruck« stand auch in der Seebrucker Bürgerversammlung im Gasthaus Malerwinkel im Fokus. Bürgermeister Bernd Ruth stellte das Ergebnis der Bürgerbefragung ob die Gemeinde die laufenden Planungen der Bayerischen Straßenbauverwaltung für eine mögliche Entlastungsspange weiterhin unterstützen soll, vor (wir berichteten). Die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) sagten dazu »Ja«. Rund 40 Prozent kreuzten »Nein« an.


»Wir respektieren das Ergebnis und damit ist das Thema abgehakt«, sagte der Sprecher der Grünen und des Bürgerforums, Toni Mayer. Das Ergebnis mit rund 40 Prozent »Nein«-Stimmen habe aber gezeigt, dass ein großer Teil der Bevölkerung hinter uns stehe und erkenne, was Sache sei. Schade finde er jedoch, dass während der Planungszeit für eine Entlastungsspange für die Alzbrücke, die auf 15 Jahre saniert werden soll, keine vernünftige Geh- und Radweg-Lösung Aussicht gestellt werde. »Wir wollen und werden auch in Zukunft noch stärker für den Umweltschutz eintreten, um unsere wunderschöne Landschaft und Moore zu schützen«, so Mayer.

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»Es will niemand die Umwelt zerstören«, versicherte Bürgermeister Bernd Ruth. Das Einzige, was die Gemeinde möchte, ist die Prüfung einer Alternative. Es wäre unverantwortlich den Bürgern gegenüber, wenn in diese Richtung nichts unternommen werde, sagte Ruth unter Applaus der über 170 Besucher.

Weiter betonte er, dass es weder eine Linienführung, noch ein konkretes Baukonzept gebe. Ausschlaggebend, ob das Projekt letztendlich auch umgesetzt werden könnte, seien die derzeit laufenden Untersuchungen. Es sei gut möglich, dass die Raumempfindlichkeitsstudie einen Abbruch bringe. »Wenn es nicht geht, dann geht es nicht!« Aufgrund des für die Gemeinde positiven Ergebnisses der Bürgerbefragung kann die bereits laufende Raumempfindlichkeitsstudie fortgeführt werden. Unabhängig davon wird die äußerst marode Alzbrücke für rund 15 Jahre saniert und dann wieder auf 40 Tonnen ausgelegt. Nach Angaben des Bürgermeisters soll mit der Sanierung im nächsten Jahr begonnen werden.

Weitere Themen, die zuvor von den Bürgern schriftlich bei der Gemeinde eingereicht worden waren, betrafen den Kiesabbau in Seeon sowie den 5G-Netzausbau. Einen aktuellen Sachstandsbericht über das laufende Verfahren zum geplanten Kiesabbau in Seeon konnte Ruth nicht präsentieren. Die 28 Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange und 19 Einsprüche von Privatpersonen, die im Zuge des Verfahrens in der Gemeinde eingegangen seien, bräuchten ihre Zeit, so Ruth. Er bat deshalb um Verständnis.

Dem Antrag eines Bürgers aus Straßham, die Bürgerversammlung darüber abzustimmen zu lassen, dass das neue 5G-Netz nicht in der Gemeinde installiert werde, wurde nicht stattgegeben. Nach Ansicht des Bürgermeisters sollte sich der Gemeinderat mit der Materie auseinandersetzen. Der Vorschlag von Ruth, das Thema im Gemeinderat zu diskutieren, wurde auch angenommen. Auch eine weitere Bürgerin beschäftigte das gleiche Thema: Sie warnte in einem umfangreichen Schreiben vor den gesundheitlichen Langzeitauswirkungen, die von der neuen 5G-Technologie ausgehen.

»Wie geht es mit der Gruber-Alm nach dem Auszug der Gemeindeverwaltung weiter?«, wollte Franz Mayer wissen. Die ehemalige Gaststätte in Roitham, die sich im Besitz der Gemeinde befindet, diente der Gemeindeverwaltung rund vier Jahre als Übergangslösung während des Rathausneubaus in Seebruck. Auch hier regte Ruth an, die Weiterverwertung der Immobilie dem Gemeinderat zu überlassen. »Dieser soll sich Gedanken machen, wie man so was verwerten kann.«

Vor rund acht Wochen ist die Verwaltung in das neue Rathaus in Seebruck eingezogen. »Wir haben den Neubau sicher durch das Tal geführt, was zunächst aussichtslos erschien«, erklärte Ruth. Er erinnerte daran, dass die Kosten der ersten Planungen im Zuge eines Realisierungswettbewerbs aus dem Ruder gelaufen seien und man aus der zunächst aussichtslosen Situation ein wertiges Gebäude für die nächsten vier Jahrzehnte geschaffen habe. Sowohl bei den Kosten, die unter der 5,7-Millionen-Euro- Grenze lägen, als auch bei der Fertigstellung habe man eine Punktlandung hingelegt. »Darauf können wir stolz sein.« Im Zuge des Rathaus-Neubaus sei auch die Aussegnungshalle auf Kosten der Gemeinde saniert worden.

Bezogen auf den Ortsteil Seebruck informierte Ruth auch darüber, dass die Gemeinde für den Bau des Kreisverkehrs am Gasthaus Malerwinkel eine hohe Förderung erhalten habe. Von den Gesamtbaukosten in Höhe von über einer Million Euro, seien auf die Gemeinde 126 000 Euro entfallen. Der Anteil der Gemeinde umfasse unter anderem die straßenbegleitenden Maßnahmen und den Grunderwerb.

Durch die Bildung einer Aktionsgruppe sei es auch gelungen, den »Schlauchboot-Tourismus« an der Haushoferstraße einigermaßen in den Griff zu bekommen. Unter anderem seien eine entsprechende Beschilderung angeordnet und eine Aufpumpstation für die Boote eingerichtet worden. Weiter teilte Ruth mit, dass bei der Abzweigung Rosenheimer Straße/Wasserburger Straße in Richtung Seeon eine Linksabbiegespur und Querungen eingebaut werden. Die Baumaßnahmen werden laut Straßenbauamt Traunstein zwischen Juni und Juli durchgeführt.

Wer mit offenen Augen durch Seebruck fährt, dem dürfte auch aufgefallen sein, dass die Ruine des ehemaligen »Schmied-Anwesens« in der sogenannten Reimer Kurve beseitigt worden ist. Die Gemeinde habe nicht nur das »Schmied-Anwesen«-Grundstück gekauft, sondern auch das Nebengrundstück an der Ludwig-Thoma-Straße, so Ruth. ga


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