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Erst Flächen für Kiesabbau festlegen, dann abstimmen – Arbeiten an Alzbrücke verschoben

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Die Sanierung der Alzbrücke in Truchtlaching wird nicht, wie zunächst vorgesehen, in der Hochsaison erfolgen, sondern erst ab Ende August. Das teilte Bürgermeister Bernd Ruth in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit. Nach Angaben des Landratsamtes könnte es durch die zeitliche Verschiebung witterungsbedingt zu einer längeren Bauzeit kommen, die sich bis Mitte November hinziehen könnte. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Um das Heft in die Hand zu bekommen, will die Gemeinde Seeon-Seebruck gezielte Konzentrationsflächen für den Kiesabbau in der Gemeinde ausweisen. Deshalb hat der Gemeinderat in einer Sitzung beschlossen, das Baugesuch eines Traunsteiner Bauunternehmens so lange auszusetzen, bis das Verfahren der Konzentrationsflächenfestlegung im Flächennutzungsplan beendet ist. Ein Antrag, das Baugesuch für ein Jahr zurückzustellen, soll jetzt im Landratsamt Traunstein eingereicht werden.


Der geplante Kiesabbau in Eglhart bei Seeon schlägt auch in der Bevölkerung hohe Wellen. Kritiker befürchten Schäden am Boden, an Flora und Fauna und schließlich am Menschen und kritisierten in einer Informationsveranstaltung den ihrer Meinung nach unverantwortlichen Wettbewerb im Ausverkauf der Natur.

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Entscheidung wurde zunächst vertagt

Diese Veranstaltung wollte der Gemeinderat auch abwarten, um eine endgültige Entscheidung über eine Aussetzung des Baugesuchs zu treffen. Deshalb wurde die Behandlung des Antrags Anfang Februar vertagt und in dieser Woche dann endgültig entschieden, das Landratsamt darum zu bitten, die Genehmigung des Kiesabbaus auszusetzen.

Eine klare Haltung vertrat die CSU-Fraktion: »Wir, die CSU werden das Baugesuch entschieden ablehnen, bis das Verfahren der Konzentrationsflächen im Flächennutzungsplan abgeschlossen ist«, sagte Sepp Daxenberger. Die Fraktion sei nicht generell gegen einen Kiesabbau, aber man wolle einen Kiesabbau, der geregelt sei. Auch das restliche Gremium plädierte für einen kontrollierten Kiesabbau und trug den Beschlussvorschlag der Verwaltung mit, das Baugesuch für die Dauer von zwölf Monaten zurückzustellen und die Bearbeitung des Abgrabungsantrages auszusetzen.

Als Argumentation wird angeführt, dass in dem Vorhaben gegenwärtig eine Gefährdung beziehungsweise eine wesentliche Erschwerung der Konzentrationszonenplanung gesehen werde. Auf der rund 4,7 Hektar großen Fläche könnten nach Angaben von Bürgermeister Bernd Ruth in 10 bis 15 Jahren jährlich rund 35 000 Kubikmeter Kies abgebaut werden.

Zustimmung fand die Installation zweier Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Truchtlachinger Feuerwehrhauses und der Grundschule Seeon durch die Bürgerenergie Chiemgau eG (BEC). Die Gemeinde ist Mitte letzten Jahres der BEC als Mitglied beigetreten mit dem Ziel, Solarstromanlagen vorrangig auf gemeindlichen Gebäuden zu installieren. Die Anlagen werden von der BEC installiert und an die Gemeinde gegen Entgelt vermietet. Das Mietverhältnis beträgt 20 Jahre.

Gemeinde kann Strom erzeugen

Die Gemeinde ist wiederum berechtigt, die Anlage während der Mietzeit zur Stromerzeugung zu nutzen, den Strom selbst zu verbrauchen oder ins Netz einzuspeisen. Laut einer Beispielrechnung anhand der Stromkosten 2017 der Grundschule ist der Kostenvorteil für die Gemeinde mit rund 200 Euro pro Jahr zwar relativ gering. Vielmehr aber zähle der Umweltgedanke, die Energiewende am Ort zu stärken, lautete der Tenor.

Durch die Solarstromanlagen könnten jährlich bis zu 14 Tonnen CO2 eingespart werden und der Strompreis werde für die nächsten 20 Jahre gedeckelt. Außerdem sei kein Kapitalaufwand im Haushalt sowie für die Installation und den Betrieb erforderlich. Bürgermeister Ruth wurde ermächtigt, die Mietverträge mit der BEC abzuschließen.

Das Gremium wurde auch informiert, dass die heuer geplante Instandsetzung der Alzbrücke in Truchtlaching auf Ende August verschoben werde. Ursprünglich waren die Arbeiten zwischen Juli und August geplant, also mitten in der Hochsaison. Diesbezüglich hatte die Gemeinde auf Aufforderung des Gemeinderats dem Landratsamt seine Bedenken mitgeteilt, das den Beginn der Arbeiten nun auf Ende August verschob. Witterungsbedingt könne es nach Auffassung der Behörde dadurch aber zu einer längeren Bauzeit kommen, die sich bis Mitte November hinziehen könnte.

Großteil der Arbeiten erfolgt von unten

Im Zuge der Sanierung wird ein Großteil der Arbeiten, wie Betonsanierung und Stahlträgerentrostung, vom Wasser aus an der Brückenunterseite erfolgen. Eine Sperrung für den Verkehr wird dabei nicht notwendig. Unter halbseitiger Sperrung sollen im Anschluss die Kappenoberflächen neu beschichtet und die Geländer erneuert werden. Eine Vollsperrung wird abschließend notwendig, wenn die Asphaltschicht erneuert wird.

In der Sitzung im Bürgersaal in Truchtalching wurde Melanie Westerberger zur neuen Familienbeauftragten bestellt. Sie tritt in die Fußstapfen von Renate Huber, die im Dezember diese Tätigkeit beendet hatte. Neben der neuen Familienbeauftragten stellte sich auch der neue Pächter des Seebrucker Strandbads, Giuseppe Amorese, mit seinem Team vor. Der Pachtvertrag ab April wurde nach Aussagen des Bürgermeisters bereits geschlossen. ga