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Entscheidend zum Wohlstand beigetragen

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Das Bild zeigt (von links) die Gründungsmitglieder Robert Aigner, Alois Glück und Dr. Michael Elsen, den MU-Bezirksvorsitzenden Bernd Kösstlinger und die MU-Kreisvorsitzende Petra Fürst-Zimmermann. (Foto: Huber)

Seeon-Seebruck – Der Mittelstand: Diese deutsche Besonderheit hat nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mit dazu beigetragen, dass heute breite Teile der Bevölkerung in der Bundesrepublik in Wohlstand leben können.


Vor 40 Jahren wurde im CSU-Kreisverband Traunstein die AGM (Arbeitsgemeinschaft Mittelstand) gegründet, die sich jetzt unter dem Namen »Mittelstands-Union« der Belange der heimischen Unternehmen im Mittelstand annimmt. Dieses Jubiläum wurde mit einer Feier im Restaurant Malerwinkel in Seebruck begangen.

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Festredner Landrat Siegfried Walch und die Teilnehmer einer lockeren Gesprächsrunde unter der Moderation von Andreas Hallweger beleuchteten die verschiedenen Aspekte des »Phänomens« Mittelstand, das es in dieser Ausprägung nur in den deutschsprachigen Ländern und wenigen anderen Staaten gibt.

»Personifizierte Verantwortung«

Während die Aktionäre der großen Industriekonzerne und Dax-Unternehmen »meist nur bis zur nächsten Jahreshauptversammlung denken und die Gewinnmaximierung bzw. Dividende im Auge haben, seien die mittelständischen Unternehmen die »personifizierte Verantwortung«, brachte es Landtagspräsident Alois Glück auf den Punkt. Er war zusammen mit Dr. Michael Elsen (Schlossbrauerei Stein) und Robert Aigner aus Fridolfing eines von drei Gründungsmitgliedern, die an diesem Abend für ihre Initiative vor vier Jahrzehnten geehrt wurden.

Die derzeitige Vorsitzende Petra Fürst-Zimmermann erinnerte an das politisch wie gesellschaftlich bewegte Jahr und ihre Stichworte Camp David, Drei-Päpste-Jahr, Abhöraffäre um Franz-Josef Strauß oder Fußball-WM-Debakel von Cordoba lösten Schmunzeln und Erstaunen darüber aus, wie lange das alles her ist. Und dass die CSU damals bei der Landtagswahl 53 Prozent der Wählerstimmen holte, schien gerade den jüngeren Gästen fast so unglaublich wie der zwölfte Platz des FC Bayern in jenem Jahr in der Fußball-Bundesliga.

Landrat Walch hob die breite Verflechtung der mittelständischen Betriebe in unserer Gesellschaft hervor, ob Fünf-Mann-Handwerksbetrieb oder das immer noch in Familienbesitz befindliche Unternehmen mit 2000 Beschäftigten. Vom deutschen Mittelstand gehen Impulse aus, die über den ganzen Erdball strahlen: Laut Walch kommen 48 Prozent der mittelständischen Weltmarktführer aus Deutschland, einem Land, das gerade mal ein Prozent der Weltbevölkerung stellt.

Untrennbar verbunden ist diese Erfolgsgeschichte, so der Landrat, mit dem System der dualen Ausbildung in Deutschland, für das wir in vielen Ländern beneidet werden. »Der Markenkern des Mittelstands ist die Qualität und die hängt wesentlich auch von der Ausbildung der Mitarbeiter ab«, betonte Walch und verwies auf die Möglichkeiten, sich nach der Lehre und Gesellenzeit zum Meister oder bei einem Studium weiterzubilden. Und weiter sagte Walch unter dem Beifall der Anwesenden: »Eine Lehre ist um keinen Deut schlechter als eine akademische Ausbildung.«

Unternehmergeist im Landkreis fördern

Die Aufgabe der Politik und des Landrats sei es, die Unternehmen in der Region willkommen zu heißen, Unternehmergeist zu fördern und die Firmen bei ihren Vorhaben zu unterstützen und nicht zu bremsen. Walch warnte im weiteren Verlauf seiner Rede davor, die Regulierungswut nicht zu weit zu treiben, und sprach dann den Fachkräftemangel in der Region an. »Die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften wird eine Rolle spielen müssen und ich unterstütze die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes, das eine solche Zuwanderung steuert.« Das habe im übrigen, so betonte Walch, ganz und gar nichts mit der Flüchtlingsdebatte oder der unerwünschten Zuwanderung in Sozialsysteme zu tun.

Der Landrat bedauerte außerdem, dass Worte wie Leistung, Wachstum oder Fortschritt heute oft negativ besetzt seien. Die Geschichte des Ackerbaus habe gezeigt, dass mit Technologieeinsatz mehr und leichter aus dem Feld herausgeholt, also die Wertschöpfung verbessert werden kann. Davor hätten viele Menschen immer mehr Angst – auch darin seien die Deutschen Weltmarktführer, meinte Siegfried Walch ironisch. Als wichtige Herausforderung in der nächsten Zukunft nannte der Landrat die Digitalisierung: »Wir müssen das aktiv anpacken, denn ganz viele unserer Unternehmen stehen im internationalen Wettbewerb. Die heimische Exportquote liegt bei 51,4 Prozent, höher als im übrigen Bayern.«

Abschließend lobte Walch als CSU-Kreisvorsitzender die Arbeit der Mittelstands-Union, deren Mitglieder sich in besonderer Weise für die Region und die dort lebenden Menschen engagieren.

In der lockeren Talkrunde, die sich nach dem Abendessen anschloss, erinnerte insbesondere Alois Glück an die damaligen Entwicklungen in Bayern, als sich der Freistaat vom Agrarland immer mehr in ein Bundesland mit blühenden Unternehmen verwandelt habe. Bundestagsabgeordneter Peter Ramsauer bezeichnete den Mittelstand als »Wirtschaftskulturgut«, ohne den man sich den hohen Sozialstandard in Deutschland gar nicht leisten könnte.

140 000 mittelständische Betriebe

Dr. Michael Elsen wies darauf hin, dass die 140 000 mittelständischen Betriebe die Hauptlast der Ausbildung tragen und Robert Aigner, Inhaber eines Handwerksbetriebs, berichtete über die langjährige Zusammenarbeit in seiner Heimatgemeinde Fridolfing zwischen Schule und Unternehmen, um die Jugendlichen für Lehrberufe zu interessieren. Altlandrat Hermann Steinmaßl stellte den Nachhaltigkeitsgedanken heraus: Der mittelständische Unternehmer denke immer an die nächste Generation und »der Landkreis Traunstein ist deshalb wirtschaftlich so stark, weil praktisch alles Mittelstand ist«.

Nach der Ehrung der Gründungsmitglieder Glück, Dr. Elsen und Aigner durch den MU-Bezirksvorsitzenden Bernd Kösslinger überreichte der stellvertretende MU-Vorsitzende Josef Daxenberger Blumen an die Kreisvorsitzende Petra Fürst-Zimmermann und würdigte ihren Einsatz in MU und CSU. Gäste neben den MU-Mitgliedern waren die Vertreter der Wirtschaftsverbände im Landkreis, Bürgermeister und Mandatsträger sowie Vertreter der Parteigremien. Musikalisch umrahmt wurde die Jubiläumsfeier von der »Guten-A-Band«. ahr


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