Entlastungsspange Seebruck: Nördlicher Korridor für Umgehung soll untersucht werdem

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Wie geht es weiter mit der Alzbrücke – darüber diskutierte der Gemeinderat in Seeon-Seebruck.

Seeon-Seebruck – Das Ergebnis der Raumempfindlichkeitsanalyse, die Aufschluss darüber gibt, ob überhaupt eine alternative Trassen-Führung für eine Entlastungsspange in Seebruck möglich ist, überraschte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nicht. Wie zu erwarten war, liegt im gesamten Untersuchungsraum, der auf Anraten des Staatlichen Bauamts Traunstein erweitert wurde, eine hohe Raumempfindlichkeit vor.


Nach dem derzeitigen Kenntnisstand wäre der zusätzlich untersuchte, nördliche Korridor aus naturschutzfachlicher Sicht insbesondere im Hinblick auf den europäischen Gebietsschutz – Natura 2000 – der mit den vergleichsweise geringsten Raumempfindlichkeiten für eine Entlastungsspange von Seebruck. Dieser Korridor Nord entspräche zu großen Teilen einer von der Seebrucker Bevölkerung vielfach geforderten Ortsumfahrung.

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Wie der Leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamts Traunstein, Christian Rehm, erklärte, sei eine Ortsumfahrung aber erst in der zweiten Dringlichkeit des Ausbauplans eingestuft. Nach gutachterlicher Einschätzung wäre aber der Korridor Nord konfliktärmer als die drei innerhalb des Untersuchungsraums ermittelten Korridore. Nun stelle sich die Frage, wie mit dem Ergebnis weiter umzugehen sei. Denn politisch sei in einem ministeriellen Spitzengespräch vor rund zwei Jahren mit der Gemeinde festgelegt worden, dass die ursprünglich geplante Erneuerung der Alzbrücke Seebruck aus der zweiten Dringlichkeit des Ausbauplans nicht weiterverfolgt werden und stattdessen ein neues Projekt »Entlastungsspange Seebruck« geschaffen werden soll.

Schober: Nördlichsten Korridor favorisieren

Um die Planungen dafür voranzutreiben, die unter Ex-Bürgermeister Bernd Ruth angestoßen wurden, wurde das Büro Schober in Freising mit einer Raumempfindlichkeitsanalyse beauftragt. Dabei wurden drei mögliche Korridore für eine weitere Prüfung im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsstudie gefunden.

Laut Simon Schober habe sich schnell herausgestellt, dass beim nördlichen Korridor die geringste Raumempfindlichkeit zu erwarten wäre. Die Ergebnisse der Untersuchung und eine gutachterliche Einschätzung über einen konfliktärmeren Korridor, der sich teils außerhalb des bisherigen Untersuchungsgebiets nördlich des Gewerbegebiets erstreckt, können auf der Internetseite des Staatlichen Bauamts eingesehen werden.

Laut Verwaltung sei mit dem Verkehrsministerium vereinbart, dass das Büro Schober zunächst einegutachterliche Einschätzung abgeben solle, zu welchem Ergebnis eine Umweltverträglichkeitsstudie aller Wahrscheinlichkeit nach führen würde. Diese werde laut Bürgermeister Martin Bartlweber in Kürze vorliegen und ans Staatliche Bauamt weitergeleitet. Dann werde auf ministerieller Ebene entschieden, wie es weitergeht.

Um aus Sicht der Gemeinde zu demonstrieren, dass an einer großen Lösung für eine Verkehrsentlastung vehement festgehalten wird, schlug der Bürgermeister vor, dies mit einer schriftlichen Erklärung noch vor Weihnachten an die Regierung von Oberbayern zu untermauern.

»Wir müssen als Gemeinde fordern, dass wir nicht mehr hin warten wollen«, forderte Michael Regnauer (CSU). Er erinnerte daran, dass eine Ortsumfahrung immer abgelehnt worden sei: »Wenn wir jetzt eine Umfahrung erreichen wollen, müssen wir in die Prioritätsstufe eins kommen«. Ansonsten sehe er die nächsten 25 Jahre keine realistische Chance für eine Lösung. »Wenn wir das jetzt nicht hinkriegen, ist eine Entlastungsspange für Seebruck gestorben«, meinte Sepp Daxenberger. Es sei auch ein klarer Auftrag der Bürger, die sich in einer Befragung für die Weiterverfolgung der Pläne ausgesprochen hätten.

»Wir müssen maximal dafür kämpfen, dass der Korridor Nord den künftigen Untersuchungen zugeführt wird«, forderte Dr. Christine Kosanovic (FW). Bartlweber unterstrich die Forderung seiner Fraktionskollegin. Auch er sehe in der Untersuchung des nördlichen Korridors eine große Chance für eine Umgehung, so Bartlweber.

Als Zwischenlösung wird, wie mehrfach berichtet, die Alzbrücke für mindestens 15 Jahre saniert und wieder auf 40-Tonnen aufgestuft. Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt informierte über den aktuellen Sachstand. Die Vorabstimmungen mit den Fachbehörden seien größtenteils abgeschlossen. Während der Bauzeit zwischen Dezem­ber 2021 und Herbst 2022 werde auf der Nordseite der Alzbrücke ein Fußgängerprovisorium aus Holz errichtet. Der Autover­kehr muss umgeleitet werden.

Die ertüchtigte Brücke soll ihre bisherige Straßenbreite erhalten, dafür aber auf der Nordseite einen 2,85 Meter breiten Fahrradweg bekommen mit Anschluss an die Haushoferstraße im Ortsbereich Gaben. Mit dieser Lösung müssen dann die Fahrradfahrer aus Richtung Haushoferstraße die Fahrbahn nicht mehr überqueren, während in der Ortsmitte auf Höhe des Hotels Wassermann noch eine Lösung für die Querung des Fahrradverkehrs gefunden werden muss.

Vorstellbar sei hier seitens des Staatlichen Bauamts eine Ampellösung. Die Vertreter der CSU können sich mit der Fahrradverkehr-Lösung aber nicht anfreunden. Sie plädieren dafür, dass der Fahrradverkehr aus Richtung Chiemsee-Rundweg auf der Südseite über die Brücke fortgeführt werden soll. Laut Paukner bräuchte man an der südlichen Anschlussstelle der Brücke Privatgrund, der aber nicht zur Verfügung stehe. ga


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