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Entlastungsspange »ein zerstörerischer Eingriff«

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Seebruck: Entlastungsspange »ein zerstörerischer Eingriff« – Umfahrung kritisiert
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Bei einer Ortsbegehung zeigte Toni Mayer vom Bürgerforum (links) Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Christian Ude die Fläche, auf der die Entlastungsspange entstehen soll. (Foto: Aicher)

Seeon-Seebruck – »Ich habe es nicht fassen können, als ich davon gehört habe«, sagte Christian Ude bei seinem Besuch in Seebruck. Der ehemalige Oberbürgermeister Münchens und Städtetagspräsident kam, um bei einer Ortsbegehung mit Vertretern des Bürgerforums seine Meinung zur geplanten Entlastungsspange kundzutun.


Ude kennt die Region noch aus seiner Jugend. Seiner Meinung nach handle es sich um einen »zerstörerischen Eingriff, nicht um eine Entlastung.«

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Als Schüler habe der 72-Jährige mit seinen Eltern Urlaub auf dem Huberhof gemacht. »Es ist einfach traumhaft. Ich liebe die Sicht auf die Alz, daneben das Moor, die Natur überhaupt und im Hintergrund die Alpen«, schwärmte Ude. Von dem Vorhaben der Gemeinde, eine zweite Alzbrücke zu bauen, habe er im vergangenen Jahr erfahren. »Ich war mit einem Freund auf der Alz beim Kajakfahren und habe dabei den Huberhof wiedererkannt.«

Kurzentschlossen sei er zum Hof der Familie Mayer gefahren. Dort hörte er von der geplanten Entlastungsspange. Für Ude ist es unverständlich, das 45 Hektar große Moorgebiet mit einer Umgehungsstraße »zerschneiden« zu wollen. Daher habe er den Gegnern der geplanten Baumaßnahme seine Unterstützung angeboten, unter anderem indem er mithilft, das Thema immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch kann sich Ude vorstellen, an Protestveranstaltungen teilzunehmen.

Mit seiner kommunalpolitischen Erfahrung könne er zudem dem Bürgerforum beratend zur Seite stehen. Noch im Januar werde nämlich, so Toni Mayer, im Gemeinderat eine Bürgerbefragung zu dem Thema beschlossen. Diese wird dann voraussichtlich im Februar durchgeführt. Ude empfahl, bei der Gemeinde einzufordern, auch die Argumente der Gegner auf dem Anschreiben der Bürgerbefragung formulieren zu dürfen.

Es sei wichtig, dass die Bürger informiert werden und von den Hintergründen und Konsequenzen des Baus einer zweiten Brücke erfahren, so Ude. Das Wort Entlastung sei irreführend. »Man weiß natürlich mit normalem Menschenverstand, dass eine Entlastungsspange beziehungsweise Umfahrung an sich eine Wohltat für ein Dorf wäre.«

Im Falle von Seebruck müsse man aber von einem »hintenrum statt vornerum« sprechen. Die Entfernung zu den Wohngebieten werde sich mit einer zweiten Brücke, die nur 200 Meter nördlich der alten ist, nicht ändern. Von einer Entlastung für den Ort sei also nicht zu sprechen. Zudem, darüber war man sich bei dem Treffen einig, bestehe die Gefahr, dass sich der Verkehr mit der neuen Brücke erhöht. Denn Seebruck liegt nicht weit weg von der Autobahn.

»Mit der Entlastungsspange oder, wie ich immer sage, Belastungsspange, besteht die Gefahr, dass eine Fernverkehrsstraße entsteht, die vor allem die schweren und großen Lkw nutzen. Dadurch sparen sie sich die Maut auf der Autobahn«, gab Toni Mayer zu bedenken. Nicht der Ort soll sich an den Verkehr anpassen, sondern der Verkehr an den Ort – beispielsweise durch Tonnage- und Tempobeschränkungen, wie das Bürgerforum fordert. aic


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