»Eine Mammutaufgabe« – Moments Festival entwickelt Konzept für Events in Corona-Zeiten

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Das Slow-Moments-Festival für 500 Besucher findet am morgigen Samstag ab 10 Uhr im Strandbad in Seebruck statt.

Seeon-Seebruck – Clubs, Nachtgastronomie, Konzerte, Festivals: Sie alle haben unter den Restriktionen der Corona-Pandemie sehr gelitten. Denn sie sind nicht nur die ersten, die schließen mussten, sondern wohl auch die letzten, die wieder komplett öffnen und zur Normalität zurückkehren dürfen. Von der Politik fühlen sich die meisten im Stich gelassen. Doch Not macht erfinderisch: Das Moments Festival, das bereits 2018 und 2019 im Seebrucker Strandbad stattfand, stellt nun selbst ein Konzept für Festivals in Corona-Zeiten auf die Beine und möchte sich damit als Modellprojekt bei der Staatsregierung bewerben. Doch nicht nur dieser Vorstoß, sondern auch das Konzept des Festivals ist außergewöhnlich.


»Aktuell dürfen an Veranstaltungen in Bayern bis zu 1500 Menschen mit Bestuhlung teilnehmen. Aber die Gesetzeslage ändert sich gefühlt täglich und wir hatten monatelang kaum Planungssicherheit«, sagt Moments-Veranstalter Bernd Söldner. »Seit Beginn der Pandemie hoffen wir auf konkrete Vorgaben, wie Festivals sicher durchgeführt werden können, doch unsere gesamte Branche wird seit 16 Monaten ignoriert.« Noch länger abwarten wollten Söldner und sein 25-köpfiges Team schließlich nicht mehr und entwickelten deshalb selbst ein Corona-konformes Konzept für ihre Veranstaltung.

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Seitens der Behörden und im Gemeinderat gab es dafür nun grünes Licht – und so findet am morgigen Samstag ab 10 Uhr das Slow-Moments-Festival für 500 Besucher im Strandbad in Seebruck statt. In Gruppen von jeweils zehn Personen bekommen die Besucher vor den beiden Bühnen ihre eigene kleine »Insel« mit Sitzgelegenheit zugewiesen, auf der ohne Maske getanzt und gefeiert werden darf wie früher. Immer dann, wenn die Festival-Teilnehmer von einer Bühne zur anderen wechseln oder Essen und Getränke kaufen wollen, müssen sie eine FFP2-Maske tragen.

Außerdem gibt es für alle Besucher – auch für Geimpfte und Genesene – eine strenge Testpflicht. Direkt am Parkplatz des Strandbads befindet sich dafür eine Teststation. Die Tickets für das Moments gibt es nur im Vorverkauf über die Homepage von Moments Festival. Sie werden personalisiert, um jeden Besucher im Falle des Falles kontaktieren zu können.

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Foto: Richard Buchner

Die Erfahrungswerte vom Samstag will das Team mitnehmen und in einer zweiten, größeren Veranstaltung am 4. September umsetzen. Dann sollen bis zu 3500 Besucher kommen dürfen. Diese Veranstaltung wollen sie dann als Pilotprojekt bei der Staatsregierung anmelden. »Das ist eine Mammutaufgabe«, sagt Söldner, »aber wir zählen auf die Unterstützung unserer Besucherinnen und Besucher.«

Das Moments Festival will einer jungen Zielgruppe Nachhaltigkeit näherbringen

Das Engagement des Teams geht aber noch weiter: Das Festival, auf dem sowohl lokal als auch europaweit bekannte DJs elektronische Musik auflegen, steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit: »Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, eine Veranstaltung dieser Art komplett nachhaltig und umweltschonend aufzuziehen. Unsere Hoffnung ist darüber hinaus, dass bei den Leuten dann ein gewisser Lerneffekt für ihren Alltag eintritt«, so Söldner.

Dafür wurde eine eigene Nachhaltigkeitsbeauftragte ins Boot geholt, die zu allen umwelt- und klimafreundlichen Gestaltungsmöglichkeiten auf dem 22.000 Quadratmeter großen Festivalgelände berät. So verzichtet das Festival auf Plastik, Müll wird fast vollständig vermieden. Getränke und Essen gibt es in kompostierbaren Bechern und Schalen aus Maisstärke. Fleisch- und Fischgerichte werden etwas teurer sein als ihre vegetarischen und veganen Alternativen, um die Festival-Besucher zum Probieren zu animieren. Alle Lebensmittel stammen von regionalen Erzeugern und Getränkelieferanten. »Auch mit der Auswahl der Baumaterialien haben wir bereits im Vorfeld Entscheidungen getroffen, die unseren ökologischen Fußabdruck deutlich verringern«, erklärt das Organisationsteam. Für weitere Schritte im nächsten Jahr gibt es bereits Pläne.

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Foto: Mario Kötterl

Veranstalter Bernd Söldner ist stolz: »Wir freuen uns, einer jungen Zielgruppe das Konzept Nachhaltigkeit näherbringen zu können – und das unter einem kulturellen Aspekt und ohne erhobenem Zeigefinger, sondern mit gutem Beispiel voran.« Söldner und sein Team sind der Gemeinde dankbar, ihr Moments Festival in Seebruck auf die Bühne bringen zu dürfen. »Wir hoffen auf Verständnis seitens der Bevölkerung. Uns ist klar, dass die laute Musik auch für Unmut sorgen kann.«

JuC


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