Berufung Priester: »Es ist ein wunderbarer, kreativer Beruf«

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Robert Daiser aus Truchtlaching wird am 26. Juni im Münchner Liebfrauendom zum Priester geweiht. Am Tag darauf soll in seiner Heimatgemeinde die Primiz gefeiert werden. Wegen Corona ist aber noch schwer vorauszusehen, in welcher Form die Primiz stattfinden wird. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Die Berufung zum Priester war für Robert Daiser nach dem Abitur noch kein Thema. Das änderte sich jedoch, als er sich entschied, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ecuador abzuleisten. Zu sehen, wie die Menschen dort ihren Glauben leben, beeindruckte ihn. Und so beschloss der heute 29-Jährige, sich für das Priesterseminar zu bewerben. 2012 absolvierte er in Passau ein Propädeutikum und begann ein Jahr später mit dem Theologiestudium. Am 26. Juni dieses Jahres ist es nun so weit. Robert Daiser wird dann im Münchner Liebefrauendom zum Priester geweiht.


Am Tag darauf soll in seiner Heimatgemeinde Truchtlaching die Primiz gefeiert werden. In welcher Form Daiser seine erste Heilige Messe als Priester feiern wird, ist wegen der Corona-Pandemie aber noch schwer vorauszusehen. Er persönlich könnte sich einen Gottesdienst im Freien vorstellen, wie er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt während eines Aufenthalts bei seiner Familie in Truchtlaching verriet.

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Dass Priester nicht fertig vom Himmel fallen, sondern sich einer langen und intensiven Ausbildung unterziehen müssen, hat Robert Daiser in den vergangenen acht Jahren als Theologie- und Philosophiestudent erfahren. Der überzeugte Christ ist diesen langen Weg aber gerne gegangen. Er schwärmt geradezu von seiner Studentenzeit, die ihn bis nach Rom geführt hat. Im vergangenen Jahr wurde er zum Diakon geweiht und absolviert seit rund zwei Jahren in der Stadtkirche Bad Aibling seine praktische Ausbildung. Wohin ihn der Weg nach der Priesterweihe als Kaplan führen wird, da-rüber wollte er sich noch nicht konkret äußern. Er werde aber im Raum Oberbayern bleiben.

Robert Daiser stammt aus einem christlichen Elternhaus. Als Kind und Jugendlicher hat er die »klassische Kirchenlaufbahn« durchlaufen: Er war Ministrant und in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) engagiert.

Nach der Grundschule in Seeon und dem Abitur im Landschulheim Schloss Ising zog es ihn für ein Jahr nach Ecuador. Dort unterrichtete er im Rahmen eines Jugendfreiwilligendienstes in einer Kolping-Schule Englisch, Kunst und Musik. »Andere Länder haben mich schon immer interessiert und meine musikalischen Erfahrungen als Klarinettist bei der Seeoner Blaskapelle und beim Symphonischen Blasorchester der Stadtkapelle Traunreut waren da sehr hilfreich.«

Während seines Auslandsaufenthalts in einem Land, in dem zwei Drittel der Bevölkerung in Armut leben, hat er gelernt, die Welt nicht nur durch die rosarote Brille zu betrachten. Durch Zufall habe er nicht in einer Gastfamilie gelebt, sondern in einem Pfarrhaus.

»Das Leben dort hat mich gelehrt, dass auf der Welt nicht alles selbstverständlich ist und auch eine berufliche Karriere nicht der einzige Schlüssel zum Glück ist.« Vorort zu erleben, wie die Menschen dort in einfachen Verhältnissen ihren Glauben leben und die Erkenntnis, dass fließendes Wasser keine Selbstverständlichkeit ist, hätten ihn sehr nachdenklich gestimmt. »Für mich hat dieses Leben einen neuen Stellenwert bekommen. Und so habe ich mich, ohne lange zu überlegen, für die Seelsorge entschieden.« Und er habe es nicht bereut: »Es ist ein wunderbarer, kreativer Beruf, den wir da machen dürfen. Es macht richtig Freude.«

ga


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