Andrea Wittmann möchte in den Bundestag

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Andrea Wittmann ist Direktkandidatin der Freien Wähler bei der Bundestagswahl im September. (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck – Andrea Wittmann aus Truchtlaching will am 26. September für die Freien Wähler in den Deutschen Bundestag einziehen. Die Kreisvereinigungen der Freien Wähler Traunstein und Berchtesgadener Land nominierten bei der Aufstellungsversammlung in der Brauerei Camba Bavaria in Seeon die 48-jährige dreifache Mutter, Touristikfachwirtin und Musikerin als Direktkandidatin.


Es ist das erste Mal, dass die hiesigen Freien Wähler einen eigenen Wahlkreisbewerber für eine Bundestagswahl nominierten. »Mit Andrea Wittmann haben wir eine optimale Kandidatin gefunden, sie ist hier zuhause, ist sehr engagiert und hat einen Bekanntheitsgrad«, freute sich der Kreisvereinigungsvorsitzende der Freien Wähler Traunstein, Hans Stoiber. Man sei froh, dass sie das auf sich nehme, wohlwissend, dass der Wahlkampf kein Honigschlecken werde. »Ich fürchte nichts«, warf Wittmann mit einem Schmunzeln ein und bedankte sich für das Vertrauen. »Unterstützt sie, sie wird ihr Bestes geben und wir werden viel Positives daraus ziehen«, so Stoiber.

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»Es wäre verantwortungslos, bei einer so wichtigen Wahl das Feld anderen zu überlassen«, betonte Wittmann in ihrer Bewerbungsrede mit Blick auf die politischen Parteien am rechten und linken äußeren Rand. Deswegen habe sie sich entschlossen, »bei der Bundestagswahl für uns Freie Wähler anzutreten, der Partei aus der Mitte mit gesundem Menschenverstand«. Laut Wittmann, die 2020 den Einzug in den Traunsteiner Kreistag verpasste, werde es Zeit, dass der Handel, vor allem Einzelhändler, Gastronomie, Hotels, Dienstleister und die Kultur wieder belebt werden. »Kunst und Kultur sind kein Luxus, sondern notwendige Nahrung für die Seele. Ohne Kunst und Kultur verroht der Mensch«, so die passionierte Kirchenmusikerin. Wenn man sich die Prognosen der kommunalen Haushalte anschaue, komme man zu der Einschätzung, dass die Corona-Krise 2022 und 2023 erst so richtig durchschlagen werde. Derzeit sei nicht absehbar, ob am Ende die wirtschaftlichen oder die gesellschaftlichen Schäden schwerer wiegen werden, so Wittmann. Angesichts des in Deutschland voranschreitenden demografischen Wandels brach sie eine Lanze für die Pflegeberufe, die attraktiver gemacht werden müssten. Christliche Werte wie Ehrlichkeit, Verantwortung und Gerechtigkeit sind ihr ganz wichtig, betonte sie und wünschte sich abschließend, dass »ich uns gut vertrete, etwas bewirken kann und dass ihr mich draußen mit unterstützt. Ihr Kommunalpolitiker seid die Experten vor Ort.«

»Wir haben einst die Kreisvereinigung der Freien Wähler Traunstein gegründet, weil wir eine Beteiligung an Bundestagswahlen verhindern wollten«, hatte der stellvertretende Traunsteiner Kreistagsfraktionsvorsitzende der Freien und Unabhängigen Wähler, Dr. Lothar Seissiger, vor der Nominierung kritische Töne angeschlagen. Es könne und dürfe nicht sein, dass die Freien Wähler Bayern auf Bundesebene kandidieren. »Wir haben da im Kreisverband eine andere politische Überzeugung«, stellte Seissiger klar. Seine Kritik richte sich aber ausdrücklich nicht gegen die »ehrenwerte Kandidatin Wittmann«, die er persönlich kenne und sehr schätze.

»Wir Freien Wähler müssen auf jeder politischer Ebene eine Kontaktperson und einen Ansprechpartner haben, um Projekte besser umsetzen zu können«, betonte hingegen der Berchtesgadener Kreisrat Daniel Längst. Gerade die jungen Leute würden es nicht verstehen, warum man bei Kommunal-, Bezirks- und Landtagswahlen antrete, aber nicht bei Bundestagswahlen. Es gelte die Erfolge nun auch auf Bundesebene zu übertragen.

»Die Zeiten haben sich geändert«, meinte auch der Vorsitzende der Kreisvereinigung der Freien Wähler Berchtesgadener Land, Dietrich Nowak, in Bezug auf Seissigers Wortmeldung und freute sich, dass »wir eine Direktkandidatin aus unserer Mitte gefunden haben. Was Besseres als Andrea Wittmann hätte uns gar nicht passieren können.« Auch der stellvertretende Berchtesgadener Landrat und stellvertretende FW-Bezirksvorsitzende Michael Koller freute sich über Wittmanns Nominierung. Man müsse nun auch nicht mehr fürchten, einen Kandidaten von außen vorgesetzt zu bekommen. Gerade die erfolgreiche Landtagswahl in Rheinland-Pfalz sei für die Freien Wähler »ein gutes Signal, diesen Schwung müssen wir mitnehmen«, so Koller.

Man habe heutzutage in der Politik »gewisse Probleme, junge Leute zu motivieren«, deswegen müsse man »auf allen Ebenen sichtbar und mit eigenen Kandidaten präsent sein, Flagge zeigen und sich einmischen«, so der stellvertretende Ortsvorsitzende der Freien Wähler Traunreut, Sepp Blank. Zu sagen »wir halten uns da raus«, sei sicherlich »der verkehrte Weg«. »Wir haben bisher immer einen vernünftigen Spagat geschafft und werden das auch jetzt wieder hinkriegen«, meinte Stoiber in Bezug auf die unterschiedlichen Auffassungen des FW-Kreisverbands Traunstein und der FW-Kreisvereinigung Traunstein zur Bundestagswahl. Dass es bei den Freien Wählern unterschiedliche Meinungen und kontroverse Diskussionen gebe, sei gut und wichtig für eine funktionierende Demokratie. Die Stimmenverluste der etablierten, großen Parteien seien auch auf Bundesebene eine Chance für die Freien Wähler, betonte Stoiber.

mmü


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