Trachtler des Chiemgau-Alpenverbands pilgerten nach Raiten
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Foto: Wunderlich
Trachtler des Chiemgau-Alpenverbands pilgerten nach Raiten
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Schleching Foto: Wunderlich
Trachtler des Chiemgau-Alpenverbands pilgerten nach Raiten
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Schleching Foto: Wunderlich

Trachtler des Chiemgau-Alpenverbands pilgerten nach Raiten

Schleching – Zum 70. Mal pilgerten die Wallfahrer aus den 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbands an Christi-Himmelfahrt in zwei langen Zügen von Unterwössen und Schleching nach Raiten zur Wallfahrtskirche »Maria zu den sieben Linden«. Ausrichter waren diesmal der Trachtenverein »d’Gamsgebirgler« Schleching. Die Raitner Dorfgemeinschaft hatte auf dem Kirchbichl den Außenaltar hergerichtet. Begleitet wurde der Gottesdienst stimmungsvoll von der Musikkapelle Schleching und den Schlechinger Sängern mit Rudi Ritter an der Zither.


Pfarrer Martin Straßer zelebrierte die Messe und freute sich, dass es wieder möglich sei, eine Wallfahrt durchzuführen. Er fand den Psalm 121 passend für die Pilger und meinte, Wallfahrten sei schon immer eine Möglichkeit gewesen, Danke zu sagen. Der Pfarrer forderte die Gläubigen auf, offen für Neues zu sein, das Zuhause einmal zurückzulassen und der Seele die Möglichkeit zu geben, frei zu sprechen. Als Beispiel führte er das Schicksal einer älteren Frau aus seiner Gemeinde an, die nach einer schweren Krankheit beschloss, nach Santiago de Compostela zu pilgern. Auf die Frage, ob sie sich die 3000 Kilometer zutraue, habe sie geantwortet: »Es drängt mich nach meiner Genesung, dem Herrgott Danke zu sagen«.

Martin Straßer fand, dass die Gläubigen aus dem gleichen Grund an dieser Wallfahrt nach Raiten seit 70 Jahren teilnehmen. Weiter meinte er: »Wir sind da, uns geht es gut, obwohl wir dem Krieg in der Ukraine jetzt ins Auge sehen – in die Augen der jungen Mutter und der Kinder, die vor dem Krieg flüchten mussten.« Für sie und alle Betroffenen wollte Pfarrer Straßer beten.

Gauvorstand Miche Huber fragte die Trachtler: »Warum san mia heit überhaupt do?« Er erinnerte daran, dass sie sich verpflichtet hätten, am Himmelfahrtstag der Trachtler, die im Krieg gefallen sind, zu gedenken und den Herrgott um Frieden zu bitten. Immer und immer wieder solle an die schrecklichen Folgen eines Krieges, an die Opfer und all das Leid erinnert werden.

Huber nannte den russischen Präsidenten einen skrupellosen Staatsführer, der sein eigenes Volk anlüge und die Menschenrechte mit Füßen trete. Der Gauvorstand war der Meinung, »do derf de Stimme des Volkes net verstummen«.

Aber auch über die »Ego-Mentalität« seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und die Debatten, die aus dem Ruder laufen, sprach er. Bequem aber effektiv seine Botschaften einfach in eine digitale Welt zu stellen bringe die Gesellschaft aus dem Lot und gefährde den Frieden. Um wieder auf die rechte Spur zu kommen und Halt zu finden, sollten die Christen ihren Glaube als Richtschnur nehmen. Er sei ein Wegweiser und Wertevermittler. Auch die Kirche solle ihre Chance nutzen, die Gläubigen wieder zurückzuholen, aber dazu brauche es dringend Veränderungen.

Pfarrer Martin Straßer lobte die vielen Helfer, die schon Tage vorher mit der Organisation beschäftigt waren, damit diese Wallfahrt wieder in einem festlichen Rahmen stattfinden konnte. Das bekräftigte mit einem »Vergelts Gott für enka Arbeit, ohne Eich gangs net« auch Vorstand Miche Huber. Er erinnerte, dass 2022 das Jahr der »Gamsgebirgler« sein werde – mit dem Gaufest.

Straßer gedachte am Soldatenkreuz der Verstorbenen. Die Feier klang mit der Bayernhymne aus. Danach saßen die Trachtler bei Musik, Speis und Trank beim Raitner Wirt zusammen und freuten sich, dass sie endlich wieder gemeinsam einen Tag verbringen konnten.

wun