Neues Leben in der alten Hammerschmiede in Raiten

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So sieht die Hammerschmiede von außen aus. Familie Nützel aus Oberfranken will ihr mit Hilfe von Vinzenz Bachmann neues Leben einhauchen. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Die Funken stieben in alle Richtungen in der alten Esse, als Matthias Nützel das Metall ins Feuer hält. Es ist ein archaischer Anblick in dem historischen Gemäuer, wie er da so mit seiner Lederschürze steht und dem ältesten Handwerk der Menschheit wieder Leben einhaucht.


Erwähnung gefunden hat die alte Hammerschmiede in Raiten schon vor rund 500 Jahren. Die Haustafel, erstellt von Heimatpfleger Hartmut Rihl, erzählt von einer wechselvollen Geschichte als »Hammerschmiede vormals Hufschmiede, verbunden mit dem Mesneramt am Kürch Püchl«. Die nach ein paar Jahrhunderten schon verfallene Schmiede kauften vor rund 50 Jahren Eberhard und Silvera Rach und restaurierten einen großen Teil.

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Die Raitener Dorfgemeinschaft war sehr froh, als die Schmiede vor rund vier Jahren wieder einer neuen Bestimmung zugeführt wurde. Zusammen mit dem alten Mesnerhaus am Kirchbichl und dem Raitener Wirt wurden damit drei Gebäude gerettet. Sie erstrahlen nach umfangreichen Restaurierungen in neuem Glanz.

Die Hammerschmiede vor vier Jahren gekauft

Die Hammerschmiede wurde 2017 von Matthias und Kerstin Nützel erworben. Mit ihren vier Kindern besuchen sie ihre Schmiede meist an den Wochenenden und haben vor vier Jahren mit der weiteren Restaurierung begonnen. Jetzt können sie im vorderen Teil des Hauses gemütlich und komfortabel wohnen und im hinteren Teil die alte Schmiede weiter restaurieren und in Schwung halten.

Die Idee von Matthias Nützel ist, die Schmiede wirklich zu betreiben und ein paar Mal im Jahr Aktionen zu bieten und die Arbeitsweise einer Schmiede zu zeigen. Die junge Generation soll sogar selbst den Schmiedehammer schwingen dürfen und ein Werkstück herstellen. So kann das alte Handwerk am Leben erhalten werden.

Aber bis es soweit war, musste eine Menge Arbeit bewältigt werden. »Die ersten Monate haben wir nur ausgeräumt, unsere Vorgänger haben viel gesammelt, alles was mit Eisen zu tun hatte. Das wurde sortiert und geordnet«, erzählt Matthias Nützel. Dann wurde im vorderen Bereich des Hauses alles komplett saniert, da das verbaute Holz dort durch die vielen Überschwemmungen jährlich morsch und nicht mehr zu gebrauchen war.

Die Schmiede hat sich von außen nicht verändert, die Auflagen des Denkmalschutzes mussten eingehalten werden, aber von innen ist der Wohnbereich sehr authentisch und ein wahres Schmuckstück geworden. »Es ist unser Zufluchtsort und soll später – wenn die Kinder aus der Schule sind – auch Dauerwohnsitz werden«, berichtet die Familie. Auch Lukas (15) und Laura (11) bestätigen, »es ist ein guter Ausgleich zum Alltag. Man kann hier so viel unternehmen. Wir gehen gern Wandern, Radfahren, Skifahren und Schwimmen«. Im Wohnbereich ist es freundlich, hell und gemütlich mit offenem Gebälk.

Beim Kochen kann man die Kirchturmspitze sehen, daneben die Essecke aus Holz mit Blick auf den beidseitigen Kaminofen. Nach den Aktivitäten draußen treffen sich die Familienmitglieder auf dem großzügigen Sofa vor dem Fernseher. Ringshe-rum bringen Fenster schönes Licht und Eltern und Kinder haben eigene Rückzugsräume mit Balkonen und Bad. Noch ist die Familie in Oberfranken zuhause. Matthias Nützel betreibt, wie seine Vorfahren seit Generationen, als Müllermeister die Nützel-Mühle in Wiesental. Auf die Frage, mit welcher Motivation sich eine Familie eine historische Hammerschmiede kauft, die viel Geld und noch viel mehr Arbeit kostet, kamen unterschiedliche Argumente.

Zum einen sollte es »etwas mit Wasser zu tun haben«, in diesem Fall die zwei großen Mühlräder mit Wasserantrieb vom Raitener Bach, der aus dem Raitener Moos kommt. Zweitens erklärt Kerstin Nützel: »Wir wollten in ein intaktes Dorf, auf keinen Fall in eine Ferienhaussiedlung«. Und Matthias Nützel ergänzt: »Ich muss immer etwas Handwerkliches zu tun haben, etwas bauen und schaffen«.

Er zeigt die zwei Wasserräder, das große Rad für den Betrieb der Schwanzhämmer und ein Rad, das als Blasebalg fungiert für die Luft zum Schmieden. Die Wasserräder müssen neu beplankt werden, damit sie von der Wehranlage auf der anderen Straßenseite betrieben werden können. Der Ursprung des alten Sprichworts »einen Zahn zulegen« kommt aus dem Schmiedehandwerk – durch ein Raster mit Zahn innen wird der Zufluss des Wassers und somit die Kraft reguliert, erklärt Matthias Nützel.

In der alten Schmiede entzündet er ein Feuer in der offenen Schmiedeesse und erhitzt ein Stück Eisen. Rot glühend holt er es heraus, legt es auf den Amboss, schwingt den Hammer und bringt das Eisen in die Form eines Hakens.

Auf die Frage, was er denn so schmieden könnte, antwortet seine Frau lachend »entweder einen hübschen Ring für mich oder vielleicht Handschellen«. Aber beide waren sich einig, dass es sich hier um eine Glücksschmiede handelt. Matthias Nützel zeigt noch einen Schleifstein, der mit dem Wasserantrieb funktionieren würde und eine Bohrmaschine mit Handantrieb. Wenn man sich in der Schmiede umschaut, wird klar, dass die Arbeit für den Müllermeister nie endet, aber ein detailliertes und wertvolles Zeugnis des alten Handwerks geschaffen wird, das so für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Denn »jeder ist seines Glückes Schmied«.

Von der zugigen Hütte zum Schmuckstück

Nachdem die Familie Nützel die Hammerschmiede gekauft hatte, übernahm Vinzenz Bachmann die Restaurierung. Viele Aufgaben waren zu lösen; der Wohnbereich war nur eine zugige Hütte. In den ersten Stock ging es nur über eine morsche Stiege. Die Decke musste im Winter durch eine Stütze gehalten werden. Die heutigen Besitzer können nun auch im Winter beruhigt ohne Decken-Stütze leben. Dach und Seiten haben eine Wärmedämmung bekommen. Ein größerer Akt war auch die Treppe in die Wohnräume. Von all den Hindernissen ahnt man heute nichts mehr.

Die Schmiede im unteren Teil des Hauses konnte museal erhalten bleiben. Das Haus hat schon einiges hinter sich, in den 70er Jahren mussten Teile des Hauses dem Ausbau der Bundesstraße weichen.

Josef Fleidl war der letzte aktive Schmied

Als Bauernsohn 1887 geboren in Übersee, kam Josef Fleidl mit 32 Jahren als Geselle ins Raitener Hammerwerk. Die Mühlenbesitzerin war die Witwe des im Krieg gefallenen Johann Birnbacher. Fleidl heiratete sie mit ihren drei Kindern und war 30 Jahre lang der Fleidl-Schmied und Kirchenpfleger der »Maria zu den sieben Linden« in Raiten.

Urenkelin Lisa Schneider und ihre Stiefmutter Claudia Horn erzählen, dass heute noch in der Familie von Josef Fleidl erzählt wird, dass er ein starker Charakterkopf war, was auch der damalige Pfarrer Pichler bestätigte, wenn er über ihn sprach.

Wenn er seine Meinung sagte, dann war es, »als ob er mit einem Schmiedehammer auf den Tisch haue«. Fleidl war zweiter Bürgermeister und Gemeinderatsmitglied.

Urenkelin Lisa Schneider hat es erzählt bekommen von ihrer Oma Josephine (geborene Fleidl). 1959 starb Josef Fleidl mit 72 Jahren.

wun