Mehr »Deutlichkeit« in den Aussagen der Kirche

Schleching: Pfarrer Ekkehard Purrer feiert 70. Geburtstag
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Feiert am heutigen Dienstag seinen 70. Geburtstag: Pfarrer im Ruhestand Ekkehard Purrer. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Seinen 70. Geburtstag feiert am heutigen Dienstag Pfarrer im Ruhestand Ekkehard Purrer. Über 20 Jahre wirkte er in der evangelischen Kirchengemeinde Marquartstein, ehe er die letzten fünf Jahre seines Berufslebens eine neue Herausforderung in München-Fürstenried in der Andreaskirche als Pfarrer und Schulbeauftragter für 45 Realschulen fand.


Geboren im mittelfränkischen Mödbach wollte er nach dem Abitur eigentlich Mathematik und Sport studieren. Aber sein Vater – selbst Pfarrer – riet ihm zum Theologiestudium: »Da wird es dir nie langweilig«, was Purrer nur bestätigen kann. So ist er in der Familie der Jüngste von vier Söhnen – die alle Pfarrer wurden.

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Die Liebe zur Musik – eines seiner vielen Hobbys – hat er sicher von seiner Mutter, der Tochter eines Musikprofessors, in die Wiege gelegt bekommen. Mit zehn Jahren spielte er schon Geige, mit 14 im Posaunen-Chor. Und auch heute liegt ihm die Kirchenmusik sehr am Herzen.

An der Hochschule in Neuendettelsau, wo Purrer ein Stipendium erhalten hatte, studierte er Hebräisch. Latein und Griechisch hatte er ja schon auf dem Gymnasium gelernt. Vorbild war auch hier sein Vater, der zehn Sprachen beherrschte. Nach drei Semestern in Heidelberg folgte das Studium an der Freien Universität Berlin. Hier hörte er eine Rede von Helmut Gollwitzer, die ihn bis heute beeinflusste und der, wie sein Vater und er selbst, der »bekennenden Kirche« angehörte – einer Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen den Nationalsozialismus.

Als Student in Berlin nahm er auch an seiner ersten Demo auf dem Kurfürstendamm teil, es ging gegen den Vietnam-Krieg. Nach Berlin studierte Purrer weiter in Tübingen, nahm noch das Fach Philosophie dazu mit zwei Semestern bei Ernst Bloch. In dieser Zeit faszinierte ihn der evangelische Theologe Jürgen Moltmann mit seinem Buch »Theologie der Hoffnung«, das ihn bis heute gedanklich begleitet.

Nach dem Examen lernte er in Augsburg seine Frau Martina kennen, 1978 heirateten die beiden. Seine erste Stelle als Pfarrer trat er im Kleinwalsertal an, weitere Stationen folgten, die längste Zeit seines 40-jährigen Pfarrerlebens wirkte er aber in der Erlöserkirche in Marquartstein.

Die administrative Arbeit am Anfang kostete viel Zeit, Doch er fand Mitstreiter für die Integration der Diakonie in die Kirchengemeinde. Dabei seien »Nächstenliebe und Gottesliebe« vereint worden. Die Jugendarbeit und die Seelsorge, der persönliche Kontakt zu den Gemeindemitgliedern, seien ihm sehr wichtig gewesen. Hausbesuche und die direkte Hilfe am Ort standen immer in seinem Terminkalender.

Bei aller Freude an seinem Beruf gab es auch harte Situationen: »Die Beerdigungen von jungen Rauschgiftsüchtigen, Selbstmördern und Alkoholikern haben mich tagelang belastet«, erinnert er sich. Noch heute beschäftigt ihn »die ökumenische Bewegung«. Heute engagiert er sich im Arbeitskreis Evangelische Erneuerung. Er wünschte sich mehr »Deutlichkeit« in den Aussagen der Kirche zu den heutigen Problemen. Dabei fiel ihm ein Zitat von Gollwitzer ein: »Die Täter von Auschwitz waren getaufte Christen« – auch nach 75 Jahren ein aktueller Satz.

Als Pfarrer in Marquartstein stieß er gemeinsam mit anderen Gemeinden viele Projekte an. Sein Engagement in Tansania – wo er auch als Dekanats-Missionspfarrer gewirkt hat – erfüllte den Menschen dort viele Wünsche, zum Beispiel den Bau von Brunnen, Kindergärten, Schulen, eine Krankenstation, eine neue Kirche, Stipendien und Förderung der Jugendarbeit.

Ein Besuch in Tansania zur Kircheneinweihung brachte ihm eine Anzeige wegen »Waffenschmuggels« ein. Denn als Gastgeschenk erhielt er von den Einheimischen kunstvoll gefertigte Schwerter. Die großen Schwerter wurden ihm schon am Airport Kilimanjaro abgenommen. Die kleineren Schwerter passten in den Koffer. Sie wurden dann am Flughafen in München eingezogen. Dafür erhielt er Post vom Bundeskriminalamt wegen unerlaubten Waffenschmuggels. Man einigte sich dann wohl gütlich.

Doch anstatt über sich selbst redet er lieber über seine Projekte – von Pfarrer im Ruhestand kann da keine Rede sein. So organisiert er gerade eine Reise nach Israel-Palästina im Juni. Jetzt ist auch Zeit für sein Hobby, das Bergwandern. Über die Jahre hat er eine wunderschöne Sammlung mit Fotos und Texten von Gipfelkreuzen im Achental und im Alpenraum geschaffen und zu einem Buch mit dem Titel »Die Botschaft der Gipfelkreuze« verarbeitet.

An seinem Geburtstag hat sich Bürgermeister Josef Loferer zum Gratulieren angesagt und für den Abend freut sich Purrer auf seine Familie – vier Kinder und vier Enkel, die alle im Umkreis wohnen. Ein besonderer Höhepunkt für ihn ist ein Konzert-Gottesdienst mit dem Bläserchor der Münchner Andreaskirche – seiner letzten Wirkungsstätte – in der evangelischen Erlöserkirche in Marquartstein am Samstag um 18 Uhr. wun