»Kulturerbe Bayern« interessiert sich für den Streichen

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Wie geht es weiter mit dem Berggasthof Streichen? (Foto: Wunderlich)

Schleching – Die Diskussionen um den Streichen gehen weiter. Fest steht mittlerweile: Der Schlechinger Gemeinderat hätte den Antrag auf einen Bürgerentscheid zum Kauf des Streichen-Anwesens nicht ablehnen dürfen. Das ergab eine Überprüfung des Landratsamts, wie Landrat Siegfried Walch mitteilte. Außerdem lief die Frist der Erben für das Kaufangebot an die Gemeinde ab. Trotzdem ist noch nichts entschieden. Denn eine weitere Stiftung hat nun ihr Interesse an dem Berggasthof bekundet. 


Die Stiftung »Kulturerbe Bayern« sei durch einen Artikel über das Streichen-Anwesen in den Medien aufmerksam geworden und habe sich bereits zweimal vor Ort umgesehen und dabei festgestellt, dass das Anwesen genau in ihrem Sinne wäre, wie es hieß.

»Kulturerbe Bayern« ist eine Organisation, die vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert und vom Landesverein für Heimatpflege unterstützt wird. Gesucht werden erhaltenswerte bayerische Gasthäuser. Zweite Bürgermeisterin Elfie Bachmann von den Streichenfreunden berichtete weiter, dass bereits Gespräche zwischen Dr. Andreas Hänel (ehrenamtliches Mitglied des Stiftungsvorstands) dem Landratsamt und der weiteren Stiftung Thomas Wilde geführt worden seien.

In diesem Zusammenhang dankte Bachmann den Erben Hans Strohmayer und Anneliese Lauter für ihr Entgegenkommen gegenüber der Gemeinde beim Kaufangebot und sagte: »Wir wissen die Geduld und das Angebot sehr zu schätzen«.

Eine Rückfrage beim »Kulturerbe Bayern« bestätigte das Interesse. Der Berggasthof wäre das dritte Objekt. Judith Schlumberger-Steger, Referentin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, führte aus: »Wir nehmen geschichtsträchtige Gebäude, historische Parks, Gärten und Landschaften in Obhut, um sie zu erhalten und erlebbar zu machen. Der Bergasthof Streichen ist ein solch besonderer Ort, der Kultur und Natur verbindet. Wir und viele andere Menschen in der Region auch, meinen, dass er als kulturelles Erbe erhalten und für alle zugänglich sein sollte.«

Auf die Frage, wie der aktuelle Stand der Dinge ist, antwortete Judith Schlumberger-Steger: »Wir sind mit allen Beteiligten vor Ort im Gespräch. Der Vorschlag ist, dass »Kulturerbe Bayern« zusammen mit der Familienstiftung den Berggasthof kauft, behutsam herrichtet und dann an einen geeigneten Wirt verpachtet. Dazu soll ein Beirat geschaffen werden, der das Projekt begleitet. In dem Beirat soll auch die Gemeinde Schleching vertreten sein.«

Es gebe zu diesem Vorschlag aber noch keine endgültige Entscheidung. Bei »Kulturerbe Bayern« müsste diese auch von den verantwortlichen Gremien getroffen werden. »Aber wir können schnell handeln, wenn es notwendig ist.«

In einem Gespräch mit der Schlechinger Familienstiftung Yvonne & Thomas Wilde, bestätigt Thomas Wilde, dass sich die Interessen seiner Stiftung für einen langfristigen Erhalt des Streichens ohne kommerzielle Interessen genau decken würden mit den Zielen der Stiftung »Kulturerbe Bayern«. Die Entscheidung liege bei den Eigentümern des Berggasthofs Streichen, sie allein entscheiden, an wen sie verkaufen.

Bürgermeister Josef Loferer sagte, dass er den Erben des Streichen-Anwesens, mitgeteilt habe, dass die Gemeinde das Kaufangebot bis zum 30. Juni nicht wahrnehmen könne, da ein Antrag auf Bürgerentscheid eingereicht worden sei.

Erbe Hans Strohmayer sagte dazu, »das Angebot ist ausgelaufen, es wird nicht verlängert und es gibt kein neues Angebot und damit auch von unserer Seite keinen Bürgerentscheid«. Zu den laufenden Verkaufs-Verhandlungen wollte er sich nicht äußern.

Landrat Siegfried Walch sagte auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts, dass die Prüfung des Antrags auf Bürgerentscheid ergeben habe, dass der Antrag alle formellen und rechtlichen Voraussetzungen erfülle und zuzulassen sei. Eine Ablehnung (wie von acht Gemeinderäten gefordert) sei nicht zulässig. »Ein Bürgerentscheid ist nicht davon abhängig, ob es dem Gemeinderat passt oder nicht«, betonte Walch. Jetzt sieht es so aus, als ob ein Königsweg gefunden werden könnte (mit der neuen Stiftung), damit der Streichen für alle öffentlich zugänglich bleibt und die Differenzen im Ort behoben werden können. Landrat Siegfried Walch äußerte den Wunsch, dass »wir alle wieder zusammen sitzen und gemeinsam eine Halbe Bier auf dem Streichen trinken können«.

wun