weather-image

Josepha Töpfer wird heute 95 Jahre alt

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Josepha Töpfer wird heute 95 Jahre alt. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Seit 1924 wohnt Josepha Töpfer in Schleching. Am heutigen Montag feiert sie ihren 95. Geburtstag.


Die Jubilarin ist in Schleching zur Schule gegangen und hat in der Jugend die harte Kriegszeit miterlebt. Sie erinnert sich, dass ihr Vater bei der Post gearbeitet hat und sie auch zur Post gehen musste. Mit dem Rad wurden die Briefe ausgetragen und im harten Kriegswinter zu Fuß. Bis auf den Achberg musste sie laufen, hat dann dabei ihre Skier geschultert und konnte den Rückweg mit den Skiern vom Berg fahren. Überhaupt war das Skifahren ihr liebstes Hobby und sie ist gern sehr schnell gefahren, erzählt sie.

Anzeige

Nach dem Pflichtjahr hat Josepha erst in Marquartstein und dann in Grassau in einem Arzthaushalt gearbeitet. 1948 wurde ihr Sohn Günther geboren, den sie die ersten zehn Jahre allein aufzog. Als Älteste von drei Schwestern musste sie sich auch lange Zeit um ihre kranke Mutter kümmern.

Die weitere Berufsstation führte sie als Bedienung in den Gasthof Zur Post in Schleching. Sie erinnert sich noch ganz genau an den Tag, als ihr späterer Mann eines Tages in den Gasthof kam und sie ihn von der Küchenluke aus gesehen und zu ihrer Kollegin gesagt hat, den will ich kennenlernen. Das hat auch geklappt, es war wohl bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Geheiratet wurde 1959 in Maria Eck. Ihr Mann stammte aus Sachsen und ist nach dem Krieg nicht mehr in seine Heimat zurückgegangen.

Josepha wechselte ihre Arbeitsstelle und war lange Zeit im Gasthof Zellerwand als Bedienung tätig. Das hat ihr großen Spaß gemacht und sie hat sich dort »wie zuhause« gefühlt. Oft arbeitete sie bis lange nach Mitternacht und hat trotzdem ihrem Mann jeden Morgen um 5.30 Uhr das Frühstück gemacht. »Das konnte ich mir gar nicht anders vorstellen« erinnert sie sich noch heute. Vor zwanzig Jahren ist ihr Mann gestorben und seitdem lebt Josepha allein.

Als ihr Enkel Günther Bauer – der bekannte Motorrad-Eisspeedway-Rennfahrer – seine großen Erfolge feierte, wollte sie erst gar nicht hingehen und hat am Anfang auch nicht hinschauen können, weil es für sie so gefährlich aussah. Später fand sie es dann doch interessant; auch dass sie bei den Wettkämpfen so viele Menschen kennengelernt hat. Im Flur bei Josepha hängen etliche Siegerkränze und unzählige Trophäen vom Enkel stehen auf Regalen. 1998 wurde Urenkel Luca geboren, der heute auch schon in die Fußstapfen seines Vaters tritt und Rennen fährt.

Sportlich war Josepha auch gern unterwegs, früher ist sie mit ihren Freundinnen im Winter gern mit den Skiern zur Wuhrsteinalm, wobei die Skier zur damaligen Zeit nach oben getragen werden mussten, um abfahren zu können. Im Sommer ist sie gern zum Bergwandern gegangen und kennt natürlich alle Berge und Gipfel im Umkreis.

Heute lebt sie in ihrer Wohnung im ersten Stock allein und versorgt sich selbst. Jeden Tag wird eingekauft und frisch gekocht, die Wäsche wird penibel gebügelt, denn sie hat es gern ordentlich. Überhaupt sieht Josepha Töpfer nicht aus wie eine 95-Jährige. Glänzende lange Haare hat sie zu einem Zopf zusammengefasst und im Gesicht sind nur wenige Falten. Sie lacht über das Kompliment und meint dazu: »Man darf sich nicht gehen lassen.«

An ihrem Ehrentag erwartet sie viel Besuch und freut sich darauf. Auch Bürgermeister Josef Loferer hat sich zum Gratulieren angemeldet. wun


Schreibwaren Miller