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Foto: Wunderlich

Festgottesdienst und Umzug durch Schleching – 28 Vereine feiern

Schleching – Wenn sich 28 Trachtenvereine auf den Weg machen, dann ist das schon ein sehr beeindruckendes Bild – Am gestrigen Sonntag feierte der Chiemgau Alpenverband das Gaufest in Schleching.


Nachdem sich die Trachtler im Festzelt am Morgen mit einem bayerischen Frühstück gestärkt hatten, zogen sie mit Musikbegleitung zur Tiroler Achen, wo der Altar für den Festgottesdienst aufgebaut war. Begrüßt wurden sie dort von den Schlechinger Alphornbläsern und einzeln von Andi Hell, dem Vorstand des Schlechinger Trachtenvereins »d'Gamsgebirgler«, der das Gautrachtenfest ausrichtete.

Pfarrer Martin Straßer und Diakon Erik Oberhorner zelebrierten die stimmungsvolle Messe im Freien am Achendamm. Der Pfarrer begrüßte es, dass es wieder eine große Gemeinschaft gebe, und erinnerte die Trachtler, dass die Menschen auf der Erde nur auf der Durchreise seien. Er fand es ganz wichtig, dass sich jeder Mensch sein Umfeld sucht – wer ihn auf dem Lebensweg begleitet. Zur Überraschung aller nahm er am Schluss seine Ziach in die Hand und forderte die zahlreichen Gläubigen auf, mit ihm zusammen den Andachtsjodler zu singen.

Weitere musikalische Beiträge lieferten die Schlechinger Sänger und die Schlechinger Musikkapelle.

Miche Huber, Gauvorstand des Chiemgau Alpenverbandes, hielt seine letzte Rede in seiner Amtszeit und hatte mahnende Worte im Gepäck. Er sah das Gaufest als Flaggschiff, das die Grundziele und die richtige Navigation vorgebe. Es sei ein Bekenntnis zur Trachtensache, aber auch zur Heimat. Er sah es als seine Aufgabe, immer wieder darauf hinzuweisen, dass in der Festwoche nicht alle Geschmäcker abgedeckt werden müssen, es sollte für die eigene Einstellung passen und glaubwürdig sein. Die Tracht sei nicht ein Relikt aus alten Zeiten oder »Bayern-Tümelei«, sondern eine Lebenseinstellung, ein Heimatbewusstsein, zu dem auch die jungen Trachtler stehen.

Wenn hohe internationale Staatsgäste Bayern besuchen, dann würden sie von Trachtlern, Gebirgsschützen und Blasmusikanten sympathisch empfangen, das schätzten die Gäste weltweit, war seine Meinung. Er spielte auf    den G7-Gipfel an, wo genau diese Werte kritisiert wurden, mit dem Satz »Trachtler sand peinlich«.

Huber zitierte dazu Landrat Otto Lederer, der meinte, dass beim G7-Gipfel für sieben Staatsführer 18 000 Sicherheitskräfte gebraucht worden seien – Aber wenn die Trachtler ein Gaufest ausrichten mit 8000 Menschen, regle das ganz unaufgeregt die Ortsfeuerwehr. Seine Meinung dazu war: »Wenn mia Feste feiern, feiern mia friedlich, würdevoll und mit vier Generationen von Jung und Oid miteinander.«

Auch Richtung Kirche fand Miche Huber kritische Worte. Das Fundament in der Trachtenarbeit sah er auch im Glauben und bei den Gottesdiensten, aber dort vermisste er den frischen Wind, damit die Trachtler »stets Kurs hoitn, Mast und Segel oiwei seetüchtig san, um wieda mehra Fahrt aufzunehmen«. Sein Rat lautete Selbstkritik zu üben und an den eigenen Fehlern zu arbeiten.

Landrat Siegfried Walch fand zum Abschluss des Festgottesdienstes lobende Worte für den Trachtenverein »d’Gamsgebirgler« und besonders für Vorstand Andi Hell, der nie den Optimismus verloren habe, dass das Gaufest heuer in Schleching stattfinden kann. Walch fand, so ein Gaufest schweiße zusammen und sei ein wichtiges Bekenntnis zur Heimat.

Nach einer Stärkung im Festzelt stellten sich die Vereine zum Festzug auf. Viele Zuschauer standen am Straßenrand, um die beeindruckenden Pferdewägen und Trachten mit Musikbegleitung zu bewundern. Die Strecke war geschmückt mit bunten Latschenbuschen und Fahnen.

wun