Zentnerschwerer Stein hängt hoch oben im Baum

Bildtext einblenden
Verwittert ist der zentnerschwere Stein, der seit Jahrzehnten in einer Astgabel eines Baums eingeklemmt ist, der auf der Eggerschneid in Ruhpolding steht.
Bildtext einblenden
Andreas Eckert stellt sich eine Frage: Wie kam der Stein auf den Baum?

Ruhpolding – Andreas Eckert konnte seinen Augen kaum trauen. »So etwas habe ich noch nie gesehen«, erzählt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Diese Tage besuchte der 73-Jährige, der seine Wurzeln in Ruhpolding hat, seit Jahrzehnten jedoch in München lebt, wieder einmal seine Heimatgemeinde. Zusammen mit seinem Cousin begab er sich auf eine Wanderung Marke Geheimtipp. Auf den Haßlberg stieg er mit seinem Verwandten. Und als der 73-Jährige dann oben stand, entdeckte er einen besonderen Baum, der eine riesige Last trägt. »Ein zentnerschwerer Stein hängt in einer Astgabel circa sechs Meter über dem Boden.«


Auch wenn er schon eine halbe Ewigkeit in der Landeshauptstadt wohnt, liebt Andreas Eckart seine Heimat nach wie vor. Zeit seines Lebens in München ist er immer wieder nach Ruhpolding gefahren. Seit einigen Jahren ist er Rentner, so hat er mittlerweile besonders viel Zeit, die alten Bande zu pflegen – und er besucht immer wieder seinen Cousin, der einen Bauernhof im Weiler Haßlberg besitzt. Mit ihm zusammen unternahm Andreas Eckert nun eine Wanderung zum Haßlberg. Vom Steinbruch ging's auf die Eggerschneid beziehungsweise Haßlberger Schneid und zum Haßlberg. Wenig bekannt ist die Tour, Einheimische kennen sie, Auswärtige nicht. Nur ein schmaler Weg führt zum Haßlberg. »Es ist ein schöner Steig«, erzählt der 73-Jährige. Wer in die Ferne blickt, erhält eine fantastische Aussicht – und wer seine Umgebung mit einem Adlerauge absucht, der entdeckt ein Kuriosum.

Anzeige

Andreas Eckert schätzt, dass der Stein etwa sechs Meter über dem Boden im Baum auf dem Haßlberg verkeilt ist. Aus dieser Entfernung betrachtet, meint der 73-Jährige, dass der Brocken einen Durchmesser wohl von 80 Zentimetern oder gar einem Meter besitzt – und dass er, wie er weiter Pi-mal-Daumen ausführt, »bestimmt zwei oder drei Zentner« schwer ist. Dass er einmal herunterfallen wird, glaubt der 73-Jährige nicht. »Er hängt fest in der Astgabel.«

Die wundersame Entdeckung ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Die eine Frage beschäftigte ihn, ließ ihn nicht mehr los: Wie kam denn der Stein hinauf in den Baum? Seinen Cousin, den Einheimischen, der den Haßlberg vor der Haustür hat, habe er gefragt, erzählt der 73-Jährige weiter. Der Verwandte habe ihm berichtet, dass der Stein schon Jahrzehnte in luftiger Höhe über dem Boden schwebt – aber eine Erklärung, wie der Brocken einst seinen wundersamen Platz eingenommen hatte, konnte auch der Cousin nicht liefern.

Eckert ließ die Sache nicht auf sich beruhen, wandte sich an andere, weitere Einheimische. Doch auch von ihnen bekam er keine Antwort, die ihn überzeugte. »Die Geschichte ist ein Mysterium«, fasst er das Ergebnis seiner Recherchen zusammen.

Gerade auch diese Theorie hörte er: Am Ende des Zweiten Weltkriegs flogen Bomber der Alliierten über den Haßlberg. Um schneller und höher fliegen zu können, befreiten sie sich von ihrer Last. Bomben fielen auf die Schneid, Steine flogen durch die Luft – und einer von ihnen blieb in einer Astgabel in luftiger Höhe hängen – Ob diese Theorie stimmt, wagt Eckert nicht zu beurteilen. Doch dass Bomben fielen, weiß er. Sein Onkel habe ihm seinerzeit von den damaligen Ereignissen erzählt, so der 73-Jährige. Der eine oder andere Krater sei heute noch zu sehen.

Bietet der Abwurf von Bomben tatsächlich die Erklärung dafür, dass der Stein auf seinen wundersamen Platz kam? Eckert zweifelt. Er hofft, mehr zu erfahren und eine Antwort auf die Frage zu bekommen, welchen Weg der Stein einst nahm. »Sicher gibt es Wanderer im Landkreis Traunstein, die sich diese Frage auch schon stellten und vielleicht auch die Antwort wissen oder zumindest eine stichhaltige Erklärung haben.«

Mehr aus Ruhpolding