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Von der Biathlonlegende zum Nachwuchsscout – Fritz Fischer bleibt seinem Sport eng verbunden

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Der Mann hat Sportgeschichte geschrieben und sich einen Legendenstatus damit erarbeitet. Die Rede ist vom ehemaligen Top-Biathleten Fritz Fischer. Geboren 1956 in Kehlheim, zuhause in Ruhpolding. Dem Ort, der seit über 40 Jahren Mittelpunkt des Biathlonsports ist und mittlerweile als Biathlon-Mekka gilt.


Jedes Jahr im Januar ist die Chiemgau Arena Schauplatz des Weltcups, tausende Zuschauer verwandeln den Ort für eine Woche in ein Tollhaus. „Ich vergleiche es mit der fünften Jahreszeit so wie den Karneval in Köln“, sagt Fritz Fischer stolz. „Ruhpolding ist Biathlon, der Weltcup ist stetig gewachsen und kann mit meiner aktiven Zeit nicht mehr verglichen werden. Mich macht das sehr glücklich, ein Teil dieser Entwicklung zu sein.“

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Fischer schätzt die besondere Aura von Ruhpolding, Sport und Tradition treffen hier perfekt zusammen. Die Chiemgau Arena zählt mittlerweile zu den schönsten Sportstätten der Welt. „Wir sind aktuell an einem sehr hohen Niveau angelangt. Diese Entwicklung ist auch eine Gradwanderung. Wir müssen alles stabil halten und die Qualität sichern“, sieht der Olympiasieger und Weltmeister das Geschehen rund um den Weltcup im Chiemgau.

Mit Qualität sichern meint er auch, immer wieder gute deutsche Athleten hervorzubringen. Diese seien schließlich die Publikumsmagneten. Fischer erinnert dabei an Magdalena Neuner, Ricco Groß, Michael Greis, Uschi Disl oder aktuell an Laura Dahlmeier. „Wir müssen genau schauen, wo der Nachwuchs ist“, sagt Fischer. Deswegen ist er derzeit als Talentscout für den Deutschen Skiverband in ganz Deutschland mit seiner mobilen Laseranlage unterwegs.

Spaß und Freude an der Bewegung müssen die zukünftigen Biathleten mitbringen. Fischers Credo: „Biathlon ist die Schule fürs Leben. Alles wird digitalisiert und deshalb dürfen wir die Menschlichkeit nicht vergessen.“ Der 62-jährige vergleicht die Suche nach dem Nachwuchs mit dem Mekka des alpinen Skisports: Kitzbühel. „Wann hatten die zuletzt einen überragenden Skifahrer aus dem Ort? Also müssen wir auch in anderen Regionen nach Talenten suchen.“

Der Legendenstatus ist bei Olympia 1992 entstanden

Mit großer Sorge beobachtet Fritz Fischer die andauernden Diskussionen um Doping im Biathlon. „Das Thema muss man ansprechen, ich hoffe dass die neue Vorstandschaft der IBU (Internationale Biathlonunion) das ehrlich aufarbeiten und für einen sauberen Sport garantieren wird. Das sind wir den sauberen Athleten schuldig.“

Legendenstatus hat der gebürtige Kehlheimer 1992 bei den Olympischen Spielen in Albertville erreicht. Als Schlussläufer der deutschen Staffel errang er die Goldmedaille. „Ich bin damals 36 Jahre alt gewesen und sehr nervös gewesen. Ich hätte ein tiefes Loch gegraben, wenn ich eine Schaufel gehabt hätte“, gibt er zu. Schließlich war es nach der Wende die historische „Wiedervereiningungsstaffel“ und die wollte der Fritz auf keinen Fall vergeigen. Beim letzten Schießen lieferten sich Deutschland mit Fischer, Russland und Norwegen das entscheidende Duell. „Da stand ich nun, der Kehlheimer Hobbyangler“, beschreibt er es. Aber seine Nerven hielten und mit einer seiner berühmten Schnellfeuereinlagen führte er sein Team zu Gold. Kurz vor dem Ziel überreichte ihm seine Teamkollegin Uschi Disl die deutsche Fahne.

Mit dieser Aktion schrieb er ebenfalls Sportgeschichte, er dürfte der erste Athlet gewesen sein, der mit einer Flagge ins Ziel lief. „Ich durfte ein Teil davon sein, das wird mir immer in Erinnerung bleiben“, erinnert er sich und verrät eines seiner Geheimnisse. „Ich bin damals wohl der schnellste Schütze überhaupt gewesen.“ Mit 5,8 Sekunden vom ersten bis zum fünften Schuss in einem Wettkampf hält er bis heute den Weltrekord.

Als „Spätberufener“ zum Biathlon gekommen

Eigentlich ist Fritz Fischer nur durch einen Zufall zum Biathlon gekommen. Bei seinen Wehrdienst stand ein 5000-Meterlauf auf dem Programm. „Meine Kameraden haben mir geraten, meinen Ausbilder gewinnen zu lassen, der würde nicht gerne verlieren. Ich habe ihn trotzdem abgehängt“, erzählt er lachend. Der Unterlegene nahm es sportlich und riet ihm, es mit Biathlon zu versuchen – mit seinen 18 Jahren damals eigentlich fast zu spät für die ganz große Karriere. „Es hat trotzdem geklappt“, meint er zufrieden.

Nach seiner sportlichen Laufbahn hat er große Erfolge als Trainer bis hin zur A-Mannschaft gefeiert. Mit seiner zweiten Frau Hanni betreibt er ein Biathloncamp und bringt Interessierten seinen Sport näher. Seit vielen Jahren ist er auch immer ein gern gesehener Gast auf den Golfplätzen. Dank seines Legendenstatus misst er sich dort unter anderem mit Franz Beckenbauer, Schauspieler Sascha Hehn oder ehemaligen Skistars wie Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Immer für den guten Zweck, denn der Fritz ist eine Legende mit einem großen Herz.

Text: Siegi Huber
Bilder: Ernst Wukits

 

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