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Räumung der vollbesetzten Chiemgau-Arena – glücklicherweise nur eine Übung der Führungskräfte. Rund 120 Einsatzkräfte, Behördenvertreter und Mitarbeiter des Veranstalters haben die Einsatzpläne der Biathlonarena geprobt. (Foto: Hobmaier)

»Vollbesetzte Chiemgau-Arena musste geräumt werden« – 120 Beteiligte bei großem Test des Einsatzplans »Biathlon«

Ruhpolding – Im kommenden Januar ist es wieder soweit, die Weltelite des Biathlons gibt sich in der Chiemgau-Arena ein Stelldichein und Zehntausende Fans werden dabei sein. Für solche Großveranstaltungen sind die Sicherheitsanforderungen entsprechend hoch und grundsätzlich wird im Vorfeld alles unternommen, damit nichts Schlimmeres passieren kann. Für den Fall der Fälle gibt es einen Einsatzplan, den nun rund 120 Beteiligte für die Führungsebenen getestet haben.


»Bei diesen Dimensionen reichen die alltäglichen Führungsstrukturen bei Weitem nicht aus. Sollte es zu einem echten Schadensereignis in der Arena kommen, sind mehrere Hundert Helferinnen und Helfer der Feuerwehren, aller heimischen Hilfsorganisationen, von Polizei, Gemeinde und Landratsamt im Einsatz«, informiert Kreisbrandinspektor Georg König, der für den Biathlon-Weltcup als örtlicher Einsatzleiter vorgesehen ist. »Uns Feuerwehren war es daher ein Anliegen, die bestehenden Pläne auf Herz und Nieren zu testen. Deshalb haben wir diese Stabsübung zusammen mit der Gemeinde Ruhpolding organisiert«, so Kreisbrandrat Christof Grundner am Ende der arbeitsintensiven Übung, die bei der Feuerwehr-Führungsstelle »Chiemsee« im Feuerwehrhaus Erlstätt angesiedelt war.

Das Einsatzszenario: Angenommen war ein Feuer im Bereich des Hüttendorfs entlang der Arena. Das Feuer breitete sich rasch aus und griff auf mehrere Hütten über. Rund 20 Menschen wurden dabei verletzt. Aufgrund der starken Rauchentwicklung musste das Rennen abgebrochen werden und die mit rund 10.000 Besuchern besetzte Arena wurde geräumt. Tausende Menschen strömten entlang der Fluchtwege aus dem Veranstaltungsgelände, gerieten aber auch auf Zufahrtswege für die ankommenden Retter.

»Es ist zwar kein einziges Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs gewesen, dennoch wurden die Strukturen und Kommunikationswege der Beteiligten auf eine harte Probe gestellt«, so Grundner. Beteiligt waren neben der Feuerwehr, die direkt an der Arena und in deren Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus Ruhpolding Stellung bezogen hatte, Führungseinheiten des Bayerischen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes, der Bergwacht, der DLRG und der örtlichen Polizei. Eines der Übungsziele war, die Kommunikationswege und den Informationsfluss bei Großschadenslagen zu optimieren und den bestehenden Einsatzplan um die neuen Erkenntnisse zu erweitern. »Ein Einsatzerfolg ist bei derartigen Schadenslagen nur möglich, wenn allesamt an einem Strang ziehen und der Einsatz mit einer organisationsübergreifenden Einsatzleitung geführt wird. Dazu ist diese Art von Übungen Gold wert«, zeigt sich Georg König überzeugt.

Die Fäden liefen allesamt im Krisenstab unter der Leitung des Landratsamts Traunstein zusammen. Beteiligt war auch die Unterstützungsgruppe »Örtliche Einsatzleitung« mit ihrem Führungsfahrzeug, um die Kommunikationswege zwischen den Einsatzkräften, der Örtlichen Einsatzleitung und dem Landratsamt sicherzustellen. Im Landratsamt war die Führungsgruppe Katastrophenschutz rund um Abteilungsleiter Paul Huber zusammengetreten, um die »politisch-administrativen Aufgaben« zu übernehmen und das Bürgertelefon zu besetzen.

Das Übungsszenario war den eingesetzten Kräften nicht bekannt und wurde zeitversetzt »eingespielt«. Für die Einspielungen war ein etwa 20 Mann starkes Team in der Führungsstelle »Chiemsee« im Feuerwehrhaus Erlstätt verantwortlich. Dieses stellte die Teilnehmer immer wieder vor neue Herausforderungen indem beispielsweise die Anzahl der verletzten Personen erhöhte, Staus auf den Zufahrtsstrecken einspielte oder das Bürgertelefon im Landratsamt mit Anfragen auf Trab hielt. »Uns wurde nicht nur ein Stolperstein zwischen die Beine geworfen und so mussten wir fast im Minutentakt auf neue Herausforderungen reagieren«, so König.

Das etwa 15-köpfige Team rund um Einsatzleiter Georg König sorgte für die Nachalarmierung weiterer Kräfte, die dann fiktiv aus dem gesamten Landkreis zusammengezogen wurden, bildete Einsatzabschnitte und teilte die Mannschaften ein. Zudem kümmerte es sich um Treffpunkte für besorgte Angehörige, verfasste Pressemitteilungen und bereitete eine Pressekonferenz vor. Gleichzeitig wurde die Verbindung zu Ämtern und Behörden hergestellt, damit man für alle auftretenden Probleme schnell einen Ansprechpartner hatte.

»Derartige Schadenslagen sind eine Herausforderung für alle beteiligte Organisationen und auch die Übung hat zahlreiche wertvolle Erkenntnisse und Optimierungsmöglichkeiten geliefert, die wir hoffentlich niemals für einen Ernstfall brauchen werden«, so das Fazit des Gesamtverantwortlichen, Christof Grundner, und ergänzt: »Die Biathlonweltcup-Tage werden im kommenden Jahr wieder in gewohnter Weise und bestens organisiert über die Bühne gehen. Die Veranstalter haben alles für ein sicheres, vergnügliches und begeisterndes Sportevent getan und somit dürfen sich die Besucher unbesorgt auf die Wettkämpfe der Biathlon-Weltelite freuen«.

Hob

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