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Volksmusikalische Sternstunde unterm Perlenhimmel

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Die Starnberger Fischerbuam erfreuten die Zuhörer auf der Schwarzachenalm mit ihren kernigen Liedern. Sie treten gern in der typischen Fischertracht auf. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Sichtlich wohl fühlten sich die musikalischen Tonangeber mitsamt ihren Zuhörern während des bestens organisierten Hoagarten auf der Schwarzachenalm am Fuß des Sonntagshorns. Die Veranstaltung lief in der Reihe »Chiemgau Alm Festival«.


Der laue Sommerabend, das verträumte Gebiet der geschichtsträchtigen Niederalm – hier wurde vor knapp 200 Jahren der letzte, angestammte Bär erlegt – sowie das bezeichnende Motto »Wohl auf der Alm…« gaben die Richtung für das 90-minütige Programm vor, das Musikschulleiter Otto Dufter aus Unterwössen mit viel Gespür ausgewählt hatte und auch als Sprecher fachmännisch und mit dem für ihn bekannt trocken-flockigen Humor begleitete. Gleich zu Beginn outete sich der Erzmusikant als »Halb-Ruhpoldinger«, da seine Mutter aus dem nahe gelegenen, kleinen Weiler Waich stammt.

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Als passende Kulisse und zugleich als »Musisteign« diente die eigens für diese Veranstaltung abgeschattete Vorderfront des Zellerbauernkasers, damit die Mitwirkenden nicht gar zu sehr in die Sonne blinzeln mussten. Dufters Dank ging an die Familie Ringsgwandl und ihren Helfern.

Die Fischerbuam-Tanzlmusi aus Starnberg sorgte mit der Matthäus-Polka für den schneidigen Auftakt und stellte sich, weil die Gruppe zum ersten Mal in Ruhpolding war, als kerniger Viergesang mit dem Liadl »Mia san de selln Fischerbuam« vor.

Dass sie nicht nur das Zeug zum Musispielen, sondern auch zum Singen haben, entdeckten die vier gstandnen Männer aus dem Fünf-Seen-Land kurioserweise beim Skifahren in Südtirol. Mit ihrer Vielseitigkeit decken sie so »personalsparend« gleich zwei komplette Gruppen ab, wie es beim »Grüaß di Gott, du scheene Schwoagerin« zu hören war. Außerdem gehen ihnen selbst alte, für heutige Zeiten haarsträubende Texte leicht über die Lippen, als die »Schleifersleid« noch über’s Land zogen und ihre »Luadamadln« ganz Passau unsicher machten oder beim »Winderl übers Moos«, wo man die »Weiberleut« in der voremanzipatorischen Zeit nicht nur sprichwörtlich vor den Karren spannte, was dann doch einige Verwerfungen in den Gesichtern mancher Zuhörerin hervorrief.

Die »Dreifarbigen« aus Reit im Winkl, die sich wegen ihrer unterschiedlichen Haarfarbe den für Katzen üblichen Namen gaben, schwärmten vom »Fischerbuam«, dem sei »Hüatei« gar so gut steht, beschrieben den Weg von der »Schwoag bis auf d’Hochalm«, umgarnten mit glockenreinen Stimmen ihren Angebeteten »Du herziger Schatz« und konstatierten außerdem, dass sie sich keine Landstraßen auf die Alm bauen ließen – ein Text, der von den Grünen stammen könnte, wie Otto Dufter scherzhaft dazu anmerkte.

Christina Hechenbichler (Sopran) und die Schwestern Anna (Zweite Stimme) und Helena Speicher (Dritte Stimme) weisen einen erstaunlich feinen Dreiklang auf, obwohl sie erst seit einem Jahr zusammen singen. Dreifarbig würde aber auch zusätzlich auf ihre Brotberufe passen, nämlich Lehrerin, Bankerin und Juristin.

Für das Wössner Erntedank-Ensemble ist die Schwarzachenalm mittlerweile zur zweiten Heimat geworden. Der wunderbaren Klangfarbe ihres Zusammenspiels, das Otto Dufter (Harmonika und Melodiegitarre), Antonia Kreppert (Zither), Sigi Meier (Harfe), Cornelia Schlegel (Hackbrett), Benedikt Landenhammer (Gitarre) diesmal mit Vitus Mittermayr am Kontrabass zelebrierten, könnte man stundenlang zuhören.

Zwischendurch gab der Sprecher interessante Hinweise, die Almwirtschaft, die sogenannte Schwoag betreffend, woraus die Bezeichnung der Schwoagerin, Sennerin oder auch Brenzlerin herrührt, und klärte auf, was es mit » obi go Doi« auf sich hat, nämlich wenn das Tennbodenbacherl Richtung Tal abwärts fließt.

Scheinbar inspiriert vom sommerlichen »Perlenhimmel-Boarischen«, den die Wössner vorher als Programmpunkt intoniert hatten, legten die Musikanten ihre Instrumente so lange nicht aus der Hand, bis er sich wirklich über die Schwarzachen wölbte, der nächtliche Perlenhimmel. ls

 

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