Touristische Leistungen steigen und kosten immer mehr Geld – Ruhpolding erhöht Kurbeitrag

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Mit seinen touristischen Einrichtungen wie dem Vita Alpina, dem ersten Wellenhallenbad der Alpen, oder dem weitläufigen Rad- und Wanderwegenetz will Ruhpolding den Gästen die Saisonverlängerung schmackhaft machen. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Die touristische Infrastruktur mit ihren kontinuierlich steigenden Aufgaben fordert ihren Tribut: Die Ausgaben der Gemeinde steigen. Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause im Pressezentrum der Chiemgau-Arena beschlossen, den Kurbeitrag pro Übernachtung und Person von bisher 2,10 Euro um 23,8 Prozent auf 2,60 Euro zu erhöhen. Die verminderten Beitragssätze erhöhen sich um 50 Cent. Die neue Regelung tritt ab 1. Mai nächsten Jahres in Kraft.


Nach 2003 und 2012 ist es insgesamt die dritte Anpassung innerhalb der letzten 20 Jahre. Zugleich einigte sich das Gremium darauf, den Kurbeitrag nicht mehr wie bisher alle neun Jahre, sondern in kürzeren Zeitspannen, nämlich alle drei Jahre, auf den Prüfstand zu stellen.

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Wie Bürgermeister Justus Pfeifer eingangs betonte, waren der aktuellen Entscheidung intensive Beratungen und Diskussionen im Verwaltungs- und Finanzausschuss vorangegangen. In der Abwägung im Hinblick auf weitreichende Investitionen für die Zukunft habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, allerdings bestehe keine Alternative dazu, so der Rathauschef. Pfeifer stellte in dem Zusammenhang klar, dass es mit dem Kurbeitrag nicht die »Tante« betreffe, die kurzzeitig bei der Verwandtschaft übernachte, sondern ausschließlich auf gewerbliche Beherbergungsbetriebe abziele.

Über die wesentlichen Gründe, die eine Erhöhung des Kurbeitrags dringend erforderten, informierte Geschäftsführer Frank Oette von der Ruhpolding Tourismus GmbH (RTG). Ziel sei es vorrangig, dem gesteigerten Leistungsspektrum weiterhin Rechnung zu tragen. »Ruhpolding möchte auch in Zukunft eine Vorreiterrolle im Tourismus spielen«, gab der Experte als Devise aus. Dafür brauche es auch die finanziellen Rahmenbedingungen.

Oette nannte als Faktoren unter anderem die Chiemgau Card, die Einrichtungen Wellen-Hallenbad Vita Alpina, Kurhaus, Freibad, Eishalle und die Ortslinie, die das kommunale Unternehmen der Gemeinde zu unterhalten hat. Hinzu komme die äußere Infrastruktur mit Wander- und Radwegen oder Loipen, was bei einer flächenmäßig großen Gemeinde wie Ruhpolding besonders zu Buche schlägt, rechnete Oette vor.

Zum Thema Corona-Einbußen sagte er, dass trotz der guten Bettenauslastung im Sommer die Chance nicht sehr groß sei, die Verluste zu kompensieren. Durch die geplante Saisonverlängerung, verbunden mit einem stimmigen Angebot, hoffe man jetzt, noch genügend Gäste in den Ort zu holen. Hier könne man eine positive Entwicklung auf lange Sicht einleiten.

Zweiter Bürgermeister Ludwig Böddecker plädierte für ein abgespecktes Angebot, das den Gast trotzdem zufriedenstellt. Auf seine Frage, wie es sich bei Kurz-Übernachtungen mit Wohnmobilen verhält, antwortete Justus Pfeifer, dass generell jede Nächtigung unter den Kurbeitrag falle. Allerdings sei hier kaum eine Kontrolle durchführbar.

Wolfgang Heigermoser (CSU) hielt Geschäftsführer Oette vor, er verquicke zu Unrecht die Chiemgau Card mit dem Kurbeitrag, aus dessen Topf nicht nur das Wegenetz, sondern auch kulturelle Veranstaltungen wie Heimatabende und dergleichen finanziert werden. »Das sind zwei Paar Stiefel, das sollte man strikt trennen,« argumentierte Heigermoser. Außerdem monierte er den seiner Meinung nach schlechten Zustand des Wanderwegenetzes sowie den Umstand, dass man es bis heute nicht geschafft habe, ein taugliches Hygienekonzept für kulturelle Veranstaltungen in Corona-Zeiten zu erstellen: »Andere Gemeinden machen es uns vor, wie es gehen kann.«

Zu den Vorwürfen meinte Oette, er sehe die Chiemgau-Card sowie den Kurbeitrag als gesamtes Leistungspaket der RTG an und verwies im dritten Kritikpunkt auf die vorgeschriebenen Hygieneschutzmaßnahmen. Den Gästen und Vermietern, aber auch dem ganzen Ort gegenüber möchte er es nicht verantworten, Ruhpolding zu einem Hotspot werden zu lassen: »Das können wir uns nicht leisten, gerade jetzt, wo die Gästeresonanz wieder steigt.« Schon von daher sieht er die RTG auf dem richtigen Weg.

Keinen Zweifel ließ der Geschäftsführer an der Erhöhung des Kurbeitrags: »Wir werden die Mittel brauchen, um unser Angebot zu erhalten und ausbauen zu können.« Sepp Hohlweger (Grüne) sieht es generell kritisch, wenn bei Defiziten der Steuerzahler drauflegen muss. Tourismus müsse man aber als Gemeinschaftsaufgabe sehen, insofern könne er der Erhöhung zustimmen. Für die Übergangszeit hoffe er, dass sich die Wirte untereinander besser absprechen wie bisher, nicht dass alle gleichzeitig das Schild »Betriebsruhe« vor die Türe hängen. Mit zwei Gegenstimmen verabschiedete der Gemeinderat letztlich den Erlass einer neuen Satzung. ls

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