Stadtwerke beantragten vor zehn Jahren die Neuausweisung des Wasserschutzgebiets in der Laubau

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Nach dem Start der Wasserentnahme in der Laubau mit zwei Brunnen errichteten die Stadtwerke im Laufe der Jahre dann noch einen dritten (unser Bild).

Ruhpolding – Nach wie vor noch nicht abgeschlossen ist die Neuausweisung des Wasserschutzgebiets in der Laubau in der Gemeinde Ruhpolding, die die Stadtwerke Traunstein beantragt haben. Schon seit rund zehn Jahren läuft die Diskussion.


Dass die Genehmigung durch das Landratsamt nach so langer Zeit immer noch nicht ins Haus geflattert ist, beunruhigt Geschäftsführer Stefan Will jedoch keineswegs. Auf dem langen Weg komme das Ziel, wie er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt, in Sicht: »Wir stehen vor dem Abschluss des Verfahrens.« Und überhaupt: Durch die Neuausweisung sei die Wasserversorgung der Bürger durch die Stadtwerke ohnehin nicht beeinträchtigt.

Wenn die Neufestsetzung der Grenzen in absehbarer Zeit – zum Beispiel im nächsten Jahr – zu Ende geht, dann werden die Stadtwerke mit ihrem Verfahren im Vergleich zu anderen Wasserversorgern mit deren Projekten nach Angaben von Will sogar »fast noch schnell« durchgekommen sein. »Ich kenne Kollegen, die schon seit 20 Jahren rumtun.«

Brunnen fördern im Jahr 1,9 Millionen Kubikmeter

Nicht nur den Bürgern in Traunstein liefern die Stadtwerke das kostbare Nass ins Haus. Auch Siegsdorf und Inzell versorgt die GmbH. Das Wasser, das in ihren Leitungen in die Haushalte fließt, holen sich die Stadtwerke aus der Gemeinde Ruhpolding: aus der Laubau. Will sagt, dass die drei Brunnen jährlich 1,9 Millionen Kubikmeter fördern. Wenn ein Notfall eintritt, dann können die Stadtwerke laut dem Geschäftsführer zur Überbrückung von Lieferengpässen eine andere Entnahmestelle kurzfristig in Betrieb nehmen. Das zweite Standbein der Wasserversorgung der Stadtwerke Traunstein sei in der Gemeinde Siegsdorf: Wenn in der Laubau alle Stricke reißen sollten, dann könnten sie die Pumpe im Brunnen am Kressenbach bei Hammer anwerfen.

Bereits seit Mitte der 80er Jahre holen sich die Stadtwerke das Wasser, das sie brauchen, aus der Laubau – und anders als vor vier Jahrzehnten wissen die Geologen mittlerweile, dass das kostbare Nass in der Laubau unterirdisch etwas anders fließt, als ursprünglich angenommen worden war. Herausgestellt habe sich, wie Will die Erkenntnisse der Fachleute zusammenfasst, dass von der Chiemgau-Arena doch keine »Zustromung« zu den drei Brunnen erfolge. Vielmehr hätten sie festgestellt, dass sich Wasser – was anfänglich nicht bekannt war – auch und gerade aus dem großen Gebiet südlich des Rauschbergs in das Entnahmesystem der Stadtwerke begibt. »Die Wasserverhältnisse im Untergrund stellen sich anders dar als bisher gedacht,« sagt Will, der einer der beiden Geschäftsführer der Stadtwerke ist.

Wasserschutzgebiet wird doppelt so groß

Weil sich das Wissen in Sachen unterirdischer Zuflüsse verändert hat, müssen die Stadtwerke nun auch die Grenzen ihres Schutzgebietes neu definieren: Wiederum eine Ausweisung ist erforderlich, ein Verfahren unumgänglich, das viel Zeit in Anspruch nimmt.

Was die Ausmaße der Veränderungen betrifft, so sind sie allerdings beträchtlich. So erläutert Will, dass das neue Wasserschutzgebiet – wenn die Genehmigung kommt – etwa 30 Quadratkilometer umfassen werde. Und damit sei es dann »etwa doppelt so groß wie bisher«.

Mitte der 80er Jahre haben die Stadtwerke einst angefangen, die Bürger mit Wasser aus der Laubau zu versorgen. 1990 habe sich dann, wie Stefan Will im Rückblick ausführt, die Gemeinde Siegsdorf angeschlossen, 2013 dann auch Inzell. Ursprünglich habe die GmbH zwei Brunnen in der Laubau betrieben. Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, habe sie dann vor gut zehn Jahren einen dritten Brunnen gebaut.

Nach dem Update der Erkenntnisse über die unterirdischen Wasserläufe durch die Geologen seien die Stadtwerke vor knapp einem Jahrzehnt in das Verfahren für eine Neuausweisung des Wasserschutzgebiets eingestiegen. Zu diesem Zweck hätten die Stadtwerke, wie der Geschäftsführer weiter erläutert, einen Antrag an das Landratsamt gestellt.

Und damit begann dann das Verfahren, das nicht so schnell abgewickelt werden kann – nicht so schnell deshalb, weil nicht zuletzt auch die Planung öffentlich ausgelegt werden muss und allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben ist, Stellung zu nehmen. Doch diese Diskussion geht nun dem Ende entgegen. Die Neuausweisung sei, wie Geschäftsführer Stefan Will erläutert, »positiv-neutral« aufgenommen worden. Und er fügt hinzu: Niemand habe sie in Frage gestellt.

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