Sanierung der Filialkirche St. Valentin mit modernster Technik

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Das Ausmaß der Schäden zeigt sich auch im gotischen Chorgewölbe. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Mit modernster Technik ging ein Spezialisten-Team der Filialkirche St. Valentin in Zell buchstäblich auf den Grund. Die umfangreichen Stützungsarbeiten waren erforderlich geworden, weil die angebaute Sakristei seit geraumer Zeit gravierende Setzungsschäden aufwies.


Was im Klartext heißt, dass der Anbau auf instabilerem Untergrund steht als das Kirchengebäude. Nicht nur das aufgerissene Gewölbe in der Sakristei selbst, das bereits mit Stützträgern gesichert werden musste, sondern auch immer mehr Risse und Spalten zwischen Kirchenbau und Sakristei bereiteten Pfarrer Otto Stangl und der Kirchenverwaltung einiges Kopfzerbrechen. Bedenken, die Sakristei könne einstürzen, waren mehr als berechtigt. Sogar bis in den Chorraum mit seinem gotischen Kreuzrippengewölbe hinein setzten sich die Schäden erkennbar fort.

Für Bauwerksprüfer Johannes Döpper vom Ingenieurbüro BG Trauntal, der die Sanierungsmaßnahme von fachlicher Seite aus begleitet, liegen die Ursachen klar auf der Hand. Demnach sei es, bedingt durch die vergangenen regenarmen Sommer, zu vermehrtem Feuchtigkeitsentzug im Untergrund gekommen. Das setzte der südseitig gelegenen Sakristei mehr zu als dem Kirchenbau, der offenbar auf Holzpfählen sicherer und damit fester steht. Reibungspunkte ergaben sich zwangsläufig. »Wenn bindiger Lehmboden wie hier austrocknet, kommt es eben zur unerwünschten Absenkung,« erklärt Johannes Döpper, der als weiteren Störfaktor den zunehmenden Schwerlastverkehr sowie Baumaßnahmen in der Umgebung ausmachte. Die Folge: Bis zu fünf Zentimeter spreizte die Klaffung zuletzt im Mauerwerk auseinander.

Bevor die Baugrundverbesserung in Angriff genommen werden konnte, gab es noch statische und archäologische Voruntersuchungen, bei denen auch die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamts und das Landesamt für Denkmalpflege eingebunden waren.  Für  die  nachhaltige Baugrundverfestigung sorgte ein erprobtes, sogenanntes »DeepInjektion-Verfahren«, das in solchen Fällen gern eingesetzt wird und noch dazu Kosten spart. Dazu Dipl.-Ingenieur Döpper: »Ein anderes Verfahren hätte sicher 1,5 bis zwei Millionen Euro verschlungen«. Dabei wird ganz gezielt ein Zwei-Komponenten-Harz in den Untergrund eingebracht, das sich schnell ausbreitet und somit die Fundamentsohle in kurzer Zeit verfestigt.

Wie Bauleiter Christian Knopp erläuterte, mussten dazu 120 Injektionslanzen entlang der Außenmauern bis zu fünfeinhalb Meter tief ins Erdreich gesetzt werden. Hochempfindliche Laser-Empfänger an relevanten Stellen steuern und kontrollieren den Nivellier-Prozess während des gesamten Vorgangs. Klebebänder, die über den Rissen angebracht sind, zeigen zudem optisch die Bewegung des Baukörpers. Nach ersten Erkenntnissen verlief die einwöchige Sanierung erfolgreich im Sinne aller Beteiligten. Allerdings, so Johannes Döpper, könne man erst in einem halben Jahr sagen, ob die Aktion von dauerhaftem Bestand ist.

Die geschätzten Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich nach Angabe von Pfarrer Otto Stangl auf 175.000 Euro; davon trägt die Diözese München-Freising 85 Prozent, die restlichen 15 Prozent in Höhe von 26.000 Euro kommen auf die Kirchenstiftung zu. Die nötigen Ausbesserungs- und Verschönerungsarbeiten werden zu gegebener Zeit ausgeführt.

ls

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