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Regisseur dreht Mysterythriller im Chiemgau – Laienschauspieler gesucht

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Ruhpolding: Bad Endorfer Regisseur Fabian Altenried dreht Chiemgau-Mysterythriller | Schleching
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Regisseur Fabian Altenried dreht ab Ende Dezember in Ruhpolding und Schleching einen Kurzfilm.

Wie handelt der Mensch im Angesicht einer drohenden Katastrophe – dieser Frage widmet sich der Kurzfilm »Amygdala« des Bad Endorfer Regisseurs Fabian Altenried, der ab Dezember an verschiedenen Orten im Chiemgau gedreht wird, darunter auch in Schleching und Ruhpolding.


Dabei will der 32-Jährige keine Dystopie entwickeln, sondern in Zeiten des Klimawandels und Populismus einen kulturellen Beitrag auf die Angst vor dem Unbekannten leisten.

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Spielort Ihres Kurzfilms »Amygdala« ist der Chiemgau – warum?

Mich hat es gereizt, einen Heimatfilm oder besser gesagt einen Kurzfilm in meiner Heimat, dem Chiemgau, zu drehen. Dabei soll das Verhältnis zwischen Natur und Mensch im Fokus stehen – auf eine extreme Weise. Eine Besonderheit ist jedoch, dass im Gegensatz zu klassischen Heimatfilmen die Berge und die Gipfel nicht als prägende Kulisse auftauchen. Daher ist der Film auch eher ein kammerspielartiger Mysterythriller.

Der Film spielt in einem kleinen abgelegenen Dorf, in dem die Welt aus den Fugen gerät: Disteln blühen im Winter, Trommelfelle von Kühe platzen aus unbekannten Gründen, Dorfbewohner werden auf rätselhafte Weise krank, der zugezogene Pfarrer nutzt die unklare Situation für sich aus, um einen alternativen Glauben zu etablieren – welche Geschichte wollen Sie erzählen?

Der Film ist eine Parabel auf das Thema Angst. Im Kern geht es darum, zu zeigen, wie Menschen handeln, wenn sie mit einer abstrakten Bedrohung konfrontiert werden. Sie reagieren mit Angst. Und Angst ist – im Gegensatz zu Furcht – immer gegen etwas Abstraktes gerichtet. Und zwei der wichtigsten Themen unserer Zeit, die mit der Angst der Menschen spielen, sind Klimawandel und Populismus.

Welche Bedeutung hat der Filmtitel »Amygdala«?

Die Amygdala ist im Gehirn für Emotionen, genauer gesagt für die Steuerung von Angst zuständig. Der Film soll zeigen, wie irrational Menschen aus Angst handeln. Bestes Beispiel ist die Klimakatastrophe: davor haben wir Angst, weil es für uns noch etwas Abstraktes ist; dabei sollten wir Furcht davor haben, denn Furcht richtet sich im Gegensatz zur Angst immer gegen etwas Konkretes. Furcht ist überlebensnotwendig. Der Film soll zu diesen Problemen ein kultureller Beitrag sein.

Welche Funktion haben die Figuren in der Geschichte?

Angesichts einer Bedrohung versucht in der Geschichte jeder, eine Erklärung für die Geschehnisse zu finden. Dabei wird die Katastrophe instrumentalisiert, aber auch die Menschen lassen sich instrumentalisieren. So verschließt der Haberer-Bauer im Gegensatz zu seiner Frau Anna aus Existenzangst die Augen.

Auch der stumme Tierarzt Sander weiß um die Gefahr, kann oder will sich aber nicht in dem Kampf um die Deutungshoheit einmischen. Im Gegensatz zum Pfarrer, der als Fremder ins Dorf kam, in dem der Glaube traditionell noch eine große Rolle spielt. Er instrumentalisiert die abstrakte Bedrohung, um seine alternative Kirche zu etablieren. Und über allem hängt die Frage: Warum holen sich die Dorfbewohner keine Hilfe von Außen?

Warum wird dem Pfarrer eine exponierte Rolle im Film zugestanden?

Der Pfarrer im Film vertritt keinen traditionellen, christlichen Glauben. In seiner Figur soll gezeigt werden, dass Glaube zwar sinnstiftend sein kann, allerdings nicht zwangsläufig zur Lösung eines Problems beitragen kann. Besonders nicht, wenn eine Form des Glaubens instrumentalisiert wird. In Zeiten des Klimawandels sind wir etwa sehr stark dem Technikglauben verfallen. Es ist fatal zu glauben, dass Technik und Wissenschaft alleine unsere Probleme lösen könnten.

Sie setzen mit Ausnahme der Rolle des Pfarrers, die mit einem Profischauspieler besetzt wird, auf Laien, warum?

Auch für einen modernen Heimatfilm braucht man authentischen Dialekt, daher suchen wir gezielt Laienschauspieler aus der Region, die den Chiemgauer Dialekt sprechen.

Wie sind Sie zum Film gekommen?

Ich habe »Freie Kunst« und Philosophie studiert und mich schnell aufs Filme-Machen verlegt. Derzeit bin ich als Produzent, Drehbuchautor und auch als Regisseur tätig. Unsere Produktionsfirma sitzt in Bad Endorf und Berlin.

Noch Darsteller für Film gesucht

Für den Kurzfilm Amygdala werden Laienschauspieler mit Kenntnissen der Chiemgauer Mundart gesucht. Castingtermine sind am Sonntag, 20. Oktober, und am Montag, 21. Oktober, nach Terminabsprache sowie als offenes Casting am 10. November von 12 bis 16 Uhr und am 11. November von 14 bis 16 Uhr. Die Castings finden in »Die Werkstatt« in Rimsting, Rosenstraße 1, statt.

Es werden Darsteller für die Rollen eines etwa achtjährigen Mädchens, einer etwa 16-jährigen Jugendlichen, einer etwa 39-jährigen Mutter, einer etwa 42-jährigen Frau sowie für drei männliche Rollen im Alter von Mitte 30 bis Mitte 40 gesucht.

Bei Interesse wird um Anmeldung mit Foto und Angabe des gewünschten Castingtermins unter der E-Mail amygdala@ schuldenbergfilms.com gebeten. Weitere Fragen zu den Rollen beantwortet Philipp Rühr unter Telefon 0163/843 4522.

Verena Wannisch