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Pandemie-Auswirkungen treffen die Chiemgau-Arena mit voller Härte

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Anders als in den Jahren zuvor wird es im kommenden Winter am Zirmberg ziemlich ruhig zugehen. Der IBU-Weltcup 2021 wurde aufgrund der Pandemie-Auflagen nach Oberhof verlegt. (Foto Chiemgau Arena)

Ruhpolding – Um die finanzielle Entwicklung des Eigenbetriebs Chiemgau-Arena ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Pressezentrum des Biathlonzentrums. Dabei standen die Punkte »Feststellung Jahresabschluss, Entlastung der Werkleitung und Verwendung des Jahresergebnisses« sowie die »Feststellung des Wirtschaftsplans 2020/21 und Zuführung der Kapitalrücklage« auf der Agenda.


Der Jahresabschluss 2019/2020 weist gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr einen um 28 Prozent verringerten Jahresverlust auf jetzt 1,137 Millionen Euro aus. Der Fehlbetrag ergibt sich aus den Bereichen Wettkampf- und Trainingsbetrieb sowie Veranstaltungen. Der Gemeinderat stellte den Jahresabschluss 2019/20 fest und beschloss einstimmig, den Jahresverlust aufs neue Rechnungsjahr vorzutragen. Außerdem wurde die Entlastung der Werkleitung erteilt.

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In Punkto Feststellung des Wirtschaftsplans 2020/21 und Zuführung einer Kapitalrücklage musste, bedingt durch die Absage des Biathlon-Weltcups 2021, der Wirtschaftsplan zum dritten Mal angepasst werden.

Grundlegende positive Veränderungen gegenüber der zweiten Änderung sind die Gewährung des IBU-Pandemiezuschusses bei Ausfall (150 000 Euro brutto), sowie die Durchführung der World Team Challenge, Stadionmiete und die Mehreinnahmen aus der Stadionvermarktung mit jeweils 29 000 Euro. Aufgrund der noch nicht genau bekannten, pandemiebedingten Rahmenbedingungen wird der Wirtschaftsplan für 2021/2022 zu einem späteren Zeitpunkt erstellt.

Die Eigenbetriebssatzung schreibt die Feststellung und Änderung des Wirtschaftsplans durch den Gemeinderat vor. Der Finanzbedarf für das Wirtschaftsjahr 2020/21 beträgt nach aktueller Planung 432 900 Euro. Aus den ersten beiden Wirtschaftsjahren entstand ein Finanzbedarf von 551 600 sowie 189 800 Euro.

Aufgrund der Absage der geplanten Großveranstaltungen zum Ausgleich der Vorjahresdefizite ist nunmehr eine Kapitalzuführung durch die Gemeinde notwendig. Im Nachtragshaushalt 2020 sind 700 000 Euro zu veranschlagen. Weitere Einlagen werden bei Bedarf im Haushaltsjahr 2021 geleistet, die Liquidität kann mit Kassenkrediten aufrechterhalten werden. Der Gemeinderat stimmte der dritten Änderung des Wirtschaftsplans zu und beschloss zugleich die Zuführung zur Kapitalrücklage des Eigenbetriebs in Höhe von 700 000 Euro.

Jahresbericht des Stadionleiters

Stadionleiter Engelbert Schweiger erwähnte in seinem Jahresbericht, dass der Lockdown im Zuge der Covid-19-Pandemie nur noch das ausklingende Saisonende im März und April betraf, sodass sich dieser nur sehr gering auf das Ergebnis des zweiten Geschäftsjahrs auswirkte; die Wintersaison war zu diesem Zeitpunkt bis auf einige regionale Veranstaltungen bereits beendet. Das Wirtschaftsjahr weist Umsatzerlöse und Erträge in Höhe von 4,467 Millionen Euro (Vorjahresergebnis 3,661 Millionen), wobei die Gesamtkosten 5,604 Millionen (5,240 Millionen) betragen.

Beim Jahresverlust blieb man unter den im Wirtschaftsplan prognostizierten 1,203 Millionen Euro. Nach Abschreibungen, Zinsen und Rückbauverpflichtung verringerte sich der Verlust, verglichen mit der bisher praktizierten kameralistischen Buchführung um 65 Prozent auf 189 800 Euro (551 600). Auch im zweiten Geschäftsjahr wurden keine finanziellen Einlagen aus dem Haushalt der Gemeinde benötigt. Jedoch wurde der Kassenkredit voll ausgeschöpft. Besonders erfreulich bezeichnete Schweiger die deutliche Erhöhung der Bundes- und Landeszuwendungen von bislang 204 400 Euro auf nunmehr insgesamt 584 480 Euro.

Um die Sicherheit im Schießstandbereich zu gewährleisten, musste ein Steinschlagschutznetz angebracht werden. Ohne diese Maßnahme hätte der Trainingsbetrieb eingestellt werden müssen, betonte Schweiger. Bei der Errichtung blieb man mit den Gesamtkosten von knapp 127 000 Euro deutlich unter der Kostenschätzung von 173 000 Euro. Eigenanteil der Chiemgau Arena: 25 400 Euro.

Schweiger hob die große Bedeutung des jährlichen Biathlon-Weltcups nicht nur für den Bekanntheitsgrad Ruhpoldings, sondern auch für die Chiemgauer Urlaubsregion aus gesamttouristischer Sicht hervor. Den Weltcup 2020 habe man mit einem Einnahmen-Überschuss von 122 000 Euro abgeschlossen. Um jedoch zukünftig notwendige Investitionen für den DSV-Bundesstützpunkt Ruhpolding/Berchtesgaden zu tätigen und gegebenenfalls auch einmal betriebliche Rücklagen bilden zu können, wäre im Gesamtbetrieb ein Einnahmeüberschuss aus dem Weltcup von mindestens einer halben Million Euro notwendig, gab Schweiger zu bedenken.

Sehr großes Optimierungspotenzial bei Weltcupveranstaltungen sieht die Werkleitung in der Reduzierung der jährlich notwendigen, zeitlich befristeten Aufbauten wie Wachscontainer, Helfer- oder Ehrengastbereiche. Diese sollten durch feste, für den Sport ganzjährig nutzbare Bauten im Rahmen eines Gesamtnutzungskonzepts ersetzt werden.

Biathlon-Weltcup ist Haupteinnahme

Mit 3,542 Millionen Euro aus dem Biathlon-Weltcup 2020 stellt dieser Einnahmenzweig den Löwenanteil von rund 80 Prozent der gesamten betrieblichen Erträge. Im Vergleich zum Weltcup 2019 bedeutet dies eine Steigerung von 160 000 Euro (4,5 Prozent). Demgegenüber erhöhten sich die Gesamtausgaben um 102 000 Euro (drei Prozent) auf 3,420 Millionen Euro. Maßgeblich für die Erhöhung der Ausgaben war die Anschaffung der neuen Helferkleidung mit einem Wert über netto 200 000 Euro.

Schweiger kam auch auf das neue Marketingkonzept zu sprechen, das konti-nuierlich vom Sportmarketing-Team Triceps umgesetzt werde. Dazu zählen Maßnahmen wie beispielsweise die Website oder die neuen Arena-Besichtigungstouren, die die bisherigen Stadionführungen des Biathlon-Camps ablösten. 8000 Besucher ließen sich seit Mai 2019 davon begeistern. Ab März mussten alle Touren Corona-bedingt abgesagt werden. Immerhin trug der Überschuss von fast 38 000 Euro nicht unerheblich zum Stadionunterhalt bei.

»Hätte uns die Pandemie nicht überrollt, wir könnten heute ein weitaus besseres Ergebnis präsentieren«, sagte Schweiger. Ausfälle wie die IBU-Sommer-Weltmeisterschaft im August, die CISM World Winter Games im kommenden März, die Britischen Meisterschaften im Februar und der Biathlon Weltcup im Januar, um nur die hochkarätigen Wettkämpfe zu nennen, trafen den Eigenbetrieb mit voller Härte. Das warf zwangsläufig alle Konsolidierungspläne über den Haufen.

Hinzu kommt die Rückzahlung der bereits verkauften Tickets des abgesagten Weltcups im Januar mit etwa 400 000 Euro. Weitere Ausgaben wie die Reparatur des defekten Daches der Stadionverwaltung sind schon vorprogrammiert. Trotz allem ist Schweiger davon überzeugt, nach den Planungen spätestens in fünf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können.

Bürgermeister Justus Pfeifer sagte, in der Retrospektive betrachtet, erweise sich die Umstellung in den Eigenbetrieb als gangbarer Weg, sogar unter den derzeitigen Auswirkungen der Infektionsbeschränkungen. Die entgangenen Einnahmen sehe er mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn ein Weltcup ohne Zuschauer hätte sicher ein finanzielles Fiasko bedeutet. Pfeifer weiter: »Wir hoffen auf alle Fälle auf eine hervorragende Word Team Challenge am 28. Dezember und auf einen perfekten Weltcup 2022, so wie man ihn in Ruhpolding gewohnt ist.« ls

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