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Ein zentraler Anlaufpunkt für Patienten mit chronischen Schmerzen ist jetzt die Klinik in Ruhpolding. (Foto: Axel Effner)

Neues Kompetenzzentrum für Schmerztherapie

Ruhpolding – Nach umfassenden Bau- und Sanierungsarbeiten zur Modernisierung ist vor einigen Wochen das neu formierte Kompetenzzentrum für Schmerztherapie in Ruhpolding in Betrieb gegangen. »Für die Neuausrichtung und Zukunftssicherung des Standorts haben wir rund 4,5 Millionen Euro investiert. Durch das erweiterte Angebot und die Schwerpunktbildung ist die Klinik damit auch überregional gerade für Patienten mit chronischen Schmerzen ein zentraler Anlaufpunkt«, so Elisabeth Ulmer, Vorständin der Kliniken Südostbayern.


Das Angebot vereinigt das Versorgungsteam der bisher am Klinikum Traunstein angesiedelten teilstationären Schmerztagesklinik mit der bisher bereits in Ruhpolding etablierten vollstationären Schmerztherapie. Integriert ist zusätzlich die Praxis für Schmerztherapie des Fachärztezentrums der Kliniken Südostbayern zur ambulanten Versorgung der Patienten.

Kennzeichnend für den Erfolg des neuen Kompetenzzentrums ist der multimodale Behandlungsansatz mit einem interdisziplinären Team verschiedener Fachrichtungen.

Unter der Leitung von Chefarzt Marc-Oliver Stückrath und seinem Stellvertreter Richard Strauss, beide Fachärzte für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Spezielle Schmerztherapie, wirken dabei Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Co-Therapeuten und weitere Fachtherapeuten eng zusammen. Ziel ist ein ganzheitliches Behandlungskonzept mit Betrachtung der unterschiedlichen Schmerzfaktoren aus medizinischer, psychologischer und sozialer Sicht.

Jeder Zehnteist betroffen

Chronische Schmerzen führen zu deutlichen Einschränkungen in allen Lebensbereichen. Deshalb stellen sie eine starke Belastung für die betroffenen Patienten dar. Untersuchungen zufolge leidet jeder zehnte Mensch darunter. Bereits nach sechs Wochen kann es zu einer Chronifizierung von Schmerzen kommen. Allgemein spricht man von chronischem Schmerz, wenn Schmerzreize wiederkehrend oder anhaltend über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten auftreten.

Die Gründe für das Auftreten chronischer Schmerzen können vielfältig sein. Neben Krankheiten wie Rheuma, Arthrose, Gürtelrose, Diabetes, Fibromyalgie oder Tumorerkrankungen kann auch wiederkehrender körperlicher, psychischer oder sozialer Stress ein Auslöser sein. Der Grund liegt unter anderem in der mit dem Stress einhergehenden muskulären Anspannung und einer Veränderung der Nervensensibilität. Ebenso können Medikamentenfehlgebrauch oder weit zurückliegende Lebensereignisse wie Krankheiten, Unfälle, Konflikte oder Gewalterfahrungen die Schmerzempfindlichkeit erhöhen.

Patienten mit chronischen Schmerzen haben oft bereits viele Untersuchungen, medizinische Behandlungen und zum Teil Operationen hinter sich – ohne einen Erfolg zu verspüren. Resignation und Rückzug können die Folge sein. Hier setzt das Konzept der multimodalen Schmerztherapie im Kompetenzzentrum Ruhpolding an. »Wir schauen uns jeden Einzelfall mit seiner individuellen Biografie und Schmerzgeschichte genau an«, sagt Chefarzt Marc-Oliver Stückrath. Wichtig sei der Aufbau von Vertrauen zwischen Therapeuten und Patienten, um aus dem Teufelskreis der Schmerzen mit Angst und Vermeidungsstrategien aussteigen zu können. »Es geht darum, Spannungen abzubauen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln für ein Leben mit den Schmerzen und so letztendlich wieder mehr Lebensqualität und Selbstwirksamkeit zu gewinnen«, sagt der Schmerzexperte.

Individuelles Behandlungskonzept

Mit einem vielfältigen Instrumentarium und gemeinsamen Falldiskussionen stimmt sich das interdisziplinäre Team aus Ärzten, Psychologen und Therapeuten über das individuelle Behandlungskonzept ab. Dazu gehören unter anderem die Optimierung der Medikation, Physiotherapie und funktionelles Bewegungstraining, Ernährungsberatung sowie Schulungen und psychologische Behandlungen. Dazu kommen Ergo-, Kunst- und Entspannungstherapien, Akupunktur und komplementärmedizinische Verfahren.

Nach einem ausführlichen interdisziplinären Erstgespräch, das auch überregional als Online-Sprechstunde angeboten wird, legen die Experten die passende Strategie für die Schmerzbehandlung fest. Neben der ambulanten Versorgung besteht die Möglichkeit zu einer teilstationären Behandlung mit sechs Stunden Klinikaufenthalt pro Tag über einen Zeitraum von fünf bis acht Wochen. Die vollstationäre Schmerzbehandlung umfasst ein 16-Tages-Programm.

Nach den Worten von Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG, ist die Nachfrage nach professioneller Schmerztherapie groß. Durch die Spezialisierung und Schwerpunktbildung in Ruhpolding trage man den weiter steigenden Anforderungen durch die demografische und medizinische Entwicklung Rechnung. Mehreren Hundert Patienten kann so in Ruhpolding geholfen werden.

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