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Nach über 60 Jahren wieder ein Paar: Aus den Augen – aber nie aus den Herzen verloren

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Gisela Först und Sepp Wolfgruber lernten sich 1950 in Ruhpolding kennen – damals fand ihre Liebesgeschichte noch kein glückliches Ende. Heute sind sie – 60 Jahre später – ein Paar. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Die schönsten und kuriosesten Lebensgeschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Sogar im hohen Alter. Davon sind Gisela Först (94) und Sepp Wolfgruber (90), die sich nach über 60 Jahren als Paar wiederfanden, felsenfest überzeugt.


Die Pfälzerin aus Pirmasens und der Ruhpoldinger hatten sich 1950 während eines Tanzabends im Kurhaus, der damaligen InLocation für Urlauber und Einheimische, kennen- und lieben gelernt. Angereist kam sie wie tausende andere Erholungssuchende in jener Zeit mit Dr. Degener's »Touropa«.

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»Es war am 19. März, ausgerechnet am Namenstag vom Sepp,« erinnert sich die unternehmungslustige Seniorin noch haargenau an die ersten Stunden. Anfangs musste sie im Gespräch mit ihm mehrmals nachfragen, weil ihr der bairische Dialekt nicht geläufig war. Außerdem »siezte« man sich damals noch artig.

Die Fernbeziehung, die durch weitere Urlaubsaufenthalte gefestigt wurde, hielt einige Jahre. Fast wäre es auch zur Hochzeit gekommen, wären da nicht Einwände der Eltern und verschiedene Umstände wie die Konfession – sie evangelisch, er katholisch – dagegen gestanden.

Nach der unglücklichen Trennung gründete jeder für sich eine Familie; Beruf, Kinder und Enkel forderten in der Zeit des Wirtschaftswunders ihren Platz. Doch über all die Jahrzehnte hinweg loderte immer wieder das Feuer der ersten Beziehung hoch. »Wir hatten uns zwar aus den Augen verloren, aber nie aus den Herzen,« beschreibt Gisela Först die beiderseitigen Gefühle.

Einen regelrechten Stich ins Herz versetzte ihr dann aber eines Tages die schicksalhafte Begegnung mit ihrer Jugendliebe.

Es war in Bad Füssing, wo sie gerade mit ihrem Mann einige Tage verbrachte, als sie plötzlich an der großen Schachanlage im Freien hinter sich eine Stimme in breitem bairischen Dialekt hörte. »So a Schachspui ham mia in Ruahpading a.« Ruhpolding, das war das Stichwort! Sie drehte sich ruckartig um und fiel fast vom Stuhl, als sie den Sepp wiedererkannte. War es Vorsehung, Fügung oder hatte da eine höhere Macht die Fäden gezogen? Obwohl es beide fast zerriss im Wechselbad der Gefühle, beließ man es mit Rücksicht auf ihren Mann bei Blickkontakten.

Erst nach dem Tod ihres Partners, mit dem sie noch Diamantene Hochzeit feiern konnte, nahmen beide – Sepp Wolfgruber war schon längere Zeit Witwer – ihre längst vergangene Jugendliebe wieder auf. Zuerst traf man sich auf halber Strecke, um auszuloten, ob eine erneute Verbindung, noch dazu im fortgeschrittenen Lebensabschnitt, überhaupt Sinn macht. Es machte – bis heute.

Die gegenseitigen Besuche mit Ausflügen in den Pfälzer Wald und in die Umgebung von Ruhpolding, oder die stundenlangen Skat-Runden, die sie zusammen mit Giselas Freundin Helga verbringen, sind das beste Beispiel dafür.

Für Silvester dieses Jahr haben sie ebenfalls schon geplant. Allerdings ist man sich noch nicht einig darüber, wo die Feier stattfinden soll. In der Pfalz oder im Chiemgau. ls

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