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Müll wird einfach liegen gelassen – Badegäste am Lödensee verhalten sich rücksichtslos

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Ruhpolding: Badegsäte lassen Müll am Lödensee liegen – Gemeinde will stärker kontrollieren
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Nicht gerade appetitlich ist der Anblick von Unmengen Hundekot-Beuteln und Unrats im Naturschutzgebiet am Lödensee, den manche Badegäste tagtäglich verursachen. Die Hinweistafel steht offensichtlich nur zur Zierde daneben.

Ruhpolding – »Ein richtiger Saustall ist das, einfach zum Schämen« sagt Klaus Hienstorfer und schüttelt den Kopf über die Unvernunft vieler Mitmenschen. Der 56-Jährige steht vor einem Haufen gefüllter Hundekotbeutel, die nicht mehr in die Dog-Station am Lödensee passen, ringsum liegen Flaschen, Getränkedosen, Papier, Plastik, jede Menge Verpackungsmüll. Unachtsam oder mutwillig entsorgt. Von Badegästen, denen offensichtlich intakte Natur egal ist. Unter dem Motto: Nach mir die Sintflut.


Hienstorfer ist gern mit seiner Frau im Drei-Seen-Gebiet unterwegs. Zeitig in der Früh. Die Suche nach vollreifen Blau- und Preiselbeeren hat es ihnen besonders angetan. Und die morgendliche Stimmung, die beide so faszinierend finden, und die zu einem erfrischendem Bad einlädt. Eine Entenfamilie dreht hier täglich ihre Runden, Rinder grasen friedlich am See entlang.

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Eine perfekte Idylle, wie es scheint. Doch die ist spätestens um 10 Uhr vormittags vorbei, wenn Badegäste mit Sack und Pack anrücken. »Dann geht es zu wie an der oberen Adria,« beschreibt Hienstorfer das Szenario aus Stand-Ups, Schlauchbooten, Luftmatratzen, Zelten und freilaufenden Hunden, das sich bei schönem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen täglich abspielt.

Hienstorfer hat Verständnis für den erhöhten Freizeitdruck, gerade jetzt in der Urlaubszeit, und weil die Leute Corona-bedingt zu Hause bleiben. »Aber die Regeln, wie man sich in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet verhält, sollten schon eingehalten werden«, so seine Überzeugung. Dabei weisen Hinweistafeln eindeutig darauf hin, was erlaubt ist und was nicht. Hienstorfer ärgert vor allen Dingen die Unvernunft, wie hier die schöne Natur buchstäblich »in den Dreck« gezogen wird.

Das lässt sich nicht nur geruchsmäßig hinter der kleinen Parkbank am Wanderweg Richtung Mittersee leicht ausmachen. Ein gern genutzter Platz nämlich fürs »große Geschäft«, das hier zum Himmel stinkt. »Mit Toilettenpapier, das vor kurzem noch Luxusartikel war«, kommentiert Hienstorfer etwas lakonisch die menschlichen Hinterlassenschaften, die nicht nur während der Parkplatznutzung von Wohnmobilen anfallen.

Deshalb wandte sich Hienstorfer an die Gemeinde, um auf die unübersehbaren Zustände aufmerksam zu machen. Seine Nachfrage zeigte prompt Wirkung. Aus dem Rathaus wurde ihm freundlich versichert, dass Mitarbeiter des Bauhofs drei Mal wöchentlich zur Abfallentsorgung anrücken, außerdem gibt es von polizeilicher Seite aus verstärkte Kontrollen in Sachen Wildcamping.

Das bestätigt auch Bürgermeister Justus Pfeifer, der zugleich darauf verweist, dass Freiheit auch ihre Grenzen hat. Grundsätzlich sei zwar erlaubt, eine Ruhenacht auf Parkplätzen zu verbringen, doch sobald ein Stuhl oder Tisch nach draußen wandert, zählt es zum Campen. »Dafür haben wir in Ruhpolding einen tollen Campingplatz«, wirbt der Rathauschef.

Außerdem ist sich Pfeifer sicher, dass sich in absehbarer Zeit durch das geplante Konzept des neuen Parkplatzsystems mit Einbindung des Öffentlichen Nahverkehrs und öffentlichen Sanitäranlagen die angesprochenen Probleme verringern werden. Bis es allerdings soweit ist, helfen nur gebetsmühlenartige Appelle an die Vernunft der Erholungssuchenden, ihren Müll einfach wieder mit nach Hause zu nehmen. ls

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