»Kinder sollen wieder unbeschwert zur Schule gehen«

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Eltern aus Ruhpolding fordern für das neue Schuljahr das Ende von Maskenpflicht und Abstandsgebot an den Schulen
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Mit einer Online-Petition wollen Eltern aus Ruhpolding auf die Situation von Kindern hinweisen, die unter den Anordnungen im Rahmen der Corona-Krise besonders gelitten haben. Für das neue Schuljahr fordern sie die Rückkehr zum Regelbetrieb. (Foto: dpa)

Ruhpolding – »Überall gibt es Lockerungen, Hotels und Wellnessbereiche sind wieder geöffnet, Urlauber reisen dicht an dicht im Flugzeug oder im Reisebus, die Menschen sitzen eng zusammen in Biergärten, für die Fußballer gibt es Lösungen. Aber die Kinder und ihre Belange fallen hinten runter«, sagt Bettina Merkel. Sie, ihr Mann Christian und Stephanie Magg haben namens der Elterninitiative Ruhpolding im Internet bei Open Petition eine ebensolche gestartet, um kindgerechte Regelungen für das neue Schuljahr zu fordern. Allerdings läuft diese nur noch drei Tage lang.


»Wir fordern, dass sich unsere Kinder jetzt und auch in Zukunft frei bewegen und gesund entwickeln können. Die Schule spielt im Leben der Kinder eine wichtige Rolle. Deshalb: Keine Maskenpflicht für die Schüler/innen an den Grundschulen, die Aufhebung der Abstandsregelungen, die Wiederaufnahme des Sport- und Bewegungsunterrichts, die Integration von Bewegungspausen im täglichen Schulalltag an der frischen Luft und die Rückkehr zu normalen Unterrichtszeiten.«

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Die aktuellen Hygiene- und Abstandsregelungen halten sie für nicht verhältnismäßig – »insbesondere aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens in unserer Region«. Studien bewiesen zudem, dass Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus' keine herausragende Rolle spielten.

Schule sei ein Lebensraum vieler Kinder und Jugendlichen. Gerade über den Unterricht hinausgehende Projekte, sportliche Aktivitäten und (Schul-)Feste hätten eine enge Bindung der Schüler zur Schule geschaffen.

Oberste Forderung ist die Aufhebung der Maskenpflicht an der Schule. »Gerade bei Kindern ist das Tragen der Masken gesundheitlich durchaus bedenklich, da sie schnell zu Viren- und Bakterienschleudern werden können«, so Bettina Merkel gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Auch Rückstau von Atem oder Schwindel seien möglich.

»Ein Kinderarzt spricht von Kreislaufbeschwerden und Panikattacken. Dringend bedacht werden sollte auch die emotional-psychologische Ebene: Wie sollen Kinder ihr Gegenüber erfassen, wie sollen sie Freude, Trauer, Wut erkennen können?« Sie könnten das mimische Verhalten von Freunden und Lehrern nicht einordnen. »Viele Kinder verstummen, reden mit der Maske nur wenig, sind verunsichert.«

Die meisten Kinder wollten wieder einen Banknachbarn, von und miteinander lernen. Sie suchten und brauchten den Kontakt zu Lehrern und Mitschülern, so die Elterninitiative, der laut Merkel auch Lehrer und Kinderärzte angehören. Das Abstandsgebot sei für viele Kinder stark belastend, teilweise sogar traumatisierend. Eine altersentsprechende und zwischenmenschliche Entwicklung unter Gleichaltrigen »halten wir hierdurch nicht mehr für gewährleistet.«

Sport und Bewegung als unabdingbarer Bestandteil der kindlichen Entwicklung, als elementare Methode für das soziale Lernen und Miteinander, für den Abbau von Stress und Aggressionen, sei vollständig abgeschafft worden. Dabei seien regelmäßige Bewegungspausen dringend notwendig, auch im Hinblick auf ein erfolgreiches Lernen und für die Konzentration. Mittlerweile sei ja unter Einhaltung eines Hygieneplans das Sporttreiben auch in den Schulen wieder erlaubt.

Ein starkes Immunsystem sei ja derzeit die einzige Möglichkeit, das Virus abzuwehren. »Ein Immunsystem kann aber nur stark sein, wenn es regelmäßig trainiert wird«, geben die Petenten zu bedenken.

Auch sei Angst kein gesunder Begleiter. Doch gerade Kindern werde ständig Angst vermittelt: »Virus, Gefahr, kein Kontakt, Mundschutz, Abstand, nicht zu nah kommen, Vorsicht!« Überall und immer lauere die Gefahr, etwas Falsches zu tun oder jemand anderen anzustecken. Der Druck sei enorm: »Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus!«

»Wir wünschen uns, dass alle Kinder wieder gerne zur Schule gehen, unbeschwert und mit einem Lachen im Gesicht. Sie sollen wieder jeden Tag zur Schule gehen dürfen, und zwar zu den ursprünglichen Schulzeiten.« Homeschooling und ein Schulende um 11.10 Uhr seien vor allem für berufstätige Eltern auf die Dauer nicht mehr zu stemmen.

Sehr wohl sei bewusst, dass den Schulleitungen die Hände gebunden sind. Doch gerade deswegen müssten alle Maßnahmen noch einmal gründlich überprüft werden. Dabei müsse das Wohl der Kinder stets an vorderster Stelle stehen. Wer Kontakt zu der Elterninitiative aufnehmen will, erreicht Bettina und Christian Merkel unter Telefon 08663/41 94 02. coho

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