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Keine Kunstschneeloipe in Ruhpoldinger Dorfmitte

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Für das Wanderwegenetz sollen abschnittsweise Premiumwanderwege und Premiumspazierwege ausgewiesen werden. Für die Umsetzung des »Eler Leader Kooperations-Projekts« ist das Jahr 2021 geplant. (Foto: Burghartswieser)

Ruhpolding – Mit der Finanzierung der geplanten Projekte für die künftige Radinfrastruktur und Premiumwanderwege befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Beide Maßnahmen fanden eine Zusage, mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen das Schaffen einer touristischen Kunstschnee-Langlaufloipe.


Die Projekte beschrieb eingangs der Leiter der Tourist-Info, Herbert Ringsgwandl. Beim Thema Radinfrastruktur gehe es grundsätzlich um die Weiterentwicklung der »Premium Radregion Chiemgau«, sagte er. Beim Projektablauf sei man jetzt soweit fortgeschritten, dass nun die Dokumentation der Planungsergebnisse vorliege und die Fördermittel beantragt werden können.

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Für den Ausstattungsbedarf habe »Green Solutions« als Partner einen Angebotskatalog erstellt. Geplant seien unter anderem die Errichtung von Radständern, teilweise mit Ladestationen für E-Bikes, Schilderanlagen und Servicestationen. Als Standorte für die Radständer seien beispielsweise das Rathaus, das Heimatmuseum, das Holzknechtmuseum oder die Tourist-Info vorgesehen. Eine Servicestation könne man sich auch am Wanderparkplatz Urschlau vorstellen und an mehreren gut frequentierten Plätzen Schilderanlagen, teilweise an bereits bestehenden Anlagen.

Als Gesamtsumme nannte Ringsgwandl rund 25.600 Euro, bei einer Förderung von 60 Prozent blieben noch zirka 10.200 Euro zu finanzieren. Relevant würden die Kosten für den Haushalt in den Jahren 2020 und 2021 werden. Hermann Feil (parteilos) schlug vor, der Finanzierung bereits bei einem Fördersatz von 50 Prozent zuzustimmen. Letztlich nahm der Gemeinderat die Aufstellung zur Kenntnis und stimmte der Finanzierung des Projekts »Radinfrastruktur« unter der Voraussetzung zu, dass der Fördersatz von 50 Prozent bewilligt wird.

Bei den Premiumwanderwegen handle es sich um ein »Eler Leader Kooperations-Projekt« der Lenkungsausschussgruppen Chiemgauer Alpen, Chiemgauer Seenplatte und Traun-Alz-Salzach, fuhr Ringsgwandl fort. Ziel sei es, in der Wanderregion Premiumwanderwege und Premiumspazierwege auszuweisen. Die Auswahl für Ruhpolding wäre eine »Seehaus Hüttentour«, die Spazierwege Mittersee – Lödensee, der sogenannte »Sagen- und Panoramaweg« sowie die Wege entlang der Traunauen. Für die Umsetzungsplanung nannte er den Betrag von rund 4300 Euro, der für 2021 vorgesehen sei. Auch dem stimmte der Gemeinderat zu und bewilligte die Finanzierung des Projekts.

Außerdem ging es um eine touristische Kunstschneeloipe in Ruhpolding. »Es gab schon viele ausgeprägte Diskussionen zum Thema beschneite Loipe im Ort«, betonte Bürgermeister Claus Pichler. Bisher sei der Gemeinderat mehrheitlich dagegen gewesen, denn man wollte aus verständlichen Gründen »kein weißes Band auf grüner Wiese«. Auch die Mitglieder des Tourismusausschusses waren mehrheitlich dagegen. Es sollten umweltverträgliche Alternativangebote gestaltet werden, war die Meinung.

Von Seiten des Tourismus würde eine beschneite Loipe im Ort, speziell zur Weihnachtszeit, befürwortet, wenn es die Bedingungen in Bezug auf Temperatur, Untergrund und Verfügbarkeit von Kunstschnee zulassen, meinte dazu Ringsgwandl. Eine Entnahme von künstlich erzeugtem Schnee aus dem Depot der Chiemgau Arena sei in der derzeitigen Situation nicht möglich. »Wir müssen in erster Linie den Trainings- und Wettkampfbetrieb in der Chiemgau Arena sicherstellen. Da können wir nicht einfach etwas abzwacken«, ergänzte der Rathauschef. Die Möglichkeit einer Kunstschneeloipe sah Pichler am Westernberg. Dies sei aber nach einem Gespräch mit dem Betreiber nur möglich, wenn ein zusätzlicher Brunnen gefunden würde. »Wie es sich jetzt darstellt, ist es momentan nicht realisierbar.«

In der anschließenden Diskussion meinte Justus Pfeifer (CSU), ob an eine Flutlichtloipe im Ort gedacht wurde. Dazu entgegnete der Leiter der Tourist-Info, dass der Langlaufbetrieb bei den Gästen nur tagsüber laufe. Johannes Stief (SPD) ergänzte, dass für Langlaufsportler aus dem näheren Einzugsbereich keine passende Infrastruktur, wie Umkleidemöglichkeiten, zur Verfügung stehe und der Fraktionssprecher der SPD, Johannes Hillebrand meinte: »Unter den sich darstellenden Umständen ist eine Kunstschneeloipe nicht möglich.«

Ludwig Böddecker (VRB) betonte, dass für den Fall, wenn gar kein Schnee vorhanden sei, ein »Plan B greifen muss«. Dieser Meinung schloss sich Wolfgang Heigermoser (CSU) an. »Wir müssen einen Plan B im Schubladen haben, der kurzfristig umgesetzt werden könnte.« Zugleich priorisierte er als Standort einer solchen Loipe das Westernberggebiet.

Der Gemeinderat beschloss daraufhin bei einer Gegenstimme von Thomas Ringsgwandl (VRB), dass eine Belegung mit Kunstschnee in der kommenden Saison für eine Loipe im Ort nicht erfolgt und zugleich Alternativangebote erstellt werden. hab