weather-image
25°

In Ruhpolding ist bald wieder der Bär los

4.0
4.0
Ruhpoldinger Bär - Ruhpolding
Bildtext einblenden
Der Bär ist zurück: Starke Männerarme waren am Montag bei der Anlieferung aus München nötig, um den im Jahr 1835 erlegten Braunbären an seinen neuen Ausstellungsort im Ruhpoldinger Heimatmuseum zu transportieren. Auch Chefpräparator Dieter Schön (links) vom Museum Mensch und Natur half mit. Meister Petz kann ab Sonntag besichtigt werden. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Nur noch wenige Tage, dann ist in Ruhpolding wieder »der Bär los«. Allerdings nicht in freier Wildbahn wie anno 1835, als der umher streunende Braunbär im Gebiet der Schwarzachen-Alm zur Strecke gebracht wurde, sondern für Besucher des örtlichen Heimatmuseums ganz zahm und ausgestopft zu bestaunen.


Fast zwei Jahrhunderte nach dem tödlichen Schuss freut man sich in der Tourismusgemeinde am Rauschberg bereits tierisch über die zugesagte Rückkehr des Bären. Auch wenn 2006 Artgenosse und Problembär »Bruno« für riesiges Aufsehen und Medienecho gesorgt hatte und damals, fachmännisch bezeichnet letztlich »entnommen« wurde, gilt Ruhpoldings Meister Petz im historischen Kontext gesehen immer noch als der letzte in Bayern erlegte Bär. Das lassen sich die Einheimischen nicht nehmen.

Anzeige

Altlandrat Schmuckers Wunsch geht in Erfüllung

Bis der Rückweg des zotteligen Gesellen in sein ehemaliges Refugium durch alle Instanzen geebnet werden konnte, lief allerdings viel Wasser die Traun hinunter. Für Altlandrat Leonhard Schmuckers Tochter Doris Wünsche-Schmucker eine besonders intensive Zeit, bis die Verhandlungen unter Dach und Fach waren. Denn ihr Vater hatte noch kurz vor seinem Tod im Januar 2019 im Landratsamt Traunstein interveniert und stieß bei Landrat Siegfried Walch sofort auf offene Ohren, den Bären nach Ruhpolding zurückzuholen.

Bereits 2017 hatte sich die ehemalige Gemeinderätin Wünsche-Schmucker erstmals an das Museum Mensch und Natur gewandt, in dem der Bär bisher dauerhaft untergebracht war, sowie an die eigentliche »Besitzerin«, die Zoologische Staatssammlung in München. Erst als beide Museumsleiter, Dr. Michael Apel und Prof. Dr. Gerhard Haszprunar grünes Licht für die Umsiedelung gaben, fiel Doris Wünsche-Schmucker ein Stein vom Herzen.

Der Zusage waren eine Menge Termine, Gespräche und Verhandlungen vorausgegangen. Umso mehr freut sich Wünsche-Schmucker, jetzt, nach zwei Jahren, dessen Wunsch um eine Rückkehr des Bären posthum erfüllen zu können.

Der Kreisausschuss für Kultur- und Heimatpflege bewilligte einen Zuschuss in Höhe von 7045 Euro. Weitere großzügige Spenden decken in etwa die Gesamtkosten, die sich auf 70 000 Euro belaufen, so Doris Wünsche-Schmucker. Darin sind bereits die Kosten für die geplante Einrichtung eines weiteren Raums enthalten, der sich mit der aktuellen Problematik der großen Beutegreifer befassen wird. Voraussichtlicher Eröffnungstermin: Frühjahr 2020. Fast ein Drittel davon kam von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. Unterstützung gab es auch vom Deutschen Jagd- und Fischereimuseum und der Gemeinde Ruhpolding als Träger des Heimatmuseums.

Derzeit laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren, um dem Neuankömmling einen standesgemäßen Platz zu reservieren. Ausgestellt wird er im neugestalteten »Bärenraum« im ersten Stock des Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseums, das sich im herzoglichen Jagdschloss der Wittelsbacher direkt in der Ortsmitte befindet. Wie Dr. Henriette Holz vom Büro Museumsberatung dazu mitteilte, mussten vorab umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden, damit das präparierte Exemplar keinen Schaden nimmt. In erster Linie betrifft es in diesem Fall das erforderliche, gleichbleibende Raumklima in puncto Luftfeuchtigkeit, Temperatur und UV-Licht-Abschattung. Alles muss passen, damit das Exponat auch nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.

Außerdem wird es eine begleitende Bären-Rallye geben, um Schulkinder spielerisch mit dem spannenden Thema vertraut zu machen. Vor seiner Abreise musste sich das Raubtier, das immerhin zu Lebzeiten geschätzte 280 Pfund mit sich schleppte, einigen Schönheitsmaßnahmen unterziehen.

Dafür durfte es schon mal in einen komfortableren Glaskubus umziehen, der vorher einmal von einem »Quagga«, einer ausgestorbenen Zebra-Art bewohnt war.

Präparator Dieter Schön vom Museum Mensch und Natur in München bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass der Korpus trotz seines Alters in relativ gutem Zustand sei. Allerdings müssen einige Nähte nachbearbeitet werden, lose Krallen befestigt und Augenlider mit Ölfarbe aufgehübscht werden. Behutsame Kosmetik allenfalls, die das imposante Erscheinungsbild des historischen Präparats jedoch nicht beeinträchtigen wird.

Aus jener Zeit werden auch ein altes Percussions-Jagdgewehr sowie eine Jagdtasche zu sehen sein, die sich im Besitz des Heimatmuseums befinden. Im Jahr 1986, als der Bär anlässlich der 150. Wiederkehr des historischen Jagderfolgs schon mal als Leihgabe im Heimatmuseum weilte, ging man noch davon aus, dass der tödliche Schuss, den der königliche Saalforstamtsaktuar Ferdinand Klein abfeuerte, aus diesem Stutzen stammt.

Original Belobigung zu sehen

Dass die persönliche Belobigung für den schusssicheren Schützen durch König Ludwig I., ein besonders rares Schriftstück in diesem Zusammenhang den Weg in die Ausstellung fand, ist dem reinen Zufall zuzuschreiben. Während ihrer Wanderung in die Schwarzachen-Alm fiel nämlich den Nachkommen von Ferdinand Klein die Gedenktafel an der Bären-Hütte auf, die an das denkwürdige, historische Ereignis erinnert.

Daraufhin suchten sie im Wissen um die Urkunde im häuslichen Fundus nach und stellen das Dokument nun der Öffentlichkeit zur Verfügung. So gesehen bekommt die Ausstellung sogar noch eine nicht vorgesehene bayerisch-royale Note. ls

 

Der Bär ist am kommenden Sonntag anlässlich des Tags des offenen Denkmals von 13 bis 17 Uhr zu besichtigen sowie zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr, außer an Feiertagen.