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Holzknechtverein und Saline im Brennpunkt

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Ruhpolding: Holzknechtverein und Saline im Brennpunkt des Jahres 2019
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Die verschiedenen Arten der Holzbringung zeigte das Holzknechtmuseum Ruhpolding bei einer Vorführung anlässlich des Jubiläums »400 Jahre Holzknechtverein Ruhpolding« im Sommer. (Archivfoto: Giesen)

Ruhpolding – Bei der jüngsten Sitzung des Zweckverbands Holzknechtmuseum Ruhpolding, dem neben dem Förderverein der Bezirk Oberbayern, der Landkreis Traunstein und die Gemeinde Ruhpolding angehören, berichtete der Vorsitzende, Bürgermeister Claus Pichler, von einem sehr erfolgreichen Museumsjahr mit vielen Besuchern.


Probleme mache auch wegen eines großen Wasserschadens im Frühjahr der stagnierende Einbau des geplanten Lifts und die noch ausstehende Zusage für Zuschüsse aus dem ELER-Leader-Förderprogramm. Die Versammlung hatte vor vier Jahren entschieden, das erweiterte Förderprogramm der EU und des Freistaats Bayern auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen, da Fördergelder bis zu 70 Prozent für den Umbau des Museums möglich seien.

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Haushaltsplan 2020 als Satzung beschlossen

Nach der Erläuterung des Haushalts 2020 durch den stellvertretenden Kassier der Gemeinde, Fritz Haberlander, wurden Haushaltsplan und -satzung einstimmig verabschiedet. Im Verwaltungshaushalt schließen Einnahmen und Ausgaben mit 320.500 Euro, im Vermögenshaushalt mit 725.000 Euro. Der Gesamtbetrag der Kreditaufnahmen für Investitionen wird auf 400.000 Euro festgesetzt. Verpflichtungsermächtigungen im Vermögenshaushalt sind für das Haushaltsjahr 2021 mit 230.000 Euro festgesetzt.

Für 2020 wird nach Verbandssatzung eine Umlage von 217.200 Euro festgesetzt. Die Umlage beträgt für den Bezirk Oberbayern, den Landkreis Traunstein und die Gemeinde Ruhpolding jeweils 72.400 Euro. Bei der einstimmig verabschiedeten Feststellung der Jahresrechnung 2018 wurden bereinigte Soll-Einnahmen und Ausgaben im Verwaltungshaushalt von 326.143 Euro festgestellt, im Vermögenshaushalt von 77.950 Euro.

Auf ein besonderes Jahr mit ungewöhnlich vielen und einmaligen Veranstaltungen blickte Museums-Leiterin Dr. Ingeborg Schmid zurück. Es stand ganz im Zeichen von »400 Jahre Holzknechtverein Ruhpolding« und dem »Salzjubiläum«, 400 Jahre Salineleitung. Am 18. Mai gab es Vorführungen der Holzbringung damals und heute auf dem Museumsgelände und dem Gelände des Forstlichen Bildungszentrums mit schwerem Gerät, Maschinen, Bulldogs, Pferdegespannen und vielem mehr mit mindestens 4000 Besuchern. Auch der historische Samerzug im August sammelte sich am Holzknechtmuseum und zog von hier nach Traunstein.

Herausragend waren auch die beiden Sonderausstellungen. Die Wanderausstellung des Südtiroler Alpenvereins »Neobiota – Artenvielfalt von Menschenhand« zog neben erwachsenen Besuchern viele Kinder und zahlreiche Schulklassen an, was auch die begeisterten Einträge im Gästebuch belegten. Die ironisch als »neue Arten« bezeichneten Lebewesen zeigten die verschiedenen Müllarten in den Bergen und verwiesen so auf leicht zu vermeidende Verschmutzung hin – wenn jeder seinen Abfall mitnähme.

Auch bei der zweiten Ausstellung »Wertewald – wie schaffen wir uns den Zukunftswald?« ging es um Werte und Visionen, auf deren Grundlagen der Zukunftswald geschaffen werden soll. Als Wanderausstellung konzipiert von den Bayerischen Staatsforsten, fand auch diese Präsentation viel Resonanz.

Über 22.000 Besucher registriert

Wie jedes Jahr gab es ein Ostersuchspiel, ein Familienfest und Veranstaltungen mit Kräuterpädagogen und Experten zur Geschichte der Holzknechte. Im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage gab es ein »geselliges Singen in der Holzstubm« und ein Konzert mit der Kitzbühelerin Lizzie Rettenwander sowie zum Abschluss der Saison die »G'schicht vom Brandner- Kaspar« mit dem Duo Kesselfligga. Insgesamt betrugen die Besucherzahlen – nach den registrierten Besuchern (die bei den Veranstaltungen mit freiem Eintritt kaum gezählt werden können) 22.054, davon 3744 Kinder.

Wichtiger Tagesordnungspunkt der Zweckverbandssitzung war die Projektabwicklung für die Neugestaltung der Dauerausstellung des Museums, die bis Ende März 2021 abgeschlossen sein soll. Die bereits 2014 geplanten Veränderungen des Holzknechtmuseums – besonders der Einbau des Lifts – werden sich voraussichtlich noch bis Sommer 2020 hinziehen. Das Architekturbüro Zeller und Romstätter aus Traunstein hatte den Lift, die erfolgten Vordachkonstruktionen im Eingang und den Einbau einer Behindertentoilette sowie den weiteren Ausbau des Kellers geplant.

Einige Schritte wie Vorarbeiten für den barrierefreien Umbau hatte bereits Hausmeister Manfred Schönbuchner vorbereitet. Im nächsten Schritt muss die Rollstuhlrampe vorbereitet werden, die wegen eines Wasserschadens erneut angebohrt werden muss. Auch die Arbeiten im Medienraum verzögerten sich, da die Firma MBS aus Mühldorf am Inn die Räume erst professionell trocknen und desinfizieren musste. Nun soll der Medienraum gefliest, gemalt und verputzt werden.

Dr. Schmid sagte, die Neugestaltung der Dauerausstellung »400 Jahre auf 300 Quadratmetern« stellte wegen des kleinen Raumangebots eine große Herausforderung für die Museumsmacher dar. Die wichtigsten Punkte der Umgestaltung legte Planer Peter Neudert von »Impulsdesign« für die künftige Ausstellung vor. Beschlossen ist bereits, dass auch das Außengelände in die Ausstellungsgestaltung mit einbezogen werden soll. »Der Holzknecht steht im Mittelpunkt«, sagte Neudert, wobei ein Bergrelief in die Präsentation mit einbezogen werden soll.

Vom Urwald zur Arbeit der Holzknechte

Der Besucher werde sich anfangs »im Urwald« wieder finden und dann der Entwicklung der Arbeiten eines Holzknechts folgen. Nach modernen Vorgaben für Museen würden weniger Texte als optische und akustische Hilfen (etwa Axtgeräusche, fallende Bäume) verwendet. Raumperspektiven mit Bergen und Flächen sollten Lust machen, am Freigelände tiefer in die Arbeit der Holzknechte hineinzuschauen.

Bei der Aussprache schlug Paul Höglmüller, Leiter der Forstdienststelle Ruhpolding der Bayerischen Staatsforsten, eine personelle Unterstützung der Museumsleitung im nächsten Jahr vor, da Museumsbetrieb und -umbau bewältigt werden müssten. Bürgermeister Claus Pichler sagte, dass Personalangelegenheiten ausschließlich nicht öffentlich behandelt werden könnten und kündigte die nächste Sitzung des Zweckverbands Holzknechtmuseum für April an. gi

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