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In Vollschutzanzügen und Mundschutz sortieren die beiden Studentinnen Alena von Quast (links) und Luisa Lehmann des Goering Instituts, die mit Schimmel befallenen Sammlungsobjekte im Depot für Kleinteile des Holzknechtmuseums in Ruhpolding. (Foto: Effner)

Holzknechtmuseum: Schimmelbefall bedroht Archivdepots

Ruhpolding – Eine ganz ungewohnte Szenerie tat sich in den Kellerräumen des Holzknechtmuseums in Ruhpolding auf: Vor dem Depot für Kleinteile waren, wie bei einer Schutzschleuse, Plastikvorhänge aufgehängt. Zwei mit Vollschutzanzügen ausgerüstete junge Frauen reichten vorsichtig kleine Sammlungsgegenstände heraus. Der zum Teil darauf sichtbare weiße Belag wurde direkt im Anschluss per Abklatschprobe von einer weiteren Mitarbeiterin unter dem Mikroskop begutachtet. Der Befund: Es handelt sich eindeutig um Schimmelbefall. 


Nach Angaben von Museumsdirektorin Dr. Ingeborg Schmid, bestand der Verdacht, dass wegen früherer Wassereinbrüche in dem rund 20 Quadratmeter großen Kellerdepot im Archiv aufbewahrte Sammlungsstücke aus Leder, Holz oder Metall mit gesundheitsschädlichem Schimmel kontaminiert sein könnten. Bei einer Begehung im vergangenen Jahr, war weißlicher Belag festgestellt worden. Es bestand aber auch die Möglichkeit, dass es sich dabei um Ausblühungen einer früheren Behandlung mit gesundheitsgefährdenden Holzschutzmitteln handeln könnte.

Um dem Verdacht professionell auf den Grund gehen zu können, kam Schmid auf eine unkonventionelle Idee: Durch Kontakte zum Goering Institut, einer staatlich anerkannten Fachakademie für Restauratorenausbildung, organisierte sie einen Workshop für Studenten und Dozenten im Holzknechtmuseum. Mithilfe einer kräftigen Finanzspritze der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, wurden Unterbringung und Verpflegung der Workshopklasse mit sechs Studentinnen und fünf Dozentinnen und Dozenten organisiert. Diese bauten im Keller sechs Stationen vom Depot über die Sicherheitsschleuse, mikroskopische Untersuchung, Fotodokumentation, Fundbestimmung sowie Dekontamination inklusive Reinigung und Konservierung auf. »Das hat den Vorteil, dass unsere Studentinnen hier im realen Praxiseinsatz unter erhöhten Sicherheitsbedingungen ihr Wissen für den späteren Berufseinsatz umsetzen können«, erklärte Diplom-Restaurator Bernhard Kügler, Leiter des Goering Instituts.

Hochkonzentriert waren die sechs jungen Frauen bei der Arbeit. »Hier untersuchen wir genau, um was es sich bei dem zum Teil großflächigen, weißen Belag genau handelt«, sagte die Diplom-Biologin Bettina Beaury vor ihrem Mikroskop. Zum Glück bestätigte sich zumindest der Verdacht nicht, dass auch gefährliche Holzschutzmittel eingesetzt wurden. »Früher wurde damit recht bedenkenlos umgegangen«, so Beaury.

An weiteren Stationen erfasste eine Studentin die Gegenstände im Computer, bevor die befallenen Objekte zunächst mit einem Industriesauger mit Spezialfilter abgesaugt wurden. Im Anschluss erfolgte die Reinigung und Desinfizierung mit hochprozentigem Ethanol. Zum Schluss wurden die Stücke mit mikrokristallinem Wachs konserviert. 108 Objekte konnten so vor tiefgreifenden Schäden bewahrt werden. Dazu zählten etwa alte, auf Holzrahmen geklebte Landkarten, Futterale und Taschen aus Leder, eiserne Pfannen und Arbeitsgeräte oder ein Holzkästchen mit alten Messinstrumenten.

eff

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