Holzknechtmuseum – Ein Vorzeigeprojekt weit über die Region hinaus

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Forstministerin Michaela Kaniber (links) zusammen mit Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer und Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid vor einem interaktiven Landschaftsmodell in der Dauerausstellung. (Foto: Effner)

Ruhpolding – Als Vorzeigeprojekt und ein »in Bayern und wohl auch in Deutschland einzigartiges Spezialmuseum« bezeichnete Forstministerin Michaela Kaniber bei der Neueröffnung das Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Nach eineinhalbjähriger Umbaupause präsentiert die 1988 erstmals eröffnete Einrichtung eine komplett neugestaltete Dauerausstellung. Auf einer barrierefreien Ausstellungsfläche von 350 Quadratmetern kann der Besucher eine multimediale und interaktive Zeitreise durch 400 Jahre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Waldarbeit im Gebirge bis in die Gegenwart unternehmen.


Kaniber stellte die Bedeutung der Holzwirtschaft und der so mühsamen wie gefährlichen Waldarbeit in Vergangenheit und Gegenwart heraus. Als Baustoff und Brennstoff für die Siedepfannen der Salinen, in denen das »weiße Gold« produziert wurde, waren die Bergwälder am Alpenrand unverzichtbar. Auch heute komme der modernen Holz- und Forstwirtschaft in Bayern als »Waldland Nummer 1« für den Klimaschutz und die nachhaltige Rohstoffversorgung eine herausragende Rolle zu.

Kaniber freute sich, für die rund eine Million Euro teure Neugestaltung einen Förderzuschuss des Forstministeriums von 250 000 Euro und von über 421.000 aus Mitteln des EU-Förderprogramms Leader überreichen zu können.

Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer stellte das große Engagement des Forstes, des Vinzenzivereins, der Museumsmitarbeiter, Experten und zahllosen ehrenamtlichen Unterstützer aus dem Ort bei diesem »Leuchtturmprojekt« heraus.

Dank zahlreicher Originale und Leihgaben von Ruhpoldingern verbinde die neue Dauerausstellung Vergangenheit und Gegenwart sowohl der Holzarbeit wie auch des Ortes. Die Holzwirtschaft habe Ruhpolding Wohlstand und eine wichtige Grundlage für den Tourismus beschert. Sie schaffe damit auch »ein wichtiges Stück Identifikation«.

Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller, der auch Vorsitzender des Fördervereins Holzknechtmuseum ist, hob den rasanten Wandel der Arbeitswelt im Wald nach dem Zweiten Weltkrieg hervor. Dies spiegle sich im neugestalteten Museum wider, das damit »ein Stück Heimat für Holzknechte und Forstleute« geworden sei.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid ging auf die zahlreichen Diskussionen, Entwürfe und Konzepte für die neue Ausstellung ein und verglich den Prozess mit einer anstrengenden Gipfeltour. Das Engagement der vielen Helfer bei Sammlungs-, Archiv- und Restaurierungsarbeiten sei unter anderem in einer »Herzblut-Tafel« gewürdigt worden. So böten Hörstationen mit Zeitzeugenberichten, restaurierte Filme, historische Fotos und Schätze aus dem Archiv sowie von privaten Leihgebern einen sehr authentischen Einblick in das Leben der Holzknechte.

Pfarrer Otto Stangl ging auf das rund 350 Jahre alte Madonnenbild ein, das einen neuen Platz in der Ausstellung gefunden hat. Es hing lange Zeit im Pfarrzentrum und war ursprünglich vom Traunsteiner Salzmaier für die Kirche St. Valentin in Zell gestiftet worden als Zeichen der Verbindung zu den Holzarbeitern in Ruhpolding. Mit seinen Schutzheiligen und der Verbindung zur Salzgeschichte habe das wertvolle Gemälde jetzt einen sinnvollen neuen Verwendungszweck als »geistiger Beistand für alle Beteiligten« gefunden.

Gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid und Bürgermeister Justus Pfeifer eröffnete Forstministerin Michaela Kaniber im Anschluss das Museum im Rahmen des Festakts.

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit zum Rundgang. Die schrägen Wände sollen ein Gefühl für die Situation im steilen Bergwald vermitteln. Familientaugliche Mitmach- und Erlebnisstationen zum Hören, Riechen, Anfassen und Beobachten lassen die harte und raue Arbeit der Holzknechte lebendig werden. Beim Sägen und Holzziehen, beim Bau einer Holzrutsche (»Loite«) oder beim »Arbeitseinsatz« am Joystick einer modernen Holzerntemaschine können Besucher selbst aktiv werden. Kurztexte, grafische Schaubilder, detailgetreue Zeichnungen sowie Bildprojektionen erleichtern den Blick für Zusammenhänge.

Der geschichtliche Rahmen der Ausstellung reicht vom frühindustriellen Salinenwesen vor 400 Jahren mit seinem Holzmeister- und Triftwesen über die gewerkschaftliche Organisation der Holzknechte als eigener Berufsstand mit Tariflöhnen nach 1900 bis zur bayerischen Forstreform 2005 und dem hochtechnisierten Arbeitseinsatz von Spezialisten im Wald der Gegenwart.

Die Geschichte des technischen Fortschritts wird dabei der Sozialgeschichte der Holzknechte und punktuellen Ereignissen der Ortschronik gegenübergestellt. Das interaktive »Forum der Gegenwart« lädt zur Diskussion aktueller Fragen ein. Erstmals wird auch die Rolle der Frauen der Waldarbeiter beleuchtet. Neben der Versorgung der Männer mit Kleidung und Nahrung für die Arbeitswoche im Wald verdienten diese sich als »Pflanzweibe« bei der Nachzucht von Jungbäumen im Akkord ein Zubrot.

Geöffnet ist das Museum bis Ende Oktober, und zwar täglich außer Montag von 10 Uhr bis 17 Uhr.

eff

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