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Bei einem Helfertreffen in Ruhpolding wurden die aktuelle Situation der bereits angekommenen Geflüchteten besprochen und alle Hilfsmöglichkeiten und -angebote koordiniert. (Foto: Kolja Zimmermann)

Helferkreistreffen: Hilfe für Geflüchtete koordinieren

Ruhpolding – Das Thema »Geflüchtete aus der Ukraine in Ruhpolding« stand im Mittelpunkt eines Helferkreistreffens, das 3. Bürgermeisterin Sigi Haitzer gemeinsam mit Nathalie Eisele-May von der Nachbarschaftshilfe »Bürger helfen Bürgern« im Hotel zur Post organisierten.


Hauptziele der Veranstaltung waren zum einen über die aktuelle Situation der geflüchteten Menschen aus der Ukraine zu berichten, und zum anderen die im Dorf spürbare, große Hilfsbereitschaft sinnvoll zu koordinieren. Gemeinsam sollte überlegt werden, welche Maßnahmen in der Gemeinde notwendig sind, um den Geflüchteten möglichst effektiv Hilfe zu leisten.

Sigi Haitzer stellte in kurzen Zügen die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis und in Ruhpolding dar. Demnach fanden Geflüchtete über private Kontakte eine erstmalige Unterkunft, außerdem wurden der Gemeinde vom Landratsamt Kriegsflüchtlinge zugewiesen, die im Zellerwirt untergebracht wurden. Bei den Geflüchteten handelt es sich fast ausschließlich um Mütter mit ihren Kindern, teilweise auch mit den Großeltern der Familie.

Weiter gab Sigi Haitzer einen Überblick über notwendige Behördenkontakte der Geflüchteten. Sie merkte an, dass oftmals das Mitgefühl der Bevölkerung vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen besonders groß sei, und sich Familien anbieten würden, unbegleitete ukrainische Kinder bei sich aufzunehmen. Haitzer wies darauf hin, dass es allerdings Aufgabe der zuständigen Jugendämter sei, sich um allein angekommene Kinder und Jugendliche zu kümmern und dafür zu sorgen, dass diese gut untergebracht werden. Erfreulich sei, dass die von der Grund- und Mittelschule beantragten Willkommensklassen für ukrainische Schülerinnen und Schüler mittlerweile genehmigt wurden. Unklar sei jedoch weiterhin die Finanzierung von Drittkräften, also zum Beispiel ukrainischer Lehrerinnen, die in diesen Klassen eingesetzt werden könnten.

Wertvolle Informationen zur offiziellen Organisation und Koordination der Flüchtlingssituation im Landkreis gaben dann der am Landratsamt Traunstein als Flüchtlingskoordinator für Ruhpolding zuständige Frank Spanier und die Integrationslotsinnen der Arbeiterwohlfahrt im Kreisverband Traunstein, Christina Hille und Eva Laskewitz. Frank Spanier stellte heraus, dass er möglichst unbürokratisch helfen wolle. Er machte allerdings auch deutlich, dass es notwendig sei, die Geflüchteten im Kreiswehrersatzamt in Traunstein zu registrieren, damit zum Beispiel der Gesundheitsstatus im Hinblick auf Corona und Tuberkulose festgestellt werden kann. Am Kreiswehrersatzamt sind auch Mitarbeiter der Ausländerbehörde und des Sozialamts anwesend, die bei der Beantragung für weitere staatliche Unterstützung helfen. Christina Hille zeigte sich sehr erfreut über das große Interesse und die Hilfsbereitschaft der Ruhpoldinger. Sie unterstrich die Anmerkungen von Frank Spanier zur Registrierung der Geflüchteten und erklärte, dass etwa Krankenversicherungsschutz erst nach Ausfüllen des Antrags auf Gewährung von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz besteht. Sie wies auf die praktische Not vieler Ukrainerinnen hin, die ihr Geld nicht mehr umtauschen können und auf Lebensmittel- und Kleiderspenden angewiesen sind. In ihrer Funktion als Integrationslotsin stehe sie Helferkreisen und Geflüchteten jederzeit unterstützend zur Seite.

Nathalie Eisele-May stellte die im Ort bereits erfolgten Aktionen zur Grundversorgung der Geflüchteten vor. Dank des guten Netzwerks im Ort konnten zum Beispiel private Unterkünfte an Geflüchtete vermittelt, finanzielle Spendenaktionen ins Leben gerufen, sowie mit Hilfe der Kleiderkammer vor Ort notwendige Kleidung zur Verfügung gestellt werden.

An Gruppentischen wurden anschließend Hilfsangebote wie Deutschkurse, Familienpaten, Fahrradpaten und Freizeitangebote diskutiert, um anschließend die Aufgaben auf verschiedene Schultern zu verteilen. Als ein wichtiger Schritt ist geplant, eine zentrale Informationsplattform zu schaffen, um dort aktuelle Informationen einstellen und das Hilfsangebot präsentieren zu können, und um ganz gezielt darauf hinzuweisen, welche Sachspenden aktuell benötigt werden.

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