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Ehrungen gab es bei der Generalversammlung des GTEV »D' Rauschberger« Zell. Unser Bild zeigt (von links) Gebietsvertreter Alois Lankes, die Geehrten Ernst Reiter und Fritz Kecht senior sowie Vorstand Johannes Stief.

Generalversammlung des GTEV »D' Rauschberger« Zell

Ruhpolding – Bei der Generalversammlung der Zellerer Trachtler standen der Rückblick auf die beiden Corona-Jahre, zahlreiche Ehrungen und die Entwicklungen um das Ruhpoldinger Kurhaus im Mittelpunkt.


Zuvor wurde im »Voita«, der Zeller Kirche St. Valentin der Jahrtags-Gottesdienst zum Gedenken an die Gefallenen und die in den letzten beiden Jahren verstorbenen Vereinsmitglieder gefeiert. Musikalisch gestaltet wurde die Messe vom Harfenduo Haufbauer und Sandner und von Sepp Reiter auf der Ziach.

Die Messe und die Libera beim Kriegerdenkmal hielt der »Zellerer Pfarrer« Martin Klein. In seiner Predigt beantwortete er seine Frage »Wo wohnt Gott?« gleich selbst: »Wenn Gottes Platz in den Herzen der Menschen ist, dann beginnt Himmel genau dort. Und wo dies erfahren wird, da wohnt auch Gott!« Angelika Birmoser bat um Einsicht für Frieden: »Nur wenn Gott auch in den Herzen der Mächtigen wohnt, ist Frieden möglich.«

Letzter Bericht von Schriftführer Heini Huber

Auf der Raffner-Alm gab dann Heini Huber in seinem letzten Tätigkeitsbericht als Schriftführer einen Rückblick auf die beiden vergangenen Jahre. Es fielen alle Gau- und Trachtenfeste aus, sodass sich das Vereinsleben mit ein paar Ausnahmen nur auf das Dorf beschränkte. Immerhin wurden unter Corona-Regeln zwei gut besuchte Vereinshoagartn abgehalten. Mit einer Online-Vorstandssitzung und zwei Online-Stammtischen griff der Ve-rein zu ganz modernen Mitteln des Zusammenkommens, so Huber.

Heuer werde mit dem Waldfest ein Neustart des Vereinslebens gemacht; in der Laubau, aber nicht mehr zu Pfingsten, sondern am 18. Juni. In der Rückschau auf seine 30-jährige Schriftführer-Zeit berichtete Huber zu den Gründungsfesten zum 90-, 100- und 110-jährigen Bestehen sowie vom 100-Jahr-Waldfest. All diese Veranstaltungen hätten das Vereinsleben geprägt und den Zusammenhalt im Ve-rein gefestigt. Er wünschte den Mitgliedern, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Über das rege Leben im Verein berichteten dann die Spartenleiter. Trotz des notwendigen Hygienekonzepts sind 40 Kinder ab vier Jahre in der Kindergruppe. Wichtig sei den Jugendleitern, so Conny Astner, dass in den sozialen Zusammenhalt der Kinder investiert werde, wie heuer bei einem Ausflug auf die Ortner-Alm nach Röthelmoos.

Die Aktivengruppe, so Michaela Kecht, besteht derzeit aus 26 Dirndln und Buam. In den beiden Corona-Jahren waren sie viermal auf der Dorf-Roas und hielten drei Heimatabende ab. 2021 waren die Aktiven beim Trachtenfest in Unken sehr stark vertreten. Für heuer laufen Planungen fürs Waldfest und das Stefanikranzl.

Ernst Reiter erklärte, warum die Zellerer Musi beim Jahrtags-Gottesdienst nicht anwesend war. Sie hatte einen Termin bei einem Schützenfest in der Nähe von Bremen. Er berichtete aber auch kritisch von der sinkenden Motivation der Zellerer Musi für Proben und Auftritte im Ort. Denn durch die Kurhaus-Schließung ging beiden Ruhpoldinger Musikkapellen die Perspektive für Veranstaltungen verloren.

Vorstand Johannes Stief berichtete über die vergangenen zwei Jahre und von einem Schreiben der Polizei, bei dem sich die Beamten für einen Akt der Zivilcourage bedanken. In der Zeitung stand später »....Trachtler-Trio Daburger, Koch, Abele standen Polizeibeamten bei einem Einsatz bei....« – »Herzlichen Dank für Euren Einsatz!«. Eine schöne Abwechslung war außerdem das nachgeholte 100-Jahr-Fest des Patenvereins »D' Saalachtaler Unken« Anfang Oktober 2021, bei dem die Zellerer als einziger auswärtiger Verein vertreten waren. »Die Unkener haben übrigens ihr nicht mehr rentables Hallenbad in einen Festsaal umgebaut.«

Der Vereinsausschuss setzt sich zusammen aus der Vorstandschaft mit Vorstand Johannes Stief, zweitem Vorstand Stefan Fritzenwenger und drittens Angelika Birmoser sowie der bisherigen Kassierin Petra Fritzenwenger. Neu gewählt wurden Schriftführer Kevin Poller und die drei Beisitzer, Katharina Halang, Fritz Kecht, jun. und Michael Haßlberger.

Bei den 51 Ehrungen aus den beiden Jahren 2020 und 2021, sind zwei besonders hervorzuheben. »Erzmusikant« Ernst Reiter bekam für seine 50-jährige Vereinszugehörigkeit in Verbindung mit seinem ununterbrochenen Einsatz für die Trachtenmusik das rare Gau-Ehrenzeichen in Gold. Fritz Kecht, sen. wurde für sein 70-jähriges Trachtler-Engagement geehrt. Er war bereits in der ersten Zellerer Kindergruppe in den 1930er Jahren aktiv.

Die Gau-Ehrungen führte Gebietsvertreter Alois Lankes durch. Er appellierte an die Gemeinde, sich möglichst bald um einen neuen Gemeindesaal zu kümmern.

Vorstand Johannes Stief gratulierte auch Hans Haßl-berger zu seinem 90. Geburtstag. Er wuchs in Ruhpolding auf und verdingte sich als Holzknecht in Brunntal-Hofolding und wohnt jetzt bei seiner Tochter in Lenggries.

Bürgermeister Justus Pfeifer meinte, das Kurhaus habe seine gute Zeit gehabt, die aber jetzt vorbei sei. Mit seinen 800 Sitzplätzen sei es für die Bedürfnisse der Urlaubsgäste zu groß und auch die gesamte Haustechnik sei sowohl bei der notwendigen Sanierung, als auch im künftigen Betrieb unwirtschaftlich. In den ganzen letzten Jahren habe es keine Komplettauslastung mehr gegeben. Als Provisorium bis zur Fertigstellung könne der Pfarrsaal dienen. Pfeifer zeigte Verständnis dafür, dass das Kurhaus für die Vereine mit Erinnerung und Tradition behaftet ist. Somit freue ihn die rege Diskussion um Kurhaus und Vita-Alpina. Er versprach für beide Gebäude eine Bürgerbeteiligung zur künftigen Ausrichtung und Nutzung.

Stief appellierte an Pfeifer, im Rahmen der Neuplanungen die Kosten stets im Auge zu behalten, um nicht am Ende feststellen zu müssen, dass eine Komplettsanierung und Umgestaltung vielleicht doch günstiger gewesen wäre als ein Neubau.

In ganz Oberbayern kein vergleichbarer Kursaal

Der ehemalige Bürgermeister Claus Pichler widersprach Pfeifer insofern, dass die Zeit des Kurhauses vorbei sei, »es gibt in ganz Oberbayern keinen Kursaal in dieser zentralen Lage zusammen mit diesem Format«, so Pichler.

Gemeinderat Ludwig Schuhbeck gab zu bedenken, »dass die Dorfgemeinschaft jetzt einen Saal braucht, bis der neue steht«. Gemeinderat Johannes Hillebrand hielt die Bürgerbeteiligung für den einzig richtigen Weg, da das Thema in der Bevölkerung hochkoche.

Markus Semmelmayr hielt die Ausstattung des Pfarrsaals für komplett ungeeignet für größere Veranstaltungen und fügte hinzu, dass mit dieser Ausstattung eine gewerbliche Bewirtung komplett unwirtschaftlich sei.

Sepp Lanzinger gab zu bedenken, dass der Pfarrsaal ein Theatersaal und kein Trachtensaal sei und für jede Veranstaltung extra umgebaut und anschließend wieder rückgebaut werden müsse.

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