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Fischerverein Unterhochstätt siedelt Edelkrebse erfolgreich im Taubensee an

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Ein frisch eingesetzter Edelkrebs sucht unter einem Stein Schutz.

Ruhpolding – Viele Jahrzehnte waren die Edelkrebse in unserer Region nahezu völlig verschwunden. Seit 2016 siedelt der Fischerverein Unterhochstätt wieder gezielt Edelkrebse im Ruhpoldinger Taubensee an. Von dort aus sollen sich die bedrohten Tiere wieder in der Region verbreiten.


Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Edelkrebs, wie der europäische Flusskrebs landläufig genannt wird, bei uns in fast allen Gewässern zu finden. Vermutlich erhielten sogar einige Seen im Alpenraum ihren Namen von den massenweise darin vorkommenden Edelkrebsen: Die Taubenseen. In den alten bayerischen und österreichischen Dialekten wurden die Edelkrebse nämlich auch als »Dauben« bezeichnet.

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Mit Einführung neuer, überwiegend amerikanischer Krebsarten im 19. Jahrhundert wurde auch die Krebspest eingeschleppt – eine Pilzerkrankung, die die heimischen Krebsarten nahezu vollständig ausgerottet hat. Mit Auftreten der Kebspest verschwanden die Edelkrebse fast vollständig.

Bayernweit werden seit einigen Jahren, wesentlich initiiert durch den Landesfischereiverband Bayern, von der Fischerei erhebliche Anstrengungen unternommen, den Edelkrebs wieder anzusiedeln. Diese faszinierende Tierart soll vor dem Aussterben bewahrt werden.

Der Ruhpoldinger Taubensee bietet hervorragende Lebensbedingungen für die Edelkrebse. Für den Fischereiverein Unterhochstätt als Pächter dieses Gewässers war es daher selbstverständlich, sich am Artenschutzprogramm für den Edelkrebs zu beteiligen. Die Krebse sollen endlich in »ihren« Ruhpoldinger Taubensee zurückkehren.

In den Jahren 2016 und 2017 wurden erste Besatzmaßnahmen durchgeführt. Jetzt wurden die vorerst letzten Edelkrebse im Taubensee besetzt. Damit ist der sogenannte »Initialbesatz« abgeschlossen – es liegt nun an den Krebsen, sich ihren Lebensraum wieder zu erobern und eine stabile Population im Taubensee zu entwickeln.

Das Ziel, das der Fischerverein mit den Edelkrebsen verfolgt, beschreibt Gewässerwart Florian Langer: »Mittelfristig sollen die Edelkrebse von hier aus weitere Gewässer besiedeln. Egal ob durch ihre natürlichen Wanderungen oder durch gezielten Besatz, der dann aus dem Taubensee entnommen werden kann.«

Längst ist es aber nicht nur der Fischerverein Unterhochstätt, der sich für den Edelkrebs engagiert. »Wir sind nur einer von vielen Fischereivereinen in Bayern, die sich im Artenschutz engagieren. Der Aufwand, den die Fischerei für den Artenschutz in ganz Bayern betreibt, ist wirklich enorm«, so Vorstand Peter Hussl. »Ohne uns Fischer wären die Gewässer bereits deutlich verarmt und einige Arten wären wohl schon ausgestorben. Auch den Edelkrebs wollen wir vor dem Aussterben bewahren«.

Die nachtaktiven Krebse lassen sich übrigens im Taubensee leicht beobachten: Wenn die Tiere in der Dunkelheit ihre Unterstände verlassen, reicht eine starke Taschenlampe aus, um sie im klaren Wasser deutlich erkennen zu können.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Edelkrebse dem bayerischen Fischereirecht unterliegen. Ihr unberechtigter Fang gilt als Fischwilderei und steht unter Strafe. Das Beobachten der Tiere mit der Taschenlampe ist aber kein Problem. »Wir würden uns freuen, wenn sich die Bevölkerung mehr für diese bedrohten Tiere und unsere fischereiliche Arbeit interessiert«, so Hussl. fb

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