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Mit gezückter Schere eröffneten sie die Waldbahn-Ausstellung in der Alten Schule in Ruhpolding (von links): Initiator Thomas Siegel, Alt-Bürgermeister Herbert Ohl, Reit im Winkls Bürgermeister Matthias Schlechter sowie Landrat-Stellvertreter Josef Konhäuser. Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober geöffnet. (Foto: Schick)

Der Waldbahn ein Denkmal gesetzt

Ruhpolding – Weißblauer Himmel begleitete den Auftakt zur Sonderausstellung »100 Jahre Waldbahn Ruhpolding – Reit im Winkl«, zu dem der Historische Verein geladen hatte. »Der Herrgott muss bestimmt ein Eisenbahner sein«, mutmaßte denn auch Thomas Siegel vom Arbeitskreis Waldbahn scherzhaft über die idealen Rahmenbedingungen während der lange ersehnten Vernissage auf dem Rathausplatz. 


Eine illustre Schar aus lokalpolitischer Prominenz, der katholischen Pfarrei mit Pfarrer Otto Stangl, örtlichen Vereinsvorständen, Vertretern der Lokalbahn Endorf-Obing (LEO) sowie vielen Helfern und Sponsoren hatte sich vor der Alten Schule eingefunden, in deren Räumen die Ausstellung bis zum 3. Oktober zu besichtigen ist. Für Unterhaltung sorgten die Taubenseer Musikanten. Glückwünsche galten gedanklich Schirmherrn Justus Pfeifer und seiner Frau Christina: Beim jungen Bürgermeister-Paar hatten sich kurz vorher Elternfreuden eingestellt.

Thomas Siegel zeigte sich froh darüber, dass es nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung und bedingt durch die Corona-Pause nun gelungen sei, das Ergebnis der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Er dankte seinen Mitstreitern für die vielen ehrenamtlichen Stunden, die sie dafür einsetzten. Ebenfalls dankte er der Leiterin des Holzknechtmuseums, Dr. Ingeborg Schmid, sowie Hans Loferer für die fachliche Begleitung. Der gebürtige Reit im Winkler, der jetzt in Siegsdorf lebt und im dortigen Bahnhof ein Museum betreibt, hatte eigens für diese Ausstellung in mühevoller Detailarbeit die Waldbahn im Maßstab 1:87 nachgebaut. Diese 14 Meter lange Mini-Ausführung ist das Herzstück unter den vielen, nicht minder interes-santen Exponaten.

Ein Heimspiel als Ruhpoldinger genoss Landrat-Stellvertreter Josef Konhäuser, der die Grüße von Siegfried Walch überbrachte. In seiner Rede ging der langjährige Gemeinde- und Kreisrat auf die historische Bedeutung und die generelle Entwicklung der Eisenbahn ein. Was damals in der Anfangszeit 1835 noch skeptisch aufgenommen wurde, entpuppte sich schnell als Erfolgsgeschichte. Zugleich spannte er einen Bogen zu den aktuellen Spannungsfeldern Globalisierung und Klimawandel. Für die Region beabsichtige der Landkreis Traunstein mit Nachdruck, eine ressourcenschonendere und kostengünstigere Alternative zum Auto zu bieten. Bis 2030 bedeute dies jährlich bis zu fünf Millionen Euro Mehrinvestitionen in den ÖPNV, zugleich eine massive Steigerung der Fahrten pro Woche auf den Linien des Landkreises und eine enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land sowie eine grenzüberschreitende Vernetzung bis nach Salzburg. »Die Schiene wird weiterhin ein ganz wichtiger Teil unserer Infrastruktur sein,« betonte Konhäuser, der auch mit Genug-tuung erwähnte, dass auf sein Bestreben hin die Haltestelle »Bibelöd« zustande kam, die heute nicht mehr wegzudenken sei.

Historische Eckdaten aus erster Hand präsentierte Alt-Bürgermeister Herbert Ohl in seiner Funktion als Vorsitzender des Historischen Vereins. Beim Baubeginn der Waldbahn habe der Historische Verein bereits zehn Jahre bestanden. Gegründet von Bartholomäus Schmucker und Gleichgesinnten. Schmucker übte von 1919 bis 1933 das Bürgermeisteramt aus – eben zu der Zeit, als die Waldbahn zum Holz- und Gütertransport in Betrieb war und das Ruhpoldinger Rathaus (1922) erbaut wurde. Außerdem gibt es eine Verbindung zwischen dem Skiclub und der Waldbahn, erläuterte Ohl den interessierten Zuhörern. Einer seiner Begründer war der Waldbahn-Ingenieur Hans Reuther. Der Vorsitzende wertete es als absoluten Glücksgriff, dass Thomas Siegel und seine Frau Ruth vor acht Jahren von München nach Ruhpolding gezogen sind und nicht nur durch Zufall direkte Nachbarn, sondern auch engagierte Bürger wurden, die den Grundstein zur jetzigen Ausstellung gelegt haben. Außerdem ging sein Dank an alle Helfer und Sponsoren.

Reit im Winkls Bürgermeister Matthias Schlechter zollte den Machern der Ausstellung großes Lob und verwies darauf, dass in der Gemeinde die Straßenbezeichnung »Am Waldbahnhof« nach wie vor Bestand habe. Auch wenn sich das Gelände der damaligen Bahnstation verändert hat, kann man die Streckenführung noch gut nachvollziehen.

Dass sogar Musik und Waldbahn im Zusammenhang stehen, davon gaben die Taubenseer Musikanten eine klingende Kostprobe. Wie ihr Leiter Dr. Josef Haßlberger erzählte, führte die Waldbahn auf ihrem Weg nach Reit im Winkl auch an Seehaus vorbei. Im dortigen Gasthaus entstand vor Jahrzehnten der bekannte Seehaus-Boarische (Stichwort »Rehragout«), der auch gleich intoniert und gesungen wurde.

Bevor die Scheren zum Zerschneiden des Entree-Bandes zum Einsatz kamen und den offiziellen Besichtigungsstart einläuteten, betonten stellvertretender Vorstand Herbert Ringsgwandl sowie der neue Tourismuschef der RTK, Dr. Gregor Matjan, das touristische Potenzial, das von der Erinnerung an die Waldbahn ausgeht und das bei den Marketing-Maßnahmen zu vermarkten sei.

ls

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