Auf den Spuren der Holzknechte

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Die lebensgroßen Gipsfiguren der Holzknechte bei der Arbeit fanden viel Bewunderung bei der Besichtigung durch die Mitglieder des Zweckverbands. Die naturgetreuen Figuren werden auch in die neue Dauerausstellung übernommen. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Im Holzknechtmuseum Ruhpolding wurden die vergangenen Monate genutzt, um baulich wie konzeptionell eine Reihe von Neuerungen und Verbesserungen vorzunehmen. Davon konnten sich rund 40 Teilnehmer der Hauptversammlung des Zweckverbands Holzknechtmuseum überzeugen. Eine anschließende Sitzung fand im Pressezentrum der Chiemgau Arena statt.


Zu dem Termin waren auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer und zahlreiche Vertreter von Landratsamt, Gemeinde und Bezirk Oberbayern gekommen.

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Bauarbeiten im Holzknechtmuseum

Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer, Vorsitzender des Zweckverbands, und Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid erläuterten das neu ausgearbeitete Konzept der Dauerausstellung. Zudem wurden die neuen, baulichen Veränderungen besichtigt, wie der neue Aufzug (siehe Kasten rechts unten) oder die neu entstandene, behindertengerechte Toilette im Keller. Die schweren Wasser- und Sturmschäden im Frühjahr, bei dem sogar die Eingangstür des Museums aus den Angeln gerissen worden war, sind inzwischen behoben, hatten aber die Ausbauarbeiten verzögert. Der neue Medienraum wurde gefliest, verputzt und gemalert.

Bürgermeister Pfeifer erklärte, dass die Ausstellungssaison erst Mitte November zu Ende gehen werde, um die finanziellen Ausfälle durch die viermonatige Zwangspause abzumildern. Finanziell schmerzhaft für das Museum ist die Stornierung der Großveranstaltungen, bei denen noch im letzten Jahr bis zu 4000 Besucher gezählt wurden. Auch die Anzahl der Tagesbesucher ist wegen des Corona-Hygienekonzepts begrenzt.

Ende November sind erneut Baumaßnahmen vorgesehen, wie der Einbau einer Brandschutzmauer vom kleinen Ausstellungsraum im Obergeschoß bis zum größeren Raum für Sonderausstellungen unter dem Dach. Außerdem sind mehrere Fassadendurchbrüche Richtung Gelände geplant, um die neue Dauerausstellung optisch und thematisch in die Landschaft mit einzubinden. Die seit den 1980er Jahren bestehende Dauerausstellung ist jetzt ohne Sichtverbindung nach außen nur bei elektrischem Licht zu besichtigen.

Dr. Henriette Holz vom Büro für Museumsberatung aus München und Planer Peter Neudert von »Impulsdesign« stellten weitere Punkte des neuen Konzepts der Dauerausstellung vor. Die Neugestaltung der Dauerausstellung sei wegen des vergleichsweise kleinen Raumangebots eine große Herausforderung für die Museumsmacher. Ziel sei es, die Ausstellung lebendig zu gestalten. Deshalb stehe der Holzknecht im Mittelpunkt der Ausstellung, so Neudert. Die Architektur der Ausstellung mit schrägen Wänden und Zacken solle die Bergwelt symbolisieren.

Im unteren Stockwerk werden die Entwicklung der Holzernte im Laufe der Jahrhunderte, im oberen Stockwerk die Holzbringung im Fokus stehen. Zudem gibt es neben Texten akustische Elemente, wie zum Beispiel Axtgeräusche.

Ein besonders interessanter Aspekt der neuen Ausstellung könnte der Bereich »Frauen der Holzknechte – zwischen Selbstständigkeit und Abhängigkeit« werden. Ebenso der Bereich Volksfrömmigkeit, die bei den hoch gefährlichen Holzarbeiten in den Bergen von besonderer Bedeutung war.

Ziel: »alle mitzunehmen«

Im Sinne der Inklusion sei es das Ziel, »alle mitzunehmen«, so Dr. Henriette Holz. Aus diesem Grund gebe es einen Kinderbereich, Illustrationen, Handlungsaufträge, sowie Angebote für Sehbehinderte. Texte in einfacher Sprache in Deutsch und Englisch werden an den Wänden angebracht. Für andere Sprachen sind Audioguides vorgesehen.

Der Vorsitzende des Wirtschafts- und Tourismusverbands Ruhpolding, Sepp Hohlweger, vermisste eine weiterführende Digitalisierung der Ausstellung zum Beispiel über einen QR-Code. Noch sei nichts »fix zementiert«, antwortete der Bürgermeister. Die Ausstellung werde auch nach der Eröffnung, voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres, nach und nach erweitert.

Realistische Darstellung der Holzknechte

Der Vorsitzende des Vinzenzi-Vereins Ruhpolding, Georg Bichler, meinte, bei den Zeichnungen sei es wichtig, dass die Holzknechte realistisch und nicht karikiert mit Riesennase oder Bierbauch dargestellt würden. Die Ausstellungsplaner versicherten, dass die lebensgroßen Gipsfiguren, die »echte« ehemalige Holzknechte naturgetreu abbilden, erhalten bleiben. Auch anhand von Fotos und Dokumentationen werden die früheren Holzarbeiter und die heutigen realistisch gezeigt.

Dr. Ingeborg Schmid informierte, dass in den letzten Monaten das umfangreiche Bild- und Tonmaterial im Archiv des Museums zum großen Teil gesichtet und digitalisiert worden war. Noch immer sei man dabei, Namen, Objekte und Bildinhalte zu recherchieren. Sie berichtete auch, dass sie immer wieder die Bevölkerung um originale Alltagsgegenstände, wie Hüte, Schnitzmesser oder auch Fotos und Bilder gebeten hatte. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei groß, sagte Schmid. Vieles sei zur Verfügung gestellt worden, zum Beispiel ein uraltes Rad und ein alter Motorroller. Die Anschaffung eines sehr teuren Harvestersimulators (derzeit modernstes Gerät für die Holzernte) hängt noch von eventuellen Spendern ab. gi

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