Alten- und Pflegeheim St. Adelheid schließt seine Pforten

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Die Barmherzigen Schwestern schließen ihr Alten- und Pflegeheim St. Adelheid an der Brandstätterstraße in Ruhpolding. (Foto: Pültz)

Ruhpolding – Die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul schließen das Alten- und Pflegeheim St. Adelheid in Ruhpolding zum 30. November. Sie stellen den Betrieb ein und übergeben das Haus an Regenbogen Wohnen, eine gemeinnützige GmbH, die psychische Kranke unterbringt und betreut. Die Kongregation hat die 34 Bewohner und 44 Mitarbeiter des Hauses informiert.


»Wir bedauern sehr, dass wir St. Adelheid nicht mehr in der jetzigen Form weiterführen können. Die Entscheidung dafür ist uns sehr schwergefallen,« erklärte Schwester Rosa Maria Dick, die Generaloberin des Ordens, der sein Mutterhaus in München hat. »Wir sind uns der Tragweite dieser Maßnahme bewusst.« Die Kongregation unternehme deswegen zahlreiche Aktivitäten, um die Auswirkungen für alle Betroffenen so weit wie möglich abzumildern. »Wir sind zuversichtlich, dass schon deutlich vor November für alle der derzeit 34 Bewohnerinnen und Bewohner ein neues Zuhause gefunden werden kann. Denn es ist uns ein besonderes Anliegen, dass die uns anvertrauten Menschen in Ruhe und Würde umziehen können. In gleichem Maße sind wir bestrebt, der Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht zu werden«, so die Generaloberin. Mit jeder und mit jedem Einzelnen werde eine individuelle Lösung für die Zukunft besprochen und bestmögliche Unterstützung angeboten.

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Generalökonom Claus Peter Scheucher nannte die Gründe für die Übergabe des Hauses: »Aufgrund der Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entspricht das Haus nicht mehr den baulichen Grundanforderungen an ein Alten- und Pflegeheim. Um diesem verpflichtenden Regelwerk zu entsprechen, müssten umfangreiche bauliche Veränderungen im Rahmen von Modernisierungs- und Erweiterungsmaßnahmen zwingend umgesetzt werden. Die Veränderungen hätten für das kleine Haus so hohe Kosten verursacht, dass ein auch nur annähernd wirtschaftlicher Betrieb unmöglich geworden wäre. Darüber hinaus hätte das Heim während der Sanierung für viele Monate geschlossen werden müssen.«

Die Kongregation, so der Generalökonom, habe sich immer in der Verantwortung gesehen, bedürftigen Menschen zu helfen und werde dies auch weiterhin nach Kräften tun. »Es ist unsere Pflicht, die wirtschaftlich erforderlichen Mittel ebenfalls verantwortungsvoll einzusetzen. Aus unternehmerischer Sicht und mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Kongregation und ihrer sozialen Einrichtungen ist es unumgänglich, diese schmerzliche, aber notwendige Entscheidung zu treffen.«

Viele der 44 Mitarbeiter erhalten in den umliegenden, ordenseigenen Seniorenheimen St. Elisabeth in Teisendorf und St. Hildegard in Siegsdorf ein Angebot zur Weiterbeschäftigung. In einigen Fällen ist dies nicht möglich, so dass auch Kündigungen ausgesprochen werden müssen. »In solchen Fällen werden wir den Kolleginnen und Kollegen, für die wir uns weiterhin in der Verantwortung sehen, bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation helfen – finanziell, aber auch durch indivi-duelle Unterstützungs- und Beratungsangebote bei der beruflichen Neuorientierung«, sagte Claus Peter Scheucher.

Wie das Krankenhaus Vinzentinum nahmen die Barmherzigen Schwestern im Januar 1971 auch das Alten- und Pflegeheim St. Adelheid in Ruhpolding in Betrieb. Damals starteten sie mit 66 Heim- und Pflegeplätzen.

Erste Pläne, das Seniorenheim an der Brandstätterstraße zu schließen, gab es bereits im Jahr 2008. Allerdings entschloss sich die Ordensleitung damals, den Betrieb fortzuführen. Später änderte sie dann aber ihre Meinung. Nach Angaben des Ordens führten die Verkaufsabsichten dazu, dass in der letzten Zeit weniger Senioren aufgenommen worden seien.

Aufgrund der für kleinere Krankenhäuser schwierigen wirtschaftlichen Situation zogen sich die Schwestern zum 1. Januar 2012 aus der Trägerschaft des Vinzentinums zurück. Seitdem ist das Krankenhaus in den kommunalen Klinikverbund der Kliniken Südostbayern AG eingegliedert.

Die Geschichte der Barmherzigen Schwestern in Ruhpolding ist mit dem Rückzug aus St. Adelheid nicht beendet. Das ordenseigene Betreute Wohnen am Vinzentinum wird eine Wohnanlage für Senioren bleiben.

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