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400 Jahre Holzknechtverein Ruhpolding gefeiert

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Sportliche Herausforderung für Großeltern und Enkel war das Sägen. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Das Wetter meinte es rundum gut beim großen Festtag zum Jubiläum »400 Jahre Holzknechtverein Ruhpolding« auf dem Gelände des Holzknechtmuseums und dem Forstlichen Bildungszentrum, der ehemaligen Waldarbeiterschule. Hunderte Besucher strömten bis in den späten Nachmittag zu den zahlreichen Attraktionen, die hier geboten waren.


Dem Jubiläumstag entsprechend gab es viele Vorführungen über die gefährliche Arbeit der Holzknechte, heute Forstwirte genannt, von damals bis heute. Verschiedene Arten der Holzbringung mit Pferden und Pferdegespannen bis zur Seilwinde und speziellen Verfahren wurden gezeigt.

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Dazu gab es Rundfahrten mit der Kutsche und ein großes Kinder- und Familienprogramm. Neben kleinen Wettbewerben für Kinder und Jugendliche konnten zum Beispiel Erwachsene mit ihren Kindern um die Wette sägen. Köhler zeigten, wie ein Kohlenmeiler aufgesetzt wurde. Alte Traktoren, Rückewagen, Langholzfuhren und vieles mehr waren zu sehen. Zeitgleich veranstaltete das nahe gelegene Forstliche Bildungszentrum in der Laubau einen Tag der offenen Tür. Auch Baumfällungen mit schweren Geräten unter größten Sicherheitsvorkehrungen wurden vorgeführt.

Der Festtag begann mit einem Gottesdienst im Museumsgelände, den Pfarrer Otto Stangl vor vielen Festgästen feierlich zelebrierte. Der Männerchor übernahm die musikalische Gestaltung. Während der Messe weihte Pfarrer Stangl zum Jubiläum eine neue, große Kerze, die künftig immer am Vinzenzitag und anderen feierlichen Anlässen mitgetragen wird.

Mit der Gründung der Saline in Traunstein wurde das Forstamt Ruhpolding 1619 in das Salinenwaldmeisteramt Traunstein umgewandelt. Damit sollte die Holzversorgung der Saline Traunstein sichergestellt werden, die sehr viel Holz benötigte. Da jeder wusste, wie gefährlich die Arbeit im Wald war und es natürlich noch keinerlei Sozialversicherung gab, schlossen sich die Holzknechte in einem Verein zusammen, der sie selbst und ihre Familien bei Arbeitsunfähigkeit oder Todesfall unterstützen konnte. Als Schutzpatron wählten sie den heiligen Vinzenz von Saragossa; der Verein heißt deshalb im Volksmund auch »Vinzenziverein«.

Beim Festakt zum Jubiläum würdigte der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, das 400-jährige Bestehen des Holzknecht-Vinzenzi-Vereins als »sogar in forstlichen Maßstäben eine gewaltige Zeit, eine große Geschichte und herausragende Tradition«.

Bei allen Veränderungen des Berufsbilds Holzknecht gebe es wichtige Konstanten im Beruf der Forstwirte, so Neumeyer. »Es war und ist ein anspruchsvoller, abwechslungsreicher und ein schwerer Beruf, der auch gefährlich sein kann.« Obwohl die klassische Holzernte immer noch eine wichtige Rolle spiele, sei das Aufgabenspektrum heute deutlich breiter gefächert. Die Pflege des Waldes stehe im Vordergrund, gerade in den Zeiten des Klimawandels für alle spür- und erlebbar. Ob Waldschutz, Borkenkäfervorsorge oder Pflanzung, Sicherung und Pflege intakter Schutzwälder – die Forstwirte würden als nicht zu ersetzende Fachkräfte bei den Bayerischen Staatsforsten immer gebraucht, versicherte der Vorstandsvorsitzende. In Ruhpolding werden pro Jahr für drei Hochgebirgsbetriebe, nämlich Ruhpolding, Schliersee und Berchtesgaden, Forstwirte ausgebildet. Am ersten Juli dieses Jahres nehmen dort wieder vier Azubis ihre Arbeit auf.

Holzknechte – erste Bewohner Ruhpoldings

In seinem Grußwort sagte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler, der selbst aus einer Holzknechtfamilie stammt: »Die ersten Bewohner von Ruhpolding müssen Holzknechte gewesen sein – denn ohne umfangreiche Rodungsarbeiten hätten sie dieses Tal niemals bewohnen können«. Als er ein kleiner Bub gewesen sei, habe er gelernt, dass man vor dem Forstmeister immer den Hut ziehen müsse, weil er neben Pfarrer und Lehrer der wichtigste Mann im Dorf gewesen sei.

Die Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler, SPD, hob bei den lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen der Holzknechte deren Solidarität untereinander hervor. Die damaligen selbst gegründeten Unterstützungsvereine seien ein Vorläufer der heutigen Gewerkschaften gewesen.

Der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner (CSU) wies auf die 2,5 Millionen Hektar Wald in Bayern hin, die alle unter dem gesetzlichen Schutz des Waldrechts stünden. 64 Prozent davon unterlägen dazu außerdem Naturschutz-, Wald- oder Wasserrecht. Viele Waldflächen würden gleich von mehreren Schutzgebieten erfasst, davon stehe Unterfranken mit 85 Prozent deutlich an der Spitze. Der bayerische Weg in die Forstwirtschaft habe sich mit dem Motto Schützen und Nutzen bewährt, stellte Steiner fest. Es gebe keine einseitige Ausrichtung auf Gewinnmaximierung, wie es oft behauptet werde, sondern ständig die Balance zwischen Schützen und Nutzen.

»Das Holzknechtmuseum ist ein ganz besonderer Ort«, sagte die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen). Die Holzknechte hätten die Lebensgrundlagen für unseren heutigen Wohlstand geschaffen und seien auch in ihrem Sozialverhalten »mutig und klug« gewesen.

Stellvertretende Landrat Josef Konhäuser überbrachte die Glückwünsche des Landkreises. Er gratulierte außerdem dem anwesenden Altlandrat Jakob Strobl nachträglich zum 80. Geburtstag und hob hervor, dass unter dessen Ägide mit tatkräftiger Unterstützung von Altlandrat Leonhard Schmucker und vielen anderen das Holzknechtmuseum in der Laubau gebaut werden konnte. gi