Bildtext einblenden
Foto: Gemeinde Ruhpolding/Andreas Plenk

100 Jahre Ruhpoldinger Rathaus

Ruhpolding – »Bereits vor 100 Jahren haben sich die Ruhpoldinger Bürger zur Aufgabe gesteckt, ein Rathaus für alle zu schaffen«, sagte Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU/VRB) beim Tag der offenen Tür anlässlich des Jubiläums. Die Pfarrer Otto Stangl und Bernd Reuther frischten den Segen auf. Die Bürger konnten die frisch renovierten und mit moderner Technik ausgestatteten Diensträume besichtigen und den Angestellten Fragen stellen.


Wie würden Demokratie und Dialog, Bürgerservice, Bürgeroffenheit und Austausch aussehen, wenn dies auf funktionale Architektur und Gebäudenutzung übersetzt würde? So wie hier im Ruhpoldinger Rathauskomplex mit dem architektonischen Trio Alte Schule, Gemeindebauamt und eigentlichem Rathaus, meinte Pfeifer. Bereits vor 100 Jahren hätten die Ruhpoldinger das Rathaus in zentraler Lage mit einer großen und prägenden Eingangstür und weiten Gängen im Inneren geschaffen, das eine Atmosphäre der Offenheit ausstrahle. Durch die später hinzugekommenen Wandmalereien sei das Rathaus zugleich kulturprägend und gestalterisches Vorbild für unseren alpenländischen Baustil, meinte er.

Im Laufe der 100 Jahre wurde das Rathaus immer weiterentwickelt. Neben der anfänglichen Nutzung der Obergeschoße als Heimatmuseum und Verwaltungswohnung stieg mit zunehmenden Verwaltungsaufgaben der Platzbedarf für Büros und Mitarbeiter. Ein stetiger Wandel, aber auch Erneuerung hätten das Rathaus geprägt.

Weiter erinnerte Pfeifer an prägende Ereignisse für Ruhpolding – die ersten Sommerfrischler, die in den 20er Jahren Ruhpolding entdeckten, die Schreckensherrschaft in den 30er und 40er Jahren, wobei aus seiner Sicht die thematische Auseinandersetzung im Ort noch nicht vollkommen aufgearbeitet sei.

Im weiteren Verlauf der 40er und 50er Jahre sei Ruhpolding im Zuge der Dr. Degener-Reisen und des Tourismus aufgeblüht, sagte Pfeifer. Die schnell wachsenden Erfordernisse hätten die Verwaltung vor große infrastrukturelle Herausforderungen gestellt. Kanal und Wasserversorgung sowie die Straßen mussten schnell ausgebaut werden.

Neben dem Bau des Wellenhallenbads und der Eishalle sowie der Weiterentwicklung des Bundesstützpunkts Chiemgau Arena, aber auch der Schließung des alten Freibads in Bibelöd, des Miniaturparks erforderten auch das Ende des Skibetriebs am Rauschberg und Fragen um das Laubauer Wasser Entscheidungen, die im Rathaus getroffen worden seien.

Vor 100 Jahren eröffnete der damalige Bürgermeister Bartholomäus Schmucker das Rathaus. Das Gebäude erzähle die Geschichte des Ortes. »Damals wie heute – es ist nicht ein Rathaus, sondern unser Rathaus«, sagte Pfeifer. Es gehöre allen und in allen Lebenslagen, von der Geburt eines Kindes über die Hochzeit zum Hausbau bis zur Sterbeurkunde, so Pfeifer. Deswegen dürfe ein Rathaus nie in der Vergangenheit stehen bleiben, keinen Staub ansetzen und müsse mit der Zeit gehen.

Seit der Modernisierung und Erweiterung des Rathauses um das neue Gemeindebauamt sowie der Alten Schule könne mit den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten viel geboten werden. Im neuen Gemeindebauamt fand auch die technische Bauabteilung ein Zuhause. Durch den Einbau des Lifts können nun auch Menschen mit Behinderung in den sanierten Sitzungssaal im Obergeschoß gelangen und so an Gemeinderats- und Ausschusssitzungen teilhaben.

Durch die Sanierung im alten Rathaus und im Gemeindebauamt sei es gelungen, zeitgerechte Arbeitsplätze für die Mitarbeiter zu schaffen, hob Pfeifer hervor. Im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft um Mitar-beiter sei mitunter die Qualität der Arbeitsplätze ein Vorteil, merkte er an. Da müsse sich die Gemeindeverwaltung nicht ver-stecken.

In seinem Grußwort meinte der stellvertretende Landrat Josef Konhäuser, er habe seine Schulzeit in der Alten Schule verbracht, im Rathaus geheiratet und sei fast 30 Jahre Gemeinderat gewesen. Umbau und Sanierung seien wegen der denkmalschützerischen Anforderungen eine Herausforderung gewesen. Jahreszeitlich passend gab es auf dem Rathausplatz Glühwein und Bosna für die Gäste. Die Ruhpoldinger Alphornbläser sorgten für die musikalische Umrahmung.

MP

Mehr aus Ruhpolding