Bildtext einblenden
Die Tage der Polizeistation Reit im Winkl sind gezählt. Am 1. September ist Schluss.

Polizeistation Reit im Winkl wird zum 1. September geschlossen

Reit im Winkl – Die Polizeistation in Reit im Winkl gibt es seit 1894, damals hieß sie noch »Gendarmeriestation«. 1960 wurde sie in die bayerische Polizei eingegliedert. Nun soll Schluss sein – was im Ort sehr bedauert wird. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nennt als Grund »die Steigerung der Effizienz«. Aufgrund der vergleichsweise geringen Einsatzzahlen und der Nähe zur Polizeistation Grassau (18 Kilometer) habe man entschieden, die Polizeistation in Reit im Winkl zu schließen, wie Stefan Sonntag, einer der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, sagt.


»Durch die Integration in die Polizeiinspektion Grassau ergeben sich Synergieeffekte, zum Beispiel im Bereich der Veranstaltungsbetreuung, der Einsatzbewältigung sowie der Flexibilisierung bei der Dienstverrichtung«, betont der Polizeihauptkommissar.

Derzeit seien in Reit im Winkl noch drei Beamte/Beamtinnen im Dienst. Die Polizeiinspektion Grassau habe nachts den Bereich der Polizeistation Reit im Winkl bereits mitbetreut – sowie tagsüber gegebenenfalls unterstützt. Im Jahr 2020 habe es dort 215 Einsätze gegeben, vergangenes Jahr 242 Einsätze, wie Sonntag sagt. Er betont, dass solche Entscheidungen nicht »einfach so« getroffen würden. »So etwas wird gut überlegt.« Wichtig bei solchen Entscheidungen sei immer die »Beibehaltung des hohen Sicherheitsniveaus«.

»Eigentlich jeder hier im Ort bedauert, dass es bald keine Polizei mehr gibt«, sagt unserer Reit im Winkler Berichterstatter Sepp Hauser. Es sei einfach wichtig, dass die Polizei vor Ort sei, zum einen wegen der Sicherheit, zum anderen aber auch als Ansprechpartner. »Wenn was ist, kann man einfach in die Polizeistation gehen und nachfragen. Das geht dann nicht mehr«, bedauert Sepp Hauser.

Bei der Bürgerversammlung hatte auch Bürgermeister Matthias Schlechter diesen Schritt kritisiert. »Wir haben unser Unverständnis über die Aufgabe der Station gegenüber dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd kundgetan.« Doch weder im telefonischen noch im schriftlichen Dialog habe sich an der Entscheidung etwas ändern lassen. Und auch der Weg über die örtlichen Parlamentsabgeordneten habe nichts gebracht, so Schlechter. Der Bürgermeister hofft aber zumindest, dass mit der Schließung in Reit im Winkl die Polizei in Grassau personell verstärkt wird. »Wir werden hier schon etwas im Stich gelassen – und das freut keinen«, sagt Matthias Schlechter im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Reit im Winkl sei von der Fläche her eine ziemlich große Gemeinde. Von der Feuerwehr, für deren Ausstattung die Kommunen zuständig seien, werde verlangt, dass sie in zehn Minuten am Einsatzort ist, »die Polizei schafft das nicht«, sagt Reit im Winkls Bürgermeister. Seine Kritik richtet sich nicht an die Einsatzkräfte, sondern an den Freistaat, der die Polizei nicht ausreichend mit Personal ausstatte und Entscheidungen wie diese treffe. »Das passt einfach nicht zusammen.«

Eröffnet wurde die »Gendarmeriestation in Reit im Winkl« am 1. September 1894, genau 128 Jahre später, am 1. September 2022 wird Schluss sein. »Der Dienstbereich der Polizeistation Reit im Winkl, welcher die Gemeinde Reit im Winkl mit ihren knapp2300 Einwohnern umfasst, wird zukünftig rund um die Uhr von der Polizeiinspektion Grassau betreut«, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag. Diese sei bislang für die sechs Gemeinden Grassau, Marquartstein, Schleching, Staudach-Egerndach, Übersee und Unterwössen zuständig mit rund 22 000 Einwohner zuständig. In zwei Monaten kommt dann Reit im Winkl dazu.

KR

Mehr aus Reit im Winkl