Leben auf Island: Reit im Winklerin verwirklichte ihren Traum

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Julia Peikert reitet gern und genießt auf Island die gemeinsamen Reitstunden mit ihrem Pferd Óskar frá Garði.

Mit 18 besuchte sie die Insel das erste Mal – und war sofort fasziniert. Mittlerweile lebt Julia Peikert aus Reit im Winkl seit fast vier Jahren auf Island und arbeitet auf einem Reiterhof. Die heute 34-Jährige gibt (Geheim-)Tipps für eine Rundreise auf der Insel.


Nordlichter, Wasserfälle, Vulkane, Fjorde, Geysire: Island ist reich an faszinierenden Naturereignissen. Und die Isländer lieben ihre berühmten Pferde. Weit mehr als 70.000 zottelige Exemplare leben auf der Insel südöstlich von Grönland. Überall auf der Insel werden auch Reittouren angeboten – reitsportbegeisterte Urlauber haben so die einmalige Chance die Insel auf dem Rücken der Pferde besser kennenzulernen.

Wenn Julia Peikert Pferde sieht, dann geht auch ihr das Herz auf. Zu ihrem 18. Geburtstag bekam die jetzt 34 Jahre alte Reit im Winklerin von ihrer Mama ein ganz besonders Geschenk: eine Reittour auf Island. Und diese Reise prägte Julia Peikert nachhaltig. »Danach war es um mich geschehen – die Pferde, die Menschen, die Landschaft, das raue Klima«, erinnert sie sich.

»Seitdem hatte ich immer den Traum, auf Island für ein paar Monate mit Pferden zu arbeiten.« Aus diesem Traum »sind mittlerweile fast vier Jahre geworden«. Julia Peikert lebt jetzt auf einem Hof mit dem Namen Garður. Er liegt acht Kilometer außerhalb von Sauðárkrókur, ein kleiner Ort mit rund 2500 Einwohnern im Norden Islands. Tagtäglich arbeitet sie dort im Stall, versorgt die Zuchtpferde und reitet auch sehr viel.

»Hin und wieder bestreite ich auch Turniere«, erzählt sie. »Mein großer Traum für dieses Jahr ist es, mich mit meinen beiden Pferden Hekla frá Garði und Óskar frá Garði für das Íslandsmót, also die isländischen Meisterschaften, zu qualifizieren«, fügt sie an. Groß unter Druck setzt sie sich dabei aber nicht. »Vielleicht klappt's ja.«

Wenn die Isländer in ihrer Landessprache über Pferde reden, dann versteht Julia Peikert übrigens auch schon eine Menge. »Von perfekt Isländisch sprechen bin ich aber leider noch weit weg«, sagt sie. Sie kommt aber auch gut mit Englisch durch. »Die isländische Grammatik ist ziemlich schwer und sehr viele Wörter sind die reinsten Zungenbrecher.« Aber davon lässt sich die Reit im Winklerin nicht unterkriegen. »Ich bin schon wieder zum nächsten Kurs angemeldet«, verrät sie.

Die Corona-Pandemie ist auch auf Island ein Thema. Sie bekomme wegen der vielen Arbeit mit den Pferden davon aber gar nicht so viel mit, sagt sie. »Wir haben zwar auch einige Einschränkungen, aber da habe ich keine Probleme mit.« Zudem gibt es im Norden der Insel schon seit längerem keinen Corona-Fall mehr.

Von ihrer neuen Heimat schwärmt Julia Peikert, die es aber auch immer mal wieder für ein paar Wochen in ihre Heimat zieht, in den höchsten Tönen. »Entspannter, einfacher und stressfreier als in Deutschland«, beschreibt sie das Leben auf der Insel. »Die Isländer haben ein Sprichwort ,þetta reddast' (übersetzt heißt es: Das wird schon). Und so gestaltet sich oft der Tag.«

Peikert führt auch gleich ein Beispiel an, was damit genau gemeint ist. »In Island ist es vollkommen in Ordnung, wenn man nicht pünktlich ist. Und ich rede nicht von fünf bis zehn Minuten, sondern von ein bis zwei Stunden.« Diese Lebenseinstellung setzt sich fort. »Wenn man heute etwas nicht geschafft hat, dann ist morgen auch noch ein Tag oder lieber gleich erst nächste Woche«, lacht die Deutsche. Sprich: »Wer auf Island lebt, muss flexibel sein«, ergänzt sie. »Wobei mich diese immer gelassene Art manchmal schon auch ziemlich wahnsinnig macht«, gibt sie zu.

Julia Peikert wirbt aber auf jeden Fall innig dafür, dass man auf Island auf jeden Fall mal Urlaub machen sollte. »In Island ist es überall schön«, sagt sie. »Alles hat seine Reize.« Ihr persönlich gefällt »definitiv der Norden am besten«. Sie empfiehlt, »am besten eine Rundreise zu machen und sich seine eigene Meinung zu bilden«.

Für die Rundreise würde sie unbedingt zwei Wochen oder sogar mehr einplanen. »Man könnte die Insel natürlich auch in ein paar Tagen umrunden, aber ich finde es schöner, wenn man sich dabei mehr Zeit lassen und ohne Stress reisen kann. Man ist ja schließlich im Urlaub.« Peikert findet auch, dass »ein fahrbarer Untersatz mit Schlafmöglichkeit« lohnend ist. »Dann ist man unabhängiger.«

Einen Abstecher sollte man dabei auch in die Hauptstadt Reykjavik machen. Dort warten unter anderem architektonische Meisterleistungen und eine malerische Innenstadt auf die Besucher. Ein Geheimtipp ist im Westen von Island die Halbinsel Snæfellsnes (übersetzt: Schneeberghalbinsel). Im Norden lohnt sich etwa eine Wanderung durch das Lavafeld Dimmuborgir.

Und von Sauðárkrókur, dem Wohnort von Julia Peikert, sind es nur eineinhalb Stunden zur Hafenstadt Akureyri. »Ich kenne sehr viele, die von Akureyri mehr begeistert waren als von Reykjavík, weil es dort nicht so überlaufen ist«, erzählt sie. Ein echter Geheimtipp also. »Und dort gibt es auch sehr viele schöne Sehenswürdigkeiten – unter anderem ein Weihnachtsgeschäft, welches das ganze Jahr über geöffnet ist. Da will irgendwie jeder hin, der nach Akureyri fährt.«

Auf Island gibt es übrigens auch nur zwei Jahreszeiten. Der Sommer geht von Mai bis August und der Winter dauert meist von September bis April. »Am sichersten ist es auf jeden Fall, im Sommer zu reisen«, sagt Peikert. »Im Winter ist es hier aber auch wunderschön!« Aber manchmal sei es dann aufgrund der Wetterverhältnisse schwierig zu reisen, ergänzt sie. »Es kommt schon öfters mal vor, dass die Straßen aufgrund von Schneestürmen für ein paar Tage gesperrt sind.«

Allerdings gibt es durchaus einen guten Grund, auch mal im Winter auf die Insel zu kommen: Dann hat man nämlich überall auf Island gute Chancen, Nordlichter zu sehen – ein einmaliges Naturspektakel! Und im Osten der Insel kann man mit etwas Glück sogar auch auf Rentierherden treffen.

Urlauber müssen bei Reisen nach Island auch nicht viel beachten. Sie sollten aber unbedingt eine Kreditkarte dabei haben. »Auf Island wird so ziemlich alles mit der Kreditkarte bezahlt, auch wenn es nur der Hotdog an der Tankstelle ist«, informiert Julia Peikert. Sie hat noch einen weiteren Tipp parat: »Man sollte, wenn man an einer Tankstelle vorbeikommt, immer die Gelegenheit nutzen, das Auto zu tanken! Die nächsten Tankstellen lassen manchmal auf sich warten.«

Apropos Autofahren: Bei zweispurigen Kreisverkehren ist Vorsicht geboten. Dort gilt: Der innen fährt, hat Vorfahrt. »Am Anfang wusste ich das nicht, da war es manchmal ganz schön knapp«, betont sie. Verbotsschilder und Absperrungen müsse man unbedingt beachten. »Man darf nie ein Gatter aufmachen und danach nicht mehr schließen. Es hat seinen Sinn, wenn Gatter zu sind«, sagt sie und ergänzt: »Eigentlich sind das ganz logische Dinge, aber es gibt leider genügend Touristen, die meinen, dass das für sie nicht gilt.« Zudem achten die Isländer auf ihre Naturschätze – und das sollten die Urlauber auch unbedingt machen.

Wenn man sich für eine Übernachtung auf einen der Höfe entscheidet, empfiehlt Julia Peikert eines wärmstens: »Wenn einem dort Essen angeboten wird, unbedingt annehmen. Die Isländer sind gute Köche!« Die isländische Küche ist übrigens sehr fisch- und fleischlastig. »Die Auswahl für Vegetarier und Veganer ist eher gering.« Es wird in Island übrigens auch viel an den Tankstellen gegessen. »Das Restaurant-Angebot, wie man es aus Deutschland kennt, gibt es in Island nicht.« Dafür gibt es auf der Insel eine Fülle von Naturereignissen – und allein diese machen eine Reise nach Island so besonders reizvoll und lohnenswert.

SB

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