Groß gegen Klein: Bäcker Pretzner muss zahlen

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Der Reit im Winkler Bäcker Josef Pretzner ärgert sich über das Vorgehen der Hofpfisterei München. (Foto: Pretzner)

Reit im Winkl – Bäcker Josef Pretzner aus Reit im Winkl hielt das Ganze zuerst für einen riesen Scherz. Diese Woche hat er ein Schreiben einer Anwaltskanzlei erhalten: Mit seinem Brot »Sonnenkorn« habe er gegen das Markenrecht verstoßen. Die Bezeichnung »Sonne« sowie die Begriffe »Öko-Sonne« und »Schwarze Sonne« hat sich nämlich die Hofpfisterei München vor ein paar Jahren schützen lassen.


Das Brot »Sonnenkorn« bietet Pretzner schon seit zwei/drei Jahren nicht mehr an. Allerdings wurde nach wie vor auf der Website für das Brot geworben – offenbar ein Markenrechtsverstoß. »Natürlich war es mein Fehler; auch, dass ich es schon nicht früher von meiner Website genommen habe«, erklärt Pretzner bei einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Ich wusste aber auch nicht, dass der Name geschützt ist. Für mich ist er jetzt nicht so außergewöhnlich.« Ohne Hintergedanken habe er das Brot vor Jahren nach den Sonnenblumenkernen benannt, die das Brot enthält.

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Nach Eintreffen des Schreibens hat er gleich am nächsten Tag bei seinem Werbebüro in Traunstein angerufen und das »Sonnenkorn« von seiner Internetseite nehmen lassen. Am Mittwoch hat er sich mit dem Anwalt der Hofpfisterei in einer großen Münchner Kanzlei für Patentrechte in Verbindung gesetzt. Bis kommenden Montag muss er eine Unterlassungserklärung unterschreiben, auch die Anwaltskosten in Höhe von 800 Euro muss er übernehmen. Der Anwalt habe Pretzner bei dem Telefonat erklärt, dass im Vergleich zu den Strafen, die bereits andere Bäckereien zahlen mussten, der Geldbetrag bei ihm noch gering sei, erzählt Pretzner. Er habe sich bei dem Gespräch gefühlt, als würde er überhaupt nicht ernst genommen werden. »Ich bin ein kleiner Bäcker, für mich ist das viel Geld«, stellt er klar. Mit dem Schreiben habe man ihn total unter Druck gesetzt. Es wurde sogar aufgelistet, welche Folgen ein Einspruch haben könnte. »Ich führe seit 30 Jahren mein Geschäft und noch nie habe ich einen Anwalt gebraucht«, erzählt Pretzner. Deshalb werde er auch nicht gegen das Schreiben vorgehen. Er ist froh, wenn die Sache vom Tisch ist.

Mit anderen Bäckern hat er sich bisher in dieser Sache nicht in Verbindung gesetzt. Doch der Vorfall hat sich unter den Kollegen he-rumgesprochen und er habe schon viel Zuspruch von anderen Bäckern erhalten; sogar ein Betrieb aus Berlin sei dabei gewesen.

Ärgern muss er sich aber trotzdem: »Wenn die Hofpfisterei bei mir angerufen und mich darauf hingewiesen hätte, dann wäre das für mich überhaupt kein Problem gewesen.« Dass sofort ein Anwaltsschreiben mit Drohungen ins Haus geflattert ist, kann er nicht verstehen. »Ich bin doch überhaupt keine Konkurrenz für die Hofpfisterei«, so Pretzner.

Seine Bäckerei ist ein Betrieb, der in der dritten Generation geführt wird. Josef Pretzner beschäftigt 20 Angestellte und unterhält zwei Filialen – eine in Reit im Winkl und eine in Kössen. Außerdem beliefert er noch acht weitere Verkaufsstellen in den beiden Gebieten. Die nächste Filiale der Hofpfisterei München befindet sich 50 Kilometer entfernt in Rosenheim; alle anderen in der Stadt München. Zum Vergleich: Die Hofpfisterei zählt über 165 Filialen mit über 1000 Mitarbeitern – es scheint wie ein Kampf Groß gegen Klein.

»Ich möchte mich doch nicht mit diesen Großbetrieben messen«, stellt Josef Pretzner klar. »Ich bin Bäcker mit Leib und Seele.« aha

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